Gibt es die neuen Banknoten bald nur noch im Museum? Setzt sich der Trend fort, wird dieses Szenario Realität. Einen Rückgang um mindestens 15 bis 20 Prozent haben die Banken im Kanton Solothurn beim Bargeldbezug in den letzten fünf Jahren festgestellt. Die Migros-Genossenschaft Aare hat seit dem Jahr 2012 gar ein Minus der Bargeldzahlungen um knapp 30 Prozent festgestellt, wie sie auf Anfrage schreibt. «Insbesondere die jüngere Generation ist vielfach ‹cashless unterwegs», hält auch der Mediendienst der UBS fest.

Die EC- und Kreditkarten haben seit Jahrzehnten mit dem Bargeld im Portemonnaie eine friedliche Koexistenz geführt. Seit die Technologie des kontaktlosen Bezahlens auf dem Markt ist – in der Schweiz seit rund fünf Jahren –, sind es ausgerechnet diese vertrauten Plastikkarten, die das Bargeld verdrängen. Smartphone-basierte Apps wie Twint und Apple Pay sind hierzulande nämlich weit weniger verbreitet.

Bancomaten bleiben – vorerst

Als erste Bank hat die UBS die Konsequenzen gezogen und im September beim Ersatz der Bancomaten in Grenchen die Zahl der Bancomaten von drei auf zwei reduziert. Kunden, die am Empfang nachfragen, bekommen folgendes Argument zu hören: «Es ist günstiger, am Monatsende neu für einige Tage einen zusätzlichen Schalter zu öffnen, als permanent einen Bancomaten zu betreiben.» Eine Aussage, die der Mediendienst der Grossbank indessen so pointiert nicht unterschreiben will. Hier heisst es: «Die Öffnung eines zusätzlichen Schalters an Stosszeiten (…) hat keinen Zusammenhang mit dem Abbau eines Bancomaten. Das war schon früher so.»

Trotz des markanten Rückgangs beim Bargeldvolumen planen die übrigen Banken im Kanton nach eigenen Aussagen derzeit keine Reduktion ihrer Bancomaten. Sie wollen abwarten und die Lage beobachten.

Rolle der Post unklar

Ebenso verhält sich die Post, die tendenziell mit einer Reduktion der Postomaten in den kommenden Jahren rechnet. Bei der Post stellt sich übrigens noch die Frage von Ursache und Wirkung: Schliessen Poststellen, weil das Bargeld abnimmt, oder nimmt das Bargeld ab, weil Poststellen schliessen? Interessant in diesem Zusammenhang: Die Raiffeisengenossenschaft Weissenstein hat festgestellt, «dass mit der Reduktion des Poststellennetzes die Kunden bereit sind, ihre Rechnungen vermehrt bargeldlos zu bezahlen».

Es ist dies eine Idee, die die Post von sich weist: «Die Einzahlungen am Postschalter (also das Begleichen von Rechnungen) haben in den vergangenen Jahren laufend abgenommen. Umgekehrt haben die Zahlungen via E-Finance (Onlinebanking) stark zugenommen. Dieser Trend begründet sich aber nicht mit der Umwandlung des Poststellennetzes, sondern hat bereits vor der Jahrtausendwende eingesetzt.»

Es ist klar: Niemand will zum Totengräber des Bargeldes werden. Dazu ist sein Stellenwert in der Gesellschaft (noch) zu hoch. Folglich gehen alle befragten Banken davon aus, dass das Bargeld sich noch lange halten wird. Und die Post lehnt es ab, diese Frage überhaupt zu beantworten. Raiffeisen bringt es folgendermassen auf den Punkt: «Es wird – wenn überhaupt – mehrere Generationen brauchen, bis das Bargeld aus dem Alltag verschwunden ist.» Nicht zuletzt wohl, da Bargeld eine ebenso anonyme wie schnelle Bezahlform ist.

Bargeld weckt Gefühle

Tatsächlich sind die Indizien keineswegs eindeutig. «Etwas zu unserem Erstaunen», schreibt die Regiobank, «stellen wir immer wieder fest, dass auch junge Kundinnen und Kunden weiterhin grossen Wert auf Bargeld legen. Dies zeigt deutlich, dass die Banknote nach wie vor mit vielen Emotionen verbunden ist.»

Ausserdem gelingt es offenbar gerade der Regiobank, zumindest bei der Frequenz eines ihrer Bancomaten, der Konkurrenz Kunden abzujagen. Dabei handelt es sich um den Drive-in-Bancomaten in Zuchwil, der vor einem Jahr eingerichtet wurde. «Die Bezugszahlen entwickeln sich nachhaltig steigend. Das Modell vom bequemen Bargeldbezug, direkt aus dem Auto, wird geschätzt.»