Im Boden, auf dem Dachstock, hinter Fensterrahmen: Dort hockt der Asbest. Zumindest in Bauten, die vor 1990 erbaut wurden. Bis dahin wurden die Fasern nämlich in Form von Zement oder als Wärmedämmung fleissig verbaut. Seit 1990 ist Asbest verboten – er kann zu Krebs im Brustfell führen.

Das merken Betroffene aber oft erst lange Zeit später. Bis zu 45 Jahre dauert es, bis Symptome auftreten. Bei Frauen, die beim Waschen der Arbeitskleider der Ehemänner mit Asbest in Kontakt kamen, bei Kindern, die in alten Bauernhäusern aufgewachsen sind, oder bei Personen, die privat umgebaut haben. Dann gibt es auch noch Berufstätige, die im Leben nie berufsunfallversichert waren. So zählt es Adrian Erni, Mediensprecher der Stiftung EFA – Lebenshilfe für Asbestopfer – auf.

Die Stiftung wurde im März 2017 gegründet und will genau in solchen Fällen eine Wiedergutmachung zahlen – als Ersatz für Lohnausfälle oder als eine Art Schadenersatz. Ein Gesuch stellen kann, wer aufgrund von Asbest in der Schweiz an einem Mesotheliom-Tumor – erkrankt ist.

Bisher sind sieben Gesuche aus dem Kanton Solothurn eingegangen. Zwei davon wurden gutgeheissen. Es handelt sich einerseits um eine «direktbetroffene Person», wie Mediensprecher Adrian Erni erläutert. Die Stiftung sprach einen Entschädigungsbetrag von 118 650 Franken. Im zweiten Fall stellten Hinterbliebene das Gesuch; die erkrankte Person ist verstorben. Witwe und Erben erhielte eine Entschädigung von 50 400 Franken.

Ein weiteres Gesuch ist bei der Stiftung hängig, die restlichen vier wurden abgelehnt.

Weitere Spender nötig

Bei den abgewiesenen Gesuchen handelt es sich laut Erni um Berufserkrankungen, welche bereits durch eine Berufsunfall-Versicherung anerkannt wurden. Das heisst, für den Schaden wurde bereits bezahlt. In einem Fall handelte es sich zudem gar nicht um Brustfellkrebs.
Laut Erni ist es «sehr gut möglich», dass noch weitere Gesuche aus dem Kanton eintreffen. Laut einem Artikel des «Beobachters» rechnet die Stiftung EFA damit, dass bis 2025 die meisten Asbestfälle aus der Industrie erfasst sind.

Die Stiftung erwartet einen Aufwand von 100 Millionen. Bisher verfügt sie aber erst über 12 Millionen. In den Fonds einzahlen können Firmen und Private als Entschädigung für den früheren Umgang mit Asbest, der zu den Krankheiten geführt hat.

Ob auch schon Spenden aus dem Kanton eingingen, ist nicht bekannt. «Unsere Spender bleiben anonym», so der Mediensprecher.

Hier gibt es mehr Informationen zur Stiftung, sowie das Gesuchsformular zum Download.