Parlamentsdienste
Sie wird dem Ständerat das Zählen beibringen

Martina Buol wird ab Sommer dafür sorgen, dass die kleine Kammer im Bundeshaus immer hat, was sie braucht, damit die Session reibungslos verläuft. Als Sekretärin des Ständerates wird sie auch für die neue Abstimmungsanlage im Stöckli verantwortlich.

Andreas Toggweiler
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Martina Buol (48) arbeitet ab August im Ständerat.

Martina Buol (48) arbeitet ab August im Ständerat.

Hansjörg Sahli

Dazu kann ich allerdings noch gar nichts sagen», meint sie, auf die Einrichtung angesprochen. Denn als Martina Buol sich für die Stelle der stellvertretenden Generalsekretärin der Bundesversammlung bewarb, war das rasche Ende der Stimmenzähler im Stöckli noch nicht absehbar. Die Instruktion der Ständeräte und die Handhabung der Anlage – Ausgestaltung und Einbauzeitpunkt sind noch offen – wird auch nur eine von vielen Herausforderungen sein, die ab 2. August dieses Jahres auf die 48-jährige Freiburgerin warten. Sie leitet zurzeit noch die Austausch-Agentur der
ch Stiftung in Solothurn. Hier, im Perron-1-Bürogebäude am Hauptbahnhof, ist sie Leiterin eines Teams von 38 Personen, die im Auftrag des Bundes und der EU Lernaufenthalte von Schülern, Studenten und Lehrkräften im Ausland organisieren.

Im Bundeshaus wird Buol als Stellvertreterin von Generalsekretär Philippe Schwab mit ihm die Parlamentsdienste mit rund 300 Angestellten leiten. Diese sorgen dafür, dass alljährlich vier dreiwöchige Sessionen der beiden Parlamentskammern, dazu unzählige Sitzungen der Legislativ- und Aufsichtskommissionen und gelegentliche Sondersessionen reibungslos über die Bühne gehen.

Dazu gehört nicht nur das Beliefern der National- und Ständeräte mit den Sitzungsunterlagen (in ihrer jeweiligen Muttersprache), sondern auch der ganze Protokollierungsdienst, Weibeldienste, Übersetzungen und Archivdienste, Terminplanungen, Reservationen von Sitzungszimmern oder die Organisation der Kommissionssekretariate. Das Parlament hat auch eine eigene Homepage (parlament.ch). Martina Buol wurde von der Verwaltungsdelegation der Räte gewählt – von den Parlamentariern selber.

Mitarbeiterin von Moritz Leuenberger

Sie hat bereits ausgiebige Bundeshaus-Erfahrung. Sie war zehn Jahre lang persönliche Mitarbeiterin von Bundesrat Moritz Leuenberger, davon fünf Jahre als Leiterin des persönlichen Stabes des Verkehrsministers. Zuvor war die 48-jährige SP-Frau Sekretärin der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen. «Nach dem Rücktritt meines Chefs brauchte ich zuerst eine kleine Auszeit», lacht sie. Als rechte Hand eines Bundesrats hat Buol eine spannende, aber auch anstrengende Zeit erlebt. Als sie Mitte 2011 die ch Agentur in Solothurn übernahm, war aber weitere intensive Aufbauarbeit angesagt. «Der Austausch zwischen Kulturen und Sprachen hat sich bisher wie ein roter Faden durch mein Leben gezogen», erklärt sie.

In der zweisprachigen Stadt an der Saane aufgewachsen, hat sie auch in Freiburg studiert und promoviert. Schon als Gymnasiastin war sie selbst als Austauschschülerin in den USA. Für die Mutter von zwei erwachsenen Kindern (18 und 21 Jahre) war die Leitung der ch Agentur in Solothurn deshalb nichts Fremdes. «Ich konnte mich hier in einem Bereich betätigen, mit dem ich mich persönlich stark identifiziere.» Sie habe so auch Solothurn «und seine vielen guten Restaurants» kennen gelernt. «Solothurn ist ein guter Standort der ch Agentur, denn es ist selber offen und für Mitarbeitende aus der Westschweiz gut erreichbar.»

Abschied von Solothurn

Die Solothurner Zeit geht nun zu Ende. Sie freue sich, auch im Bundeshaus in diesem Sinne wirken zu können, da im Ständerat der Ausgleich zwischen Regionen und Sprachgemeinschaften besonders gepflegt wird, erklärt Buol. Das politische System Schweiz, dessen Mechanismen und Besonderheiten auf Bundesebene sie seit langem gut kennt, funktioniere gut und es lohne sich, sich für ein System einzusetzen, das auch Minderheiten berücksichtige. «Es ist ein komplexes System und in den Entscheiden nicht so leicht voraussehbar wie gewisse Regierungs-/Oppositionsmodelle im Ausland.» Sie sei sich bewusst, dass sie eine relativ kurze Zeit in Solothurn verbracht habe und der Aufbau der ch Agentur noch nicht ganz abgeschlossen sei. Doch eine Stelle als Sekretärin einer nationalen Parlamentskammer wird nicht alle Tage frei.

Es ist übrigens ein Irrtum zu glauben, die Ratssekretariate hätten nur während der Sessionen zu tun. «Kaum ist eine Session zu Ende, beginnen schon die Kommissionssitzungen wieder», erklärt Buol. Die Kommissionsarbeit gestalte sich dabei in beiden Räten ähnlich. Ganz im Unterschied zur Ratsarbeit, die im Ständerat anders verläuft als im Nationalrat. Der freien Rede der Senatoren zu lauschen, kann eine Rhetorikstunde ersetzen – zumindest manchmal.

Richtig hektisch kann es aber immer wieder werden. Sei dies bei Bundesratswahlen oder bei Differenzbereinigungen von Geschäften, die noch in der laufenden Session entschieden werden sollen. «Da müssen die Kommissionen schon mal um 7 Uhr früh zu Sitzungen zusammenkommen.»

Mehr Geld bis 2020

Nach mehreren Jahren begrenzter Mitgliedschaft nimmt die Schweiz seit 2011 vollumfänglich teil an den Studenten-, Schüler- und Berufsaustauschprogrammen der EU. Die ch Stiftung in Solothurn wurde vom Bund mit der Durchführung des Programms beauftragt. Seit die Schweiz voll im Programm integriert ist, haben doppelt so viele Schüler, Studenten, Lehrlinge und Lehrkräfte vom Angebot Gebrauch gemacht wie vorher. 2012 waren es laut Buol gut 6300 Personen. Jährlich stehen zurzeit rund 14 Mio. Euro für das Programm «Lebenslanges Lernen» und das Programm «Jugend in Aktion» zur Verfügung. Beliebte Gastländer für Studenten seien Spanien und England, für Lehrlinge eher die Nachbarländer der Schweiz. «Bei den Austauschprogrammen geht es um mehr als nur ums Sprachenlernen», betont Buol. Das EU-Programm, das Ende 2013 ausläuft, soll einen Nachfolger erhalten und sogar noch aufgestockt werden, erklärt Buol. «Die Rede ist von 40 Prozent zusätzlichen Mitteln bis 2020.» Grund: Auslandaufenthalte verbessern die Chancen von Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt. (at)

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