Sie selber hat die Türe zu ihrem Büro noch nicht so oft geöffnet. Erst seit dem 1. Dezember ist Andrea Affolter die «Hausherrin» des Büros U01 im Erdgeschoss des Solothurner Rathauses.

Zuvor ging die neue Medienbeauftragte des Regierungsrates durch die Türen von Radiostudios ein und aus: Zuerst, ab 1997, durch jene des Lokalsenders «Radio 32», ab 2001 dann durch die des Regionaljournals Aargau/Solothurn von Radio SRF.

18 Jahre hat die ausgebildete Sekundarlehrerin journalistische Arbeit geleistet, Radioberichte verfasst, Sendungen moderiert und Interviews geführt. Und nun hat die Solothurnerin plötzlich eine andere Aufgabe, muss sie selber Journalisten Red und Antwort stehen.

Ein Interview in eigener Sache zu geben, das sei schon etwas gewöhnungsbedürftig, gesteht die 45-Jährige ein: «Ich würde jedenfalls kein Interview mit mir machen».

«Was man kommunizieren kann, das soll man kommunizieren»

Als «Verräterin», die mit dem Sprung in die Verwaltung die Seite gewechselt hat, sieht sich Affolter sowieso nicht: «Ich habe keinen Seitenwechsel gemacht – nur einen Rollenwechsel.»

Sie selber sehe grundsätzlich keinen Graben zwischen Journalisten und Verwaltung. Im Bewusstsein der unterschiedlichen Rollen plädiert sie «für ein Mit- statt ein Gegeneinander».

Die bisherige Informationspraxis von Regierung und Amtsstellen schätzt die Nachfolgerin von Dagobert Cahannes als «offen» ein. «Daran soll sich nach meiner Meinung auch nichts ändern», versichert Affolter: «Was man kommunizieren kann und muss, das soll man kommunizieren», lautet ihr Credo.

Nur der Wandschmuck wird noch ändern: Andrea Affolter im neuen Wirkungsfeld. ums.

Nur der Wandschmuck wird noch ändern: Andrea Affolter im neuen Wirkungsfeld. ums.

Sie versteht sich dabei «als Drehscheibe», als Vermittlerin. Sie sehe ihre Aufgabe darin, beratend dafür zu sorgen, dass die Informationen des Kantons verständlich, in der richtigen Form und zum richtigen Zeitpunkt bei der Bevölkerung ankommen.

Keinesfalls will sich Andrea Affolter als Verkäuferin geschönter Darstellungen des Kantons betätigen. Dies sei durchaus auch im Sinne der Exekutive: «Der Regierungsrat hat eine Journalistin eingestellt – keine PR-Fachfrau: Das ist durchaus auch als Signal zu verstehen.»

Es ist der Job von Journalisten, «die Finger drauf zu halten»

Weil Medienschaffende naturgemäss mitunter mehr oder anderes wissen möchten,als auch der Regierung lieb ist, wird man sich allerdings immer mal wieder auf die Füsse treten.

Affolter will dies gestützt auf eigene Berufserfahrung sportlich angehen: «Es ist die Aufgabe von Journalisten, die Finger drauf zu halten, wenn etwas nicht rund läuft».

Der Job-Beschrieb der Medienbeauftragten sieht explizit ein Wirken «in erster Linie als Beraterin und Coach im Hintergrund» vor. Im Gegensatz zu den Regierungssprechern anderer Kantone werden sich die grossen offiziellen Auftritte von Andrea Affolter also zahlenmässig in Grenzen halten.

Dies entspreche durchaus ihren Intensionen, versichert sie. Umso spannender sind die Einblicke, die sie nun nicht nur in ihrer täglichen Arbeit, sondern besonders auch bei den wöchentlichen Regierungssitzungen gewinnen kann.

Eine spezielle Situation für eine ehemalige Journalistin: «Bisher konnte ich einiges nicht erzählen, weil ichs nicht wusste. Jetzt weiss ich viel, aber darf nicht darüber sprechen.»

Das Familienleben musste neu organisiert werden

Damit sie ihren 100-Prozent-Job beim Kanton antreten konnte, wollte zuerst das private Umfeld der verheirateten Mutter von zwei Kindern geregelt werden. «Diesen Job musst Du nehmen, er ist genau auf Dich zugeschnitten», habe ihr Mann Niels nach eingehenden Diskussionen gesagt.

Er hat nun sein eigenes Arbeitspensum auf 50 Prozent reduziert, damit die Betreuung der Töchter Meret (8-jährig) und Mara (2½) sichergestellt werden kann. Affolter: «Er freut sich riesig, nun mehr Zeit für die Familie zu haben.»

Und sie? Schon drei Tage nach Amtsantritt fühlt sie sich hier im Rathaus wie zu Hause, wie sie versichert. Allerdings: Den Bilderschmuck in ihrem Büro werde sie sicher noch austauschen, hat sie sich vorgenommen. Gegen was? «Sicher auch etwas Zeitgenössisches, Farbiges – aber das hat jetzt noch Zeit.»

Und was vermisst sie rückblickend aus ihrer Radio-Zeit? «Den Adrenalinkick beim Moderieren, wenn man nach dem Signet live auf Sendung geht.» Nun, ihre neuen Arbeitgeber werden bestimmt dafür sorgen, dass es auch in Zukunft zum einen oder anderen Adrenalinschub kommen wird.