Gross und Klein strömte am Wochenende ins Stadttheater, um «Pollicino», die 1918 uraufgeführte Kinderoper von Hans Werner Henze, zu sehen. Inszeniert wurde sie von Isabelle Freymond. Das Spezielle: Nicht nur im Publikum fanden sich viele Kinder, sondern auch auf der Bühne.

Erzählt wird die Geschichte von Pollicino und seinen Geschwistern. Deren Eltern sind arme Leute und wissen nicht, wie sie ihre Kinder weiterhin ernähren sollen. Der Vater überzeugt die Mutter davon, dass es das Beste sei, die Kinder im Wald auszusetzen. Widerwillig stimmt sie zu. Doch die beiden haben nicht bemerkt, dass ihr kleiner Pollicino mitgehört hat. Er beschliesst, weisse Kieselsteine zu sammeln, damit er sie entlang des Weges verteilen kann. Am nächsten Tag begibt sich die ganze Familie in den Wald. Plötzlich merken die Kinder, dass sie ganz alleine sind. Aber dank Pollicinos Kieselsteinen finden sie den Weg zurück. Während die Kinder froh sind, dass sie wieder zu Hause sind, ärgern sich Vater und Mutter im Stillen darüber. Es gelingt ihnen, am nächsten Tag die Kinder erneut auszusetzen. Über Nacht haben sie die Tür abgeschlossen, sodass Pollicino nicht erneut Steine sammeln konnte. Er nimmt stattdessen Brotkrümel, diese werden aber von den Vögeln aufgefressen.

Hilflos stehen die Kinder im Wald und wissen nicht mehr weiter. Da kommen ihnen die Tiere zu Hilfe. Der zuerst von allen gefürchtete Herr Wolf führt die Geschwister zu einer Hütte. Dort wohnt ein Menschenfresser zusammen mit seiner Frau. In der Nacht, die Pollicino und seine Geschwister bei Herrn und Frau Menschenfresser verbringen, treffen sie auf deren Kinder, diese erklären, dass sie abhauen wollen von zu Hause. Die Kinder schliessen sich alle zusammen und fliehen in der Nacht in ein besseres Leben.

Gemeinsam stark sein

Es sei eine Geschichte der Freundschaft, erklärt Regisseurin Isabelle Freymond. Ihr sei es wichtig, zu zeigen, dass man gemeinsam vieles schaffen kann und auch stärker ist. Sie habe sich deshalb auch dazu entschieden, die Geschwister von Pollicino, die im Original alles Söhne wären, geschlechtergemischt zu besetzen. «So liegt der Fokus auf der gemeinsamen Freundschaft ungeachtet des Geschlechts.»

Die Schwierigkeit seien die unterschiedlichen Niveaus der Kinder auf der Bühne gewesen. «Vom Profi bis zu jenem, der das erste Mal auf der Bühne steht, haben wir alles dabei. Aber das Schöne an Kindern ist, dass sie unglaublich spontan und kreativ sind.» Freymond weiss, was sie tut. «Das ist meine vierte Kinderoper.» Sie erhielt bereits den Kulturförderpreis der Stadt Biel für ihre Arbeit. Die Begeisterung ist den jungen Operntalenten auf der Bühne deutlich anzusehen, sie alle geben ihr Bestes. Sie führen eine wundervolle und witzige Geschichte über die Freundschaft auf, und zwar mit so viel Elan, dass man die Geschichte von Pollicino und seinen Geschwistern einfach nur toll finden kann.