«Insieme-Träff»

Sie sind eine Gemeinschaft auf und neben den Pisten

Aufgestellte Schar: Die Teilnehmenden am «Insieme-Träff»-Weekend in Mürren.

Aufgestellte Schar: Die Teilnehmenden am «Insieme-Träff»-Weekend in Mürren.

20 schneebegeisterte Behinderte aus dem Kanton Solothurn haben ein zweitägiges Schneeweekend in Mürren verbracht. Der «Insieme Träff»gibt es schon seit 39 Jahren.

Ausgerüstet mit Skiern, Schlitten, Schneeschuhen startet der Reisecar am Freitagabend von Zuchwil aus in Richtung Mürren. Mit dabei: 20 schneebegeisterte Behinderte, die sich gut gelaunt auf das zweitägige Schneeweekend einstimmen.

Seit 39 Jahren besteht der «Insieme Träff» nun schon und sorgt für ein vielfältiges Freizeitangebot für Menschen mit einer geistigen Behinderung.

Im Vordergrund stehen dabei einerseits die Begegnung von behinderten und nichtbehinderten Menschen und andererseits die Entlastung der Angehörigen. Der «Träff» wird mit Teilnehmerbeiträgen und Spenden finanziert. So spendete das Hotel Alpina in Mürren auch in diesem Jahr eine Übernachtung.

So unterschiedlich wie die Teilnehmer sind auch die Hintergründe der Betreuer, die alle ehrenamtlich mit dabei sind. Von der Jus-Studentin über den Koch bis hin zur Immobilienmanagerin kommen die Helfer aus allen möglichen beruflichen Milieus. «Es braucht keine speziellen Fähigkeiten als Betreuer, aber eine gewisse Weltoffenheit sollte vorhanden sein», sagt Eva-Maria Fischli. Scheuklappen-Denken sei hier wenig hilfreich. Ausserdem, so die Heilpädagogin, müsse man sich bewusst sein, dass bei der Arbeit mit «anders Begabten» Freud und Leid stets nahe beieinander seien. Was man hingegen gar nicht gebrauchen könne, seien Menschen mit einem Helfersyndrom. «Wir benötigen Leute, welche die Behinderten als gleichwertige Menschen betrachten und nicht als Arme und Hilfsbedürftige», ergänzt Markus Fischli, Leiter des Schneeweekends.

Feste Grösse im Programm

Angefangen hat die Idee mit dem Schneeweekend vor 32 Jahren. Damals stand jedoch nur Schlitteln auf dem Programm. Nach und nach entwickelte sich der Schneeausflug zu einer festen Grösse bei den Jahresaktivitäten des «Insieme Träff». Inzwischen werden zusätzlich auch Skifahren, Schneeschuhlaufen und Wandern angeboten.

Und dieses Angebot wird auch rege genutzt. Besonders für die Schneewanderung haben sich viele angemeldet und die lassen sich auch durch den teils dichten Nebel und Regenschauer nicht den Spass verderben. Gut ausgerüstet mit Wanderstöcken, Spikes und dicker Kleidung stampfen die Teilnehmer durch den knöcheltiefen Schnee, während dabei gelacht, getratscht und das Neuste über die Arbeit in den geschützten Werkstätten ausgetauscht wird.

Schnell zeigt sich auch die gegenseitige Fürsorge der Teilnehmer. «Möchtisch mini Stöck» oder «Wosch bi mir ihänke» heisst es, wenn einem Mitglied der Gruppe die Puste auszugehen droht. Das man aufeinander aufpasst, ist für die Behinderten selbstverständlich. «Wir sind schliesslich ein Team!» sagt Teilnehmerin Sabrina.

Nach den Aktivitäten des Tages möchte man meinen, dass die Teilnehmer am Abend nur noch müde ins Bett fallen, doch weit gefehlt. Nach dem Abendessen mischt man sich im örtlichen Partykeller unters Volk und tanzt voller Enthusiasmus zu Schlagerhits. «Wir wollen uns nicht verstecken indem wir unsere eigene Laiendisco organisieren, sondern gehen bewusst an öffentliche Orte», erklärt Markus Fischli.

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