Seit wann steht das Care-Team im Einsatz? Und mit wie vielen Personen?

Wir wurden in der Nacht von Sonntag auf Montag um 3.50 Uhr alarmiert. In der Folge waren vier Personen im Einsatz. Dieser wurde gleichentags um 11 Uhr abgeschlossen. Nun bin ich die Ansprechperson für Bedürfnisse, die sich nun noch ergeben. Aber die akute Phase ist abgeschlossen.

Was haben Sie im ersten Moment angetroffen?

Das Care-Team war nicht auf dem Brandplatz im Einsatz, sondern in der Zivilschutzanlage des Bürgerspitals. Ich darf sagen: Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten funktionierte hervorragend. Wir konnten die Bewohner des Hauses rasch in die Obhut der Sozialen Dienste geben.

Wer wurde in der Akutphase betreut?

In erster Linie die Einsatzkräfte, die bei der Rettung schwierige und belastende Situationen erlebt haben. Der Einsatz wurde zunächst im Plenum besprochen. Danach ergaben sich Folgegespräche mit Einzelpersonen.

Was ist derzeit die grösste Herausforderung?

Wie gesagt: Die Rettung war äusserst anspruchsvoll. Auch wenn die akute Phase nun abgeschlossen ist, kann der Einsatz sicher nicht einfach abgehakt werden. Es ist gut denkbar, dass sich daraus Bedarf nach professioneller psychologischer Unterstützung ergeben wird.

Und was ist mit den überlebenden Bewohnern des Hauses?

Die Menschen gehen unterschiedlich mit der Situation um. Das hat mit früheren Traumatisierungen zu tun, sicher aber auch mit den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Vergessen wir zudem nicht: Sie wussten bisher aufgrund der fehlenden Identifizierung auch nicht, welche Personen betroffen sind.

Wird es nun eine zweite Phase geben?

Es kann sein, dass sich weiterer Betreuungsbedarf für die Hausbewohner ergeben wird. Vor allem bei Menschen, die nicht als Einzelpersonen einquartiert waren. Ich rede insbesondere von Angehörigen in einem Familienkontext.

«Wir wurden mit harten Bildern konfrontiert»

«Wir wurden mit harten Bildern konfrontiert»

Sechs Menschen starben in der Nacht auf Montag bei einem Brand eines Mehrfamilienhauses in Solothurn. Ein harter Einsatz für die Rettungskräfte.

Es sind auch Kinder betroffen.

Ja, das ist so. Wir sind in Kontakt mit den Schulen und werden mit diesen vorkehren, was nötig ist, um einen Umgang mit dem Verlust und der Trauer zu finden.

Worum geht es dabei vor allem?

Es geht immer darum, eine Sprache zu finden, um für das scheinbar Unaussprechliche die richtigen Worte zu finden. Es geht aber auch darum, Zeit und Raum zu geben, die Ruhe und die Stille zuzulassen.

Wie lange halten Sie die Betreuung aufrecht?

Das Care-Team ist für die Akutphase vorgesehen. Danach übernehmen Fachleute ausserhalb des Notfalleinsatzes. Das Ereignis hier ist aber sehr komplex. Es wird sich in den kommenden Tagen zeigen müssen, was notwendig ist. Vor diesem Hintergrund bleibt das Care-Team sicher auf Abruf bereit.

Sie haben selber viele Einsätze mitgemacht. Wie ordnen Sie diesen ein?

Der Einsatz ist insofern speziell, als das Augenmerk eindeutig bei den Einsatzkräften liegt, die an ihre physischen und psychischen Grenzen gegangen sind, um möglichst viele Menschen zu retten. Es ist nicht einfach zu ertragen, dass gleichwohl sechs Menschen gestorben sind. Das geht an niemandem spurlos vorbei.

Wer kümmert sich um das Care-Team?

Wir haben für die eigene Psychohygiene eine Notfallpsychologin, die uns bei Bedarf zur Seite steht. Zudem lernen wir in der Ausbildung, wie wir selber gesund bleiben bei der Arbeit, die wir im Notfall leisten.