Beim Kindertheater geht es darum, die Kinder Theaterluft schnuppern zu lassen. Mit Erfolg: Im Stadttheater Solothurn wimmelt es nur so von Kindern.

Im Foyer des Stadttheaters Solothurn warten viele neugierige Kinder zusammen mit ihren Eltern, Grosseltern und Geschwister auf die Saalöffnung.

In der Zwischenzeit werden die Kinder in der Vorhalle vom Coop-Jamadu-Maskottchen in Realformat empfangen. Mit ihm können die Kinder einmal das Glücksrad drehen – ein Gewinn ist garantiert.

Im Theatersaal sind die Erwartungen beim Blick auf die minimalistisch gestaltete Kulisse gross. «Perô – Oder die Geheimnisse der Nacht» wird gespielt (Regie: Charlotte Huldi). Ein Stück, das vom niederländischen Theatermacher Guus Ponsioen nach dem Kinderbuch «Pierrot et Les secrets de la nuit» von Michel Tournier aufbereitet wurde.

Es handelt sich um die Liebesgeschichte zwischen der Dorf-Wäscherin Colombina – Liebhaberin des Tageslichts – und dem Dorf-Bäcker Perô – Liebhaber des Mondscheins. Die zwei sind zusammen zur Schule gegangen, aber aufgrund der unterschiedlichen Lebensweisen – er lebt nachts und sie tagsüber – können sie nicht zusammen sein.

Eine Liebesgeschichte

Perô ist unsterblich verliebt in die hübsche Colombina und möchte ihr die Schönheit der Nacht zeigen, sie fühlt sich jedoch nur von der Sonne angezogen. Eines Tages kommt der charmante Maler Paletino ins Dorf und es ist um Colombina geschehen – geblendet von der Liebe, reist die Wäscherin nach der Hochzeit mit dem Maler ab. Aber, nicht alles was sich überstürzt und emotionsvoll ereignet, scheint für die Ewigkeit gedacht. «Es hat sich was verändert in der Hochzeit», stellt Colombina schnell fest.

Nach einem langen Gefühlsdilemma verlässt sie den Patriarchen und läuft in einer kalten und schneienden Nacht zurück zu ihrem Dorf. Colombina befreit sich von Paletino, ist jedoch zu schwach und ängstlich, um ohne Hilfe den gesamten Heimweg zu meistern. Zum Glück kommt der liebe Perô, gerufen von einer kleinen Maus, um Colombina zu retten, und zusammen mit ihr den Rest ihrer Tage in vertrauter und glücklicher Zweisamkeit zu verbringen.

Lichtspiel, Musik und Puppen

Gespielt wird das ganze Stück mit zwei Puppen, deren Geschichte durch die Schauspieler (Pascale Güdel und Julien Schmutz), welche die Puppen gefühlsvoll führen, indirekt erzählt wird. Als Spielleiterfiguren wird das Publikum von Sonne (Céline Clénin; Saxofon, Klavier und Gesang) und Mond (Nicolas Gerber; Klavier und Gesang) durch die Handlung geführt. Diese Figuren, die am Rand der Bühne platziert sind, singen, musizieren und begleiten erzählerisch die Handlungsabläufe. Zwischen Sonne und Mond entsteht eine Parallelliebesgeschichte, die in der Schlussszene mit einem kosmischen Vereinigungstanz gekrönt wird. Das karg gestaltete Bühnenbild (Verena Lafargue Rimann) – gibt es nur zwei Gestelle als Symbole für die Häuser von Perô und Colombina – verlangt von den Schauspielern einen Mehraufwand, der grossartig geleistet wird.

Es wird hervorragend gespielt, gesungen und musiziert: Die Schauspieler gehen wahrlich in ihre Rolle auf und halten eine innige Beziehung zu ihren Puppen aufrecht. Auf hohem Niveau, mit sichtlicher Freude und Engagement stellt die musikalische Untermauerung des Stücks eines der Highlights dar. Interessant und gut gelungen sind die Lichtspiele zwischen Tag und Nacht, die lichttechnisch eindrucksvoll gestaltet werden: Die Schlussszene mit der Vereinigung von Sonne und Mond unter einem Sternenhimmel ist ein Augenschmaus.

Die tanzende Mäuseschar im leeren, verlassenen und von Trübsal gefüllten Bäckerhaus von Perô, der nach dem Verlassen von Colombina zerstört ist, zaubert ein Lächeln auf die Lippen: Ein weiterer Höhepunkt.

Wenig Interaktion

Nichtsdestotrotz zeigte sich das junge Publikum an der Premiere vom Mittwochabend nicht besonders begeistert: Nach einer halben Stunde wurde es langsam unruhig im nicht gefüllten Stadttheater. Ein junger Zuschauer schlief ein, einige waren unaufmerksam.

Aufgrund längerer musikalischer Intermezzo, währenddessen die Puppen bewegt werden, ist es schwierig, Spannung aufzubauen und zu halten; zudem fehlen Überraschungsmomente. Die Schauspieler und die Puppen dialogieren kaum direkt miteinander und ein konkreter Einbezug des Publikums fällt gänzlich aus.

Der Lachfaktor, den Kinder so sehr mögen, fehlt leider in diesem Theaterstück ebenso: Keine kindergerechten Lacher wurden eingebaut. Insgesamt entpuppte sich die Geschichte als nur mässig für das Zielpublikum geeignet, die jungen Zuschauer ab fünf Jahren interessieren sich nur bedingt für Liebesromanzen. Etwas ältere Kinder, beispielsweise ab neun, finden das Stück bestimmt anregend.

Vorstellungsdaten Stadttheater Solothurn: Sa 3.12; So, 4.12; So 18.12; Mo 26.12 jeweils um 15 Uhr.