Gastkolumne

Sie können es sich selber geben

Die Raiffeisen musste Kritik einstecken. (Archiv)

Die Raiffeisen musste Kritik einstecken. (Archiv)

Gastkolumne über die grosse Selbstgefälligkeit und mangelhafte Kontrolle.

Gewagte Thesen tun gut. Sofern nicht im Brustton absoluter Wahrheit verkündet. Sie sollen bleiben, was sie sind. Bewahrheiten sich Thesen, schön. Vielleicht. Je nach Wahrheit. Gerne differenziere ich zwischen These und Behauptung. Thesen fordern heraus. Fördern Denken und Diskussion. Wer behauptet, diskutiert nicht gerne. Oder nur bis die eigene Position zu wackeln droht. Dies die These – sogleich ergänzt.

Viel behauptet wird gerne von und unter Mächtigen. Ist der Selbstwert mächtig klein desto mehr. Da sich Mächtige gerne selber schützen, werden deren Behauptungen und Tun kaum hinterfragt. Ausser der äussere Druck wird derart gross, dass er trotz inneren Widerständen ernst genommen werden muss. Egal ob Wirtschaft, Politik oder Kultur, obwohl da stets in Abrede gestellt wird, dass hier so etwas wie Macht vorhanden sein könnte.

Von mutmasslich Mächtigen zu schreiben, hat seine Gründe: Postauto und Post AG, Raiffeisen, VW, Audi, KPMG, Ruag, Armee und Hochsee. Bestimmt noch mehr. Gehäuftes Auftreten an Fehltritten. Was nicht bedeutet, dass es häufiger zu Verfehlungen kommt. Vielleicht sind die Verantwortlichen schlicht nur ungeschickter, weil bislang unangetastet. Unter Umständen fühlten sie sich im Recht, da stets reichlich belohnt. Mit Bonus, Honorar und Spesenvergütung. Nicht nur das ist den Verfehlungen über Landes- und Firmengrenzen hinweg gemeinsam. Auch wurde zu wenig genau hin- oder zu lange weggeschaut.

Ist es Arroganz? Filz? Korruption? Begriffe dieser Art sind vermutlich unangebracht. Womöglich ist es simpler. Es könnte geschehen, weil man sich kennt. Weil man es kann. Das soll die gegenwärtigen Skandale keineswegs verharmlosen. Im Gegenteil. Es wird schlimmer, weil es derart banal ist. Es bedarf nicht krimineller Energie, um Schaden anzurichten. Offenbar genügt Selbstgefälligkeit unter Seinesgleichen. Sein unter seinesgleichen. Furchtbar langweilig, finde ich, das aber gehört nicht hierher, drum will ich es nicht geschrieben haben.

Unter seinesgleichen ist schneller ein Auftrag vergeben, ein Angebot gemacht, eine Lohnsumme definiert. Im Dunstkreis von Gleichdenkenden werden Verwaltungsratshonorare in einer Höhe bestimmt, die laut ihresgleichen zwingend seien, um gute Leute zu finden. Sind wirklich ehrlich qualifizierte Kräfte gesucht? Die jüngsten Ereignisse scheinen zu zeigen, Grosslohn schützt vor Fehlern nicht. Im Gegenteil. Je mehr im Sack, um so offener die Hände. Die Gleichung, Grossverdiener garantiert Vertrauenswürdigkeit, wird hinfällig. Dass entdeckt wurde, was schieflief, lässt sich mit kumpelhafter Kulanz nicht mehr kaschieren. Selbsterhalt ist ebenso im Spiel. Zum Zugrossverdiener wird nicht, wer es verdient. Nein, sie können es sich selber geben. Gutes Personal liesse sich garantiert mit weniger Verlockungen finden. So weit die Thesen.

Spätestens jetzt wird das intellektuell stets unterfütterte Argument des Neides ins Feld geführt werden. Das lässt mutmassen, ein wunder Punkt ward getroffen. Keine These übrigens, das war eine Behauptung.

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