Wie ein lahmgelegter Käfer liegt Verena Käch im Bett. Sie kann sich nicht mehr rühren: Kann sich weder auf die eine noch auf die andere Seite drehen. Aus heiterem Himmel blitzen starke Schmerzen in ihr Kreuz. Nur mithilfe ihres Mannes kommt sie wieder auf die Beine. Ihr Arzt vermutet einen Hexenschuss und verabreicht ihr eine Spritze. Die Schmerzen im unteren Rücken lassen nun zwar nach – aber sie bleiben.

Als sie drei Jahre später den Arzt wechselt, macht dieser ein Röntgenbild sowie einen Bluttest – und kommt zum Schluss: Verena Käch hat die unheilbare rheumatische Krankheit Morbus Bechterew.

(Quelle: youtube.com/bechterewschweiz)

Beat Schlatter als Pfarrer im Bechterew-Spot:

Vor gut vierzig Jahren war das. Heute weiss sie, dass sie damals, als sie sich vor Schmerzen nicht mehr rühren konnte, den ersten Krankheitsschub erlitten hat. Sie war 27, voller beruflicher Ambitionen. Trotzdem war die Diagnose kein Drama für sie. «Ich sagte mir: Das bringt mich nicht um. Und dachte an meine Tante, die diese Krankheit ebenfalls hatte, aber bei recht guter Gesundheit war.»

Verena Käch hatte aber auch vor Augen, dass ihre Tante gebückt daherkam. «Eine solche Haltung wollte ich nicht. Ich sagte mir: Falls sich meine Wirbelsäule versteift, dann gerade. Und begann, auf dem Boden liegend Zeitung zu lesen, den Oberkörper aufgerichtet.» Auf keinen Fall wollte sie als Pflegefall enden. Sie arbeitete weiter Vollzeit, absolvierte Ausbildungen, führte zeitweise Teams von bis zu dreissig Personen. «Keinen einzigen Tag», sagt sie, die zuletzt als Krankenversicherungs-Expertin tätig war, «habe ich bei der Arbeit gefehlt.»

Wie vorher trieb sie Sport;mit dem Unterschied, dass er nun nicht mehr alleine dem Abbau von Stress und dem Ausgleich diente – sondern einen neuen Sinn hatte: dass die Schmerzen nachlassen, sie von ihnen abgelenkt wird und dass die Wirbelsäule so geschmeidig wie möglich bleibt.

«Bewege ich mich, geht es mir viel besser. Zum Glück mache ich das mit Freude.» Sie tanzt, wandert, fährt Velo und Ski, absolvierte vor acht Jahren ein Trekking in Nepal und ist diesen Sommer von Passau nach Budapest geradelt. Bechterew braucht Bewegung. Verena Käch ist der lebendige Beweis dafür, dass dieses Motto fruchtet. Aus Neugierde hat sie als Statistin bei zwei Spots mitgemacht, die diese Botschaft vermitteln. Mit prominenter Besetzung: Komiker Beat Schlatter spielt dabei einen Priester sowie einen Polizisten.

Für die 67-jährige Seeländerin mit Ostschweizer Dialekt war das Premiere und unvergessliches Erlebnis zugleich. «Ich hätte nie gedacht, dass hinter Spots solche Arbeit steckt und dass so viele Freiwillige bei den Dreharbeiten mitmachen.»

Seit fast dreissig Jahren hat Verena Käch, wie sie erzählt, keinen Krankheitsschub mehr erlitten. Sie wirkt vital; man sieht ihr nicht an, dass sie eine unheilbare Krankheit hat. «Daran denke ich nicht, ich fühle mich gesund.»

Schmerzen aber, in verschiedenen Schattierungen und Stärken, gehören zu ihrem Leben. Sie versucht, sich abzulenken, via Atem den Schmerz als weniger heftig zu erleben. Medikamente sind für sie tabu, wegen der Nebenwirkungen. «Zudem würde ich mich krank fühlen, würde ich täglich Tabletten schlucken.» Für das Gefühl, gesund zu sein, nimmt sie Risiken in Kauf, kann es doch vorkommen, dass sie vor Schmerzen ohnmächtig wird und hinfällt. Bislang hatte sie aber Glück: Sie hat sich noch nie verletzt.

Praktisch keine Beschwerden hat sie einzig dann, wenn sie sich sehr viel und bewusst bewegt. Sonst aber sind Schmerzen ihr steter Begleiter. Auch jetzt, während des Gesprächs. «Vielleicht habe ich gestern beim Radfahren eine falsche Bewegung gemacht.» Deshalb lässt sie gewisse Arbeiten bleiben, bei denen sie sich drehen und bücken muss. Ein Roboter mäht den Rasen und übernimmt das Staubsaugen; bei Schnee wartet sie, bis er schmilzt. «Richtig eingeschneit wird man hier im Flachland ja nicht», sagt sie mit einem Schmunzeln.

Und bei Arbeiten, die trotz Muskelkraft und korrekter Haltung in den Rücken schiessen können, lässt sie sich etwas einfallen: Statt schwere Tüten zu schleppen, trägt sie kleine Portionen hin und her – so bleibt sie erst noch in Bewegung.

Die braucht sie, denn sie hat sich ein Ziel gesetzt: das Alter ihrer Tante übertreffen, die dieselbe Krankheit hatte und 98-jährig wurde. «Ich will 100 Jahre alt werden», sagt sie, schiebt aber nach: «falls ich beweglich und geistig frisch bleibe.»