Madiswil
Sie ist eine Designerin am lodernden Feuer

Maja Zbinden aus Madiswil schmiedet Eheringe und Messer aus dem beinahe unzerstörbaren Damaszenerstahl.

Sabine Gfeller
Drucken
Teilen
11 Bilder
Maja Zbinden aus Madiswil schmiedet Eheringe und Messer
Es glüht
Maja Zbinden zeigt alles SZ-Praktikantin Sabine Gfeller
«elements4art»: Schmuck und Messer aus Damaststahl.

Tina Dauwalder und Thomas Ulrich

Hämmern auf Stahl, der Geruch nach Feuer, Gas und verarbeitetem Metall. In der alten Schmitte in Madiswil arbeitet Schmiedin Maja Zbinden. Die 38-Jährige erklärt den Ablauf, um von zwei hochwertigen Werkzeugstählen zum Damaszenerstahl zu gelangen und wie sie daraus Partnerringe schafft: «Zuerst wird ein Stabpäckchen, bestehend aus zwei verschiedenen Stählen, bis auf den innersten Punkt in der Gas-Esse erhitzt.» Das Schmieden erfolge dann mittels Steinkohle, der Schmiedekohle; die Schichten des Stabpäckchens diffundieren (verbinden sich) mittels Feuerschweissen.

Durch das Verschweissen trete aus beiden die bessere Eigenschaft hervor: die Flexibilität aus dem Hellen, die Härte aus dem Dunklen. Danach werde das Paket in die Länge gezogen, halbiert und zusammengeklappt. «Optisch dieselbe Erscheinung, einziger Unterschied: Nun ist die doppelte Anzahl an Lagen vorhanden. Während dieses Prozesses muss ich immer zwischen Feuer und Schmiedetisch hin und her sprinten. Die Zeit reicht für etwa vier Hammerschläge, bevor ich das Eisen erneut erhitzen muss. Schnelles Arbeiten ist also unabdingbar», so Zbinden.

Durch die Lagen von abwechslungsweise hartem und flexiblem Stahl entstehen Streifen als Muster. Für grob gemusterte «Lebensringe», wie sie von Zbinden genannt werden, stellt sie eine tiefere Anzahl an Lagen her als bei einem Muster mit dünnen Streifen. Nach der Vervielfachung der Lagen wird der eckige Stab von Hand in eine runde Form verarbeitet. Der kreisförmige Stab wird je nach gewünschtem Muster wenig oder stark verdreht. Danach kommt die Rolle in die Drehbank; der Ring hat seine Form erhalten. Er kann auf der Aussenseite flach, mit runder oder spitziger Oberfläche verarbeitet werden. Die Lebensringe werden aus ein und derselben Rolle gemacht. Dadurch besitzen sie dasselbe Grundmuster. Jedes Werk ist aber ein Unikat.

Robustheit und Schärfe

Nebst dem Hauptgeschäft der Vermählungsringe gibt es noch weiteres, was Zbinden verarbeitet: Messer, in Zusammenarbeit mit ihrem Mann, sowie weitere Schmuckstücke, die sie alle selbst kreiert. Alles wird aus Damaszenerstahl hergestellt. Diese Vereinigung von zwei verschiedenen Stahlarten ist für die Schmiedin ausserordentlich faszinierend. Mit Stolz führt sie die 2500 Jahre alte Tradition weiter, mit dem beinahe unzerstörbaren Damaszenerstahl zu arbeiten.

Die Härte des Damaststahls, wie er auch genannt wird, dient bei Ringen der Robustheit und bei Messern der Schärfe. Die Flexibilität lässt das Metall auch nach Abnutzung nicht spröde werden. Es hat also eine fast unendliche Lebensdauer.

Die zweifache Mutter übt während des ganzen Arbeitsprozesses drei handwerkliche Berufe zugleich aus und verbindet Handwerk mit Kunst. Die Haupttätigkeit ist das Schmieden, Feinmechaniker-Techniken kommen beim Rundschleifen und Aushöhlen des Ringes und dessen Loch dazu. Zu guter Letzt übt sie den Feinschliff als Goldschmiedin aus. Für die Ideen und die ganze Planung hingegen ist zudem künstlerisches Flair gefragt. Wenn sie dieses nicht besässe, gäbe es keine Wartelisten bei der Kundschaft. Diese muss sich vier bis fünf Monate im Voraus melden, sonst müssten sie damit rechnen, dass bei der Vermählung die Ringe fehlen.

Die Kundschaft spricht meist auf das Optische an. «Der Damaszenerstahl entspricht auch dem Männergeschmack: robust und mächtig. Die Frau hat die Möglichkeit, einen feineren Ring zu kriegen, vielleicht mit einem kleinen Edelstein oder teilweise vergoldet», erzählt die designende Schmiedin. Nebst dem, was die Ringe fürs Auge hergeben, spielt für sie die Symbolik des Damaszenerstahls eine wichtige Rolle: «Zwei Menschen vereinen sich, behalten aber ihren Charakter. Sie ergänzen sich optimal und stärken einander.»

Zum Schmieden inspiriert wurde Zbinden auf einer Reise durch Asien: Auf den Basaren sah sie, wie die Einheimischen nach uralter Art mit dem Feuer den Damaszenerstahl verarbeiteten. Sie war fasziniert und entschied, dieses Handwerk zu lernen. Stolz nennt sie das Schmieden «ihre Berufung». Teilweise muss sie sich als Frau in diesem Beruf beweisen, bevor ihr das handwerkliche Können abgekauft wird. Anerkennung ist ihr aber danach sicher. Ihr Unternehmen «elements4art» führt sie seit sieben Jahren. Den Namen wählte Zbinden, weil das Schmieden die vier Elemente vereinigt: Aus der Erde wird der Stahl geholt, die Luft reguliert die Stärke des Feuers und das Wasser wird benötigt, um das glühende Eisen abzukühlen.

Nächste Ausstellung: Fr und Sa, 5. und 6. Dezember, in ihrer Schmitte in Madiswil. Infos unter: www.elements4art.ch

Aktuelle Nachrichten