Sie empfängt uns in einem kleinen Sitzungszimmer gleich neben dem Empfang, nicht etwa in einem lichtdurchfluteten, repräsentativen Chefbüro, wie man das durchaus erwarten könnte. Die grosse Chef-Allüre scheint Jane Melmuka fern zu sein. Gleich zu Beginn unseres Gesprächs stellt die zierliche Frau über fünfzig klar, dass ihre Funktion als «Site Director» der Galderma Spirig AG in Egerkingen nicht gleichzusetzen sei mit der Position der Standort- oder Werksleiterin. Als «Site Director» übernehme sie innerhalb des kleinen Managements-Teams in Egerkingen vielmehr eine koordinierende Rolle und sei das Gesicht nach aussen, vor allem gegenüber der lokalen Solothurner Wirtschaft.

Ihre Rolle umfasst eine Palette unterschiedlicher Aufgaben. Und in unserem Gespräch wird schnell mal klar, dass der Tagesablauf von Jane Melmuka eng getaktet ist, eine prall gefüllte Chef-Agenda eben. Umso mehr als sie nicht einfach «nur» die Aufgabe als «Site Director» innehat, sondern gleichzeitig und vor allem als «Head Human Resources» auch für sämtliche Personalbelange der Galderma Spirig mit rund 280 Angestellten zuständig ist. Da bleibt nicht viel Zeit für oberflächliches Geplänkel.

Jane Melmuka spricht schnell, dicht, reflektiert sich und ihr Tun. «Ich bin sehr leidenschaftlich in dem, was ich mache», erklärt sie das hohe Tempo, das sie auch jetzt nicht drosselt, wo sie mit einer Grippe zu kämpfen hat. Nur auf den Kaffee verzichtet sie, stattdessen begleitet sie eine Thermosflasche mit Tee von Sitzung zu Sitzung.

Multikultureller Hintergrund

Seit November 2013 ist Jane Melmuka bei der Spirig Pharma AG, knapp nachdem der internationale Pharmakonzern Galderma mit Hauptsitz in Lausanne das Solothurner Traditionsunternehmen übernommen hatte. Diese neue Rolle des Unternehmens zwischen einer starken lokalen Verankerung und der Zugehörigkeit zu einem weltweit tätigen Konzern ist für sie Herausforderung und Faszination zugleich. «Es macht mir grossen Spass, diese neue Rolle zu verstehen und anderen zu vermitteln.» Die Aufgabe ist ihr dabei gleichsam auf den Leib geschrieben. Jane Melmuka ist im Kanton und der Stadt Solothurn genau so zu Hause wie in der Welt.

Die Frau mit dem fremd anmutenden Namen spricht lupenreines Schweizerdeutsch, allerdings nicht mit Solothurner, sondern mit Ostschweizer Akzent. Geboren in Australien, ist sie im Alter von vier Jahren gemeinsam mit ihren Eltern, beide Österreicher, in die Schweiz gezogen. Ihre ersten beruflichen Wurzeln geschlagen hat sie in den 90er-Jahren dann in Solothurn, als Leiterin des Begegnungszentrums Altes Spital. Die Verbindung zu Solothurn ist seither nicht abgerissen, hier wohnt sie nach wie vor, derzeit noch zusammen mit ihrer Tochter, der Sohn ist in Richtung Bern ausgeflogen. «Solothurn ist für mich zur Heimat geworden», sagt sie, obwohl sie sich «von der Mentalität her» besonders mit Wien verbunden fühlt, der Heimat ihrer Eltern.

Beruflich hat es Jane Melmuka – ihrer multikulturellen Herkunft entsprechend – zu internationalen Organisationen und Firmen gezogen. Bei der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit (Deza) des Bundes war sie für die Personalentwicklung verantwortlich («die Stelle bekam ich damals durch grossen Zufall»). Danach war sie mehrere Jahre Personalleiterin beim Zuchwiler Elektrowerkzeughersteller Scintilla –  und dort für über 1100 Mitarbeiter zuständig («ich hatte einen wunderbaren Vorgesetzten»). Als besonders prägend bezeichnet sie ihre Zeit als Personalmanagerin bei Kimberly-Clark, wo sie oft zwischen Österreich und der Schweiz hin und her pendelte («das war eine schwierige Phase der Restrukturierung, wo wir viele Entlassungen aussprechen mussten»).

Eine berufliche Station nach der anderen, alle paar Jahre ein neuer Job mit noch mehr Verantwortung. Jane Melmuka – eine ausgesprochene Karrierefrau also? Oder wie hat sie es sonst in die Geschäftsleitung bedeutender Unternehmen geschafft? Wie der am Donnerstag publizierte Schilling-Report zeigt, beträgt der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen der 120 grössten Schweizer Unternehmen gerade mal sechs Prozent. «Eine Karrierefrau? Nein», winkt sie ab. Jedenfalls nicht in dem Sinn, dass sie getrieben von einer beruflichen Station zur nächsten geeilt sei.

Jane Melmuka spricht vom «Glück», das sie hatte, immer wieder auf Menschen – und dabei oft auf Männer – zu treffen, die ihr eine bestimmte Aufgabe zutrauten. Wesentlich geprägt worden sei sie von ihren Eltern: «Mein Vater hatte anspruchsvolle Führungsaufgaben und meine Mutter machte seinerzeit gleichzeitig mit mir die KV-Ausbildung.» Ihre Eltern haben ganz nach dem Motto gelebt «Du hast eine Chance, das ist dein Leben, mach etwas draus.» Eine Devise, die auch ihren Weg begleitet hat. Ein Weg, der die Bereitschaft einschloss, sich weiterzubilden, zur Sozialarbeiterin zuerst und später kontinuierlich im Personalbereich, aber auch «viel zu arbeiten, an Visionen festzuhalten und schwierige Zeiten durchzustehen».

Gegen Frauenquoten

«Glück» hatte Jane Melmuka aber nicht nur mit vielen ihrer Vorgesetzten, sondern auch in ihrem privaten Umfeld. So gestaltete sie mit ihrem damaligen Ehemann bewusst die klassische Rollenverteilung anders, in dem sie den Hauptteil der Erwerbsarbeit übernahm. Als Klavierlehrer hatte der Vater ihrer beiden Kinder den nötigen Freiraum, um einen grossen Anteil an der Kinderbetreuung zu übernehmen. Ein «Glück», das längst nicht alle Frauen haben – und auf eine bezahlbare familien-ergänzende Kinderbetreuung angewiesen wären. Im Bereich solcher Infrastrukturen für Frauen gebe es viel zu tun, lautet ihre Botschaft mit Blick auf den Frauentag vom 8. März. Solche Strukturen würden auch Frauenquoten unnötig machen. Von einem politisch verordneten Frauenanteil hält sie nämlich wenig. «Als Personalchefin möchte ich eine Stelle immer mit der am besten dafür qualifizierten Person besetzen.»