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Sie hat Füsse wie eine Kalaschnikow

Anet Fröhlicher ist Tänzerin aus Solothurn, die den Flamenco lebt. Seit 2008 tritt sie selbst zwar nicht mehr auf, sie ist aber Leiterin einer Compagnie und Choreografin.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Anet Fröhlicher hat den Flamenco und klassisches Ballett in Madrid, Berlinund Bern studiert. Heute arbeitet sie als Regisseurin und Choreografin.

Anet Fröhlicher hat den Flamenco und klassisches Ballett in Madrid, Berlinund Bern studiert. Heute arbeitet sie als Regisseurin und Choreografin.

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Anet Fröhlicher, die Tänzerin und Choreografin, trifft man derzeit am besten im «Haus der Kunst» in Solothurn. Sie ist dort an den letzten Vorbereitungen und Proben ihres neuesten Tanzstückes «Kalaschnikowa», welches mit vier Tänzerinnen ihrer Tanzcompagnie «el contrabando» am kommenden 21. April Premiere feiert.

«2011 führten wir zum letzten Mal im Haus der Kunst eine Tanzperformance auf», erzählt die gebürtige 52-jährige Bellacherin. Der Raum der ehemaligen St. Josefskapelle, in der ihr Partner, der Künstler Reto Emch, die Galerie betreibt, eigne sich ausgezeichnet, um Tanz aufzuführen. So gehören zu den Produktionen ihrer seit 1994 bestehenden Compagnie immer auch Installationen von Emch.

Anet Fröhlicher erzählt, wie es zu dieser Tanzproduktion mit dem aufsehenerregenden Titel kam. «Ein Freund nannte mich vor Jahren mal, als er mich beim Tanzen sah ‹Signora Kalaschnikowa›.» Er bezog diesen Namen auf ihre Fussarbeit beim Flamenco. «Wahrscheinlich war es als Kompliment gemeint», lacht Anet Fröhlicher, denn als Flamencotänzerin müsse man «gute Füsse» haben. «Dieser Ausdruck blieb bei mir hängen.» Tatsächlich erinnern die salvenartigen Fussschläge des Flamencotanzes immer mal an das Stakkato eines Maschinengewehrs.

Flamenco zeitgenössisch

Anet Fröhlichers Compagnie «el Contrabando» bricht in ihren Produktionen den traditionellen Flamenco auf. Ursprüngliche Formen werden mit zeitgenössischem Tanz vermischt. So ergeben sich auch vielschichtige künstlerische Aussagen. Fröhlicher erzählt: «Seit einem Jahr arbeite ich nun schon an ‹Kalaschnikowa›. Es ist mir wichtig zu betonen, dass das Stück nicht aufgrund der momentanen Terrorismusdebatte entstanden ist.»

Ausgangspunkt der Tanzinszenierung bildet die akustische Parallele von Seriefeuer und den salvenartigen Fussschlägen des Flamencotanzes. «Die seriellen Fussschläge des Flamenco erfordern vom tanzenden Körper einen Willen und eine Härte», sagt die Künstlerin. «Wir wollen ein mehrschichtiges, herausforderndes Werk auf die Bühne bringen», sagt die Tänzerin und sie ist sich bewusst , dass sie mit jeder ihrer Performances auch ein künstlerisches Risiko eingeht.

Der Pneu als Repetition

Reto Emch stellt als Bühnenbild eine Reifeninstallation auf das Podest. Auch das symbolisiert den Themenkreis Macht. «Aus Erdöl werden die Reifen hergestellt und wer Erdöl besitzt, hat Macht. Andererseits kann der Pneu als Symbol für die Endlosschleife wiederkehrender menschlicher Themen gelten.» Repetition – das sei wiederum ein wichtiger Aspekt im Flamenco. «Kalaschnikowa» soll also auch nicht einfach ein unterhaltsamer Abend werden; es soll auch zum Nachdenken anregen, Fragen aufwerfen.

Doch findet man als Tanzcompagnie heute auch sein Publikum? Fröhlicher: «Es gab mal eine Untersuchung, die besagte, dass 5 Prozent des Kulturpublikums sich für Tanz interessieren. Das ist ja nicht gerade viel. Doch wir finden immer unser Publikum, gerade auch in der Region Solothurn. Hier ‹funktioniert› Tanz recht gut», freut sie sich.

Seit 2008 tritt sie selbst nicht mehr als Tänzerin auf. «Ich bin heute Leiterin der Compagnie und Choreografin.» Ein neues Stück erarbeitet sie teilweise mit ihren Ensemble-Mitgliedern, aber auch aus ihren eigenen Impulsen und Improvisationen. «Beim Tanzen laufen physische und psychische Impulse zusammen», sagt sie. Das mache auch die Komplexität und Schwierigkeit der Kunstform aus. «Ich tanze natürlich noch trainingsmässig, denn es ist normal, dass eine Tänzerin ab den 40er- Jahren ins zweite Glied zurücktritt. Ich vermisse es auch nicht, selbst auf der Bühne zu stehen. Das Bewegungsbedürfnis ist zwar immer noch da, doch der Bühnenstress ist weg. «Das Tanzen kann ich heute viel mehr geniessen.»

Premiere: Do, 21. April, im Haus der Kunst 20.30 Uhr; Weitere Daten: 22., 23., 28., 29., 30. April.

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