Nez Rouge
Sie bringen Betrunkene sicher nach Hause

Wir waren unterwegs auf Tour mit einem Nez-Rouge-Team der Sektion Kanton Solothurn.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Nez Rouge in Solothurn
5 Bilder
Toni weist Fahrer Urs seinen Heimweg.
Die «To-do»-Liste für die Fahrer-Teams.
Manuel Stolz, der Präsident, erklärt nochmals die Abläufe.
Die Einsatzzentrale bringt Kunden und Fahrer zusammen.

Nez Rouge in Solothurn

Remo Froehlicher

Im Dezember ist die Zeit, in der Nez Rouge unterwegs ist. Nez Rouge ist die Präventionskampagne zur Unfallverhütung, bei der Freiwillige fahruntüchtige Fahrer und ihre Autos heimbringen. Die schweizweit tätige Organisation ist kantonsübergreifend in Sektionen organisiert. Die Sektion Kanton Solothurn-Oberaargau trifft sich während ihrer Einsatztage auf dem IFA-Gelände in der Klus bei Balsthal.

Es ist Freitagabend, 21.15 Uhr. Im Aufenthaltsraum haben sich 24 ganz unterschiedliche Personen zusammengefunden. Man kennt sich, ist per Du untereinander. Alle werden begrüsst von Manuel Stolz; er ist ihr Vereinspräsident. «Es ist schon das zweite Dezemberwochenende, welches wir im Einsatz stehen», erklärt Stolz und macht die Fahrer auf die zu erwartenden schwierigen äusseren Fahrbedingungen – Nebel und eventuell Glatteis – aufmerksam. Kurz streift er das Vorgehen bei einem Auftrag und teilt dann die Zweier-Teams ein. Es sind 12 Teams, die heute Abend unterwegs sind, um Leute nach einem feucht-fröhlichen Abend abzuholen und sicher nach Hause zu bringen.

«Einsatz für Team 1»

Die Teams sind gebildet und warten nun auf ihren Einsatz. Verpflegung hat es genug – muss es auch haben –, denn die Einsätze können bis morgens um 6 Uhr stattfinden. Und bald schon heisst es: «Einsatz für Team 1». Urs und Sonja nehmen das von der Einsatzzentrale ausgefüllte Fahrtenblatt entgegen und sehen: «Toni abholen im Restaurant Falkenstein in Niedergösgen. Heimfahrt nach Safenwil. Sein Auto ist ein Fiat Tipo.» Diesmal ist noch das Reporterteam mit dabei, und Auftraggeber Toni hat sein Einverständnis gegeben, dass man ihn fotografieren und befragen darf.

Es geht zunächst auf die Autobahn. Sonja fährt mit ihrem eigenen Auto. «Ich nutze lieber mein Privatfahrzeug», sagt sie, die schon seit elf Jahren bei Nez Rouge mitmacht. «Da kenne ich mich mit allem aus. Obwohl die uns von Garagen als Sponsorleistung zur Verfügung gestellten Autos sicher auch sehr gut sind», schmunzelt sie. Ihr Mitfahrer Urs macht seit drei Jahren bei Nez Rouge mit und findet es eine sehr sinnvolle Sache. «Es finden auch immer Begegnungen mit interessanten Leuten statt. Die Fahrabende sind kurzweilig. Auf diese Art leiste ich gerne einen Freiwilligeneinsatz.»

In Kanada erfunden

«Erfunden» wurde Nez Rouge in Kanada. Von dort brachte es der jurassische Kantonsarzt Jean-Luc Baierlé in die Schweiz. Inzwischen ist Nez Rouge in 23 kantonalen oder regionalen Sektionen tätig – seit 1990 auch im Kanton Solothurn und im Oberaargau.

Der schweizerische Dachverband Nez Rouge Schweiz kümmert sich um die operationelle Umsetzung auf nationaler Ebene. Nez Rouge Schweiz überblickt die Tätigkeit der verschiedenen Sektionen, koordiniert die Anlässe und bietet die notwendige Unterstützung für deren Durchführung. (frb)

Toni, sehr gut gelaunt

Kurz vor dem Ziel telefoniert Urs mit dem Auftraggeber: «Wir sind in fünf Minuten bei Dir.» Und tatsächlich steigt Toni dann auch gleich die Stufen zum Parkplatz herunter, als wir aussteigen. Toni ist sehr guter Stimmung. «Ich bestelle Nez Rouge immer wieder mal. Es ist eine tolle Sache», schwärmt er. «Ich kann einen unbeschwerten Abend geniessen, werde zuverlässig nach Hause gefahren, und mein Wagen steht am nächsten Morgen schon vor der Türe. Was will man mehr. Da zahle ich auch gerne einen Beitrag, obwohl nicht mal was verlangt wird.»

Tatsächlich gibt es bei Nez Rouge keine Tarife. Allerdings spendet eigentlich jeder Auftraggeber eine Summe, je nachdem, wie viel ihm der Dienst wert ist. Er kenne einige Leute, erzählt Toni noch, die sich nicht getrauen würden, Nez Rouge zu engagieren. «Das kann ich nicht verstehen. Es sind alles so nette Leute, die Auto fahren können.» Jetzt ist der Mann zu Hause, und er zeigt sich spendabel. Sonja ist mit ihrem Auto auch angekommen; es geht retour Richtung Balsthal.

«Neun Teams sind jetzt im Einsatz», sagt Stolz; es ist halb zwölf Uhr, die Nacht kann noch lang werden. «Erfahrungsgemäss herrschen während der unterschiedlichen Schliesszeiten der Restaurants oder Clubs unsere strengsten Zeiten.» Es gibt weder Mangel an Aufträgen noch an Fahrern, so Stolz. «Man bekommt für diesen Dienst von den Auftraggebern auch viel Dankbarkeit, was jedem, der mitmacht, auch guttut.»