Solothurn
Sicherheitsvorkehrungen sollten beim Wassersport nie vergessen gehen

Beim Sprung von einer Brücke in die Aare oder beim Treiben auf der Aare gehen vielfach Risiken und Unfallgefahren vergessen. Dabei kann schnell Schlimmes passieren.

Jonas Liniger
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Ab ins kühle Nass
11 Bilder
Brückenspringer sollten ihr Territorium kennen.
Kühner Sprung von der Rötibrücke
Die einen trinken am Landhausquai Bier, die anderen lassen sich auf der Aare treiben
Unter dem Schatten der Brücke der Hitze entfliehen
Anlegen bei der Stelle unterhalb des «Solheure»
Dieses Frauengrüppchen lässt es sich gut gehen
Böötle und Brückenspringen in Solothurn
Aare in Solothurn

Ab ins kühle Nass

Hans Ulrich Mülchi

Diesen Sommer floss bereits viel Wasser die Aare hinab und viele Solothurner liessen sich mittreiben, ob auf einem Reif, einem Boot oder einer Gummimatratze. Zusätzlich springen immer mehr Unerschrockene von einer der Solothurner Brücken in die erhoffte Abkühlung.

Was den einen den grössten Plausch beschert, bereitet Pascal Studer, technischer Leiter der Schifffahrtspolizei Solothurn, Sorgen. Er warnt: «Vielfach wird die Aare unterschätzt. Strömung, Tiefe und Wirbelstärke variieren stark.» Studer und seine zwölfköpfige Sondergruppe sind in den Monaten Mai bis Oktober beinahe jeden zweiten Tag mit ihrem Patrouillenboot auf dem Wasser.

Dabei erleben sie die unterschiedlichsten Vorfälle. Vom Witzbold, der anderen das angeleinte Schiff losbindet und auf eine Odyssee schickt, bis zu mehreren Schwimmern, deren angeleinte Gummimatratzen es um einen Brückenpfeiler wickelt. Bei Unfällen wie in Grenchen ziehen Studer und sein Team Flusstaucher aus Bern bei, die bei der Bergung von Vermissten helfen. Am Abend des 19.Juli sprang ein junger Mann in Grenchen von der Archbrücke in die Aare, am nächsten Tag wurde er tot geborgen.

Von Brückenspringern hält Studer nicht viel: «Wer keine Sicherheitsvorkehrungen trifft, verhält sich lebensmüde. Oft ist Alkohol im Spiel. Bei den ersten drei Springern geschieht noch nichts, den Vierten erwischt es.» Wer von einer Brücke springt, ist für sich selbst verantwortlich. Solange keine Dritten gefährdet oder gar verletzt werden, bewegen sich die Springer im legalen Rahmen.

Um Unfälle zu vermeiden, sollte man sich versichern, dass kein Schiff die Brücke passiert, dass kein Treibholz unter der Wasseroberfläche treibt und sich ausreichend an die Wassertemperatur gewöhnen. Vor einem Kälteschock sind auch erfahrene Schwimmer und Springer nicht gefeit.

Kosten in Millionenhöhe

In der Schweiz sterben jedes Jahr bis zu 50 Personen durch Ertrinken und ähnlich viele werden invalid. Insgesamt entstehen durch Bade- und Schwimmunfälle Kosten in der Höhe von rund 125 Mio. Franken. Mit dem Ziel Todesfälle zu verringern und Unfällen vorzubeugen, arbeitet die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) an einer Gewässer-Gefahrenkarte, die unter www.aquamap.ch eingesehen werden kann.

Freiwillige Rettungsschwimmer kundschaften Badeplätze aus und bewerten sowohl das Gefahren- als auch das Spass-Potenzial. Aktuell zeigt die Karte rund 800 Einträge neuralgischer Punkte an Flüssen und Seen. Der Grossteil entfällt auf die Innerschweiz und den Raum Zürich. Im Raum Solothurn sind bisher kaum Einträge vorhanden. «Da ausschliesslich Freiwillige der SLRG für das Erfassen zuständig sind, ist es schwierig vorauszusagen, wann der Raum Solothurn komplettiert ist», so aquamap Co-Projektleiter Philipp Binaghi.

Seien seine Helfer viel unterwegs, könne der Solothurner Teil der Karte aber bald fertig sein. Wer der SLRG helfen will Badezonen einzuschätzen, sollte Rettungsschwimmer-Kurse besucht haben oder grosse Wasser-Erfahrung mitbringen.

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