Es ist Freitagmittag, kurz vor elf Uhr. Beinahe vollzählig sind sie da. Der Staatsanwalt, immerhin drei der vier Beschuldigten, und die vier Verteidiger warten im Amthaus 1 vor dem Obergerichtssaal. Angeregt wird in Grüppchen diskutiert. Courant normal? Nicht ganz. Im einen und anderen Gesicht ist eine gewisse Anspannung nicht zu verkennen. Dann öffnet sich die Tür und der Gerichtsschreiber bittet einzutreten. Jetzt wird Daniel Kiefer, Präsident der obergerichtlichen Strafkammer, die Gretchenfrage gleich beantworten: Spricht er – wie das Amtsgericht Olten-Gösgen – die Angeschuldigten vom Hauptvorwurf der versuchten, qualifizierten Brandstiftung – beziehungsweise der Anstiftung dazu – frei? Oder folgt das Gericht der Argumentation von Staatsanwalt Pascal Flückiger mit seinem «Kronzeugen» und schickt das Quartett – drei Schweizer mit Wurzeln im Balkan und eine Kosovarin – für viereinhalb bis sieben Jahre hinter Gitter? Der Oberrichter tut es nicht – es kommt zu einem Freispruch.

Verdächtige Hinweise

Einziger Fakt der ganzen Geschichte: Am 4. März 2014 ist an der Ziegelfeldstrasse in Olten ein Brand ausgebrochen. Ansonsten? An Hinweisen, dass die vier Angeschuldigten in unterschiedlichen Rollen die Finger im Spiel gehabt haben könnten, fehlt es nicht. Kiefer zählte sie auf: «Die widersprüchlichen und ungereimten Aussagen der Angeschuldigten, der rege Telefonverkehr zwischen verschiedenen der mutmasslichen Protagonisten, gelöschte Handydaten, eine DNA-Spur…» Alles in allem Sachverhalte, welche aufhorchen lassen – aber nicht für eine rechtskräftige Verurteilung reichen.

Erschwert wurde eine stringente Beweisführung auch dadurch, dass Zeugenaussagen aus den Akten entfernt werden mussten. Unter anderem die von zwei Zeugen, welchen von der Staatsanwaltschaft Anonymität zugesichert worden war. Diese Zusage war aber vom Haftgericht nicht abgesegnet worden, was die Zeugenaussagen wertlos machte.

Unglaubwürdiger «Kronzeuge»

Dass einer dieser beiden Zeugen als «Kronzeuge» der Staatsanwaltschaft antrabte und seine Aussage zu Protokoll gab, machte die Sache nicht besser. Oberrichter Kiener qualifizierte den Mazedonier weder als glaubwürdig noch seine Aussagen als glaubhaft. Dies lag nicht etwa an seinen Vorstrafen, oder seinem Erscheinungsbild – er trug Glatze und Kampfanzug. Es lag auch nicht daran, dass der Zeuge nicht mehr gleich heisst wie zu Beginn des Verfahrens. Dies habe nichts zu bedeuten, erklärte der Zeuge. Namensänderungen seien in Mazedonien üblich und leicht zu bewerkstelligen. Dass Kiener dem Zeugen nicht glaubte, lag an seinem Täterwissen. Dieses hatte der Zeuge wohl erworben, weil ein Kollege bei ihm angeblich gebeichtet, oder vielleicht sogar damit geprahlt hatte. «Aber», so Kiefer, «wieso hat der Zeuge sich erst fünf Monaten nach der ‹Beichte› bei der Polizei gemeldet, beziehungsweise dafür seine Frau vorgeschickt?» Und: Wieso habe er seinen Kollegen überhaupt verpfiffen?

In einer Gesamtwürdigung gab es für die drei Richter nichts zu wehrweissen: Es kam zum Freispruch in den Hauptanklagepunkten. Mit der Folge, dass die Angeschuldigten Anspruch auf die schon vom Amtsgericht verfügten Genugtuung von rund 37 000 Franken für die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft haben. Auch in weiteren Punkten bestätigte das Obergericht diverse Urteile der Vorinstanz. Mit 120 Tagessätzen bleibt die mitangeklagte Bewohnerin der geschädigten Wohnung bestraft. Sie versuchte, die Versicherung mit einer gefälschten Schadensmeldung um 17 000 Franken betrügen. Rechtens sind für das Gericht auch, dass einer der Angeklagten in einer anderen Sache wegen Rechtsüberholen auf der Autobahn ebenfalls mit 120 Tagessätzen bestraft wird. Und ein zweiter mit 50 Tagessätzen für den Versuch, vier Kosovaren die illegale Einreise in die Schweiz zu ermöglichen.