Ladenöffnungszeiten
Shopping-Euphorie blieb aus: Nur wenige Geschäfte bleiben länger offen

Seit einem Jahr dürfen Läden im Kanton moderat länger geöffnet haben. Nun zeigt sich: Samstags nutzen dies Grossverteiler, sonntagmorgens kleine Familienbetriebe.

Lucien Fluri
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In vielen Filialen der Grossverteiler können Solothurnerinnen und Solothurner seit einem Jahr samstags bis 18 Uhr einkaufen.

In vielen Filialen der Grossverteiler können Solothurnerinnen und Solothurner seit einem Jahr samstags bis 18 Uhr einkaufen.

Hans Mathys

Es war nur ein kleiner Schritt hin zu liberaleren Öffnungszeiten. Aber für den Grossverteiler Coop war es ein willkommener. Im vergangenen Jahr hat der Detailhandelsriese bei rund 30 Verkaufsstellen im Kanton die Öffnungszeiten angepasst. Samstags bleiben die Läden eine Stunde länger, bis 17 oder 18 Uhr, geöffnet. «Wir orientieren uns am Kundenbedürfnis», sagt Ronny Aeschbacher, Leiter Kommunikation der Coop-Verkaufsregion Bern. «Die Anpassungen sind punktuell und nicht flächendeckend über alle Coop Verkaufsstellen erfolgt.» Der Grossverteiler Coop ist mit der Entwicklung zufrieden. «Die längeren Öffnungszeiten entsprechen dem Kundenbedürfnis vor Ort», heisst es auf Anfrage.

Vor einem Jahr hat der Kanton Solothurn mit dem neuen Wirtschafts- und Arbeitsgesetz etwas liberalere Ladenöffnungszeiten erhalten. Samstags dürfen Läden bis 18 Uhr geöffnet bleiben, statt nur bis 16 oder 17 Uhr. Eine Umfrage dieser Zeitung zeigt: Die Grossen nutzen die Möglichkeiten. Kleinere Läden aber profitieren kaum davon.

Daniela Gaiotto ist Co-Präsidentin von Gewerbe Olten. Sie hat bei Oltner Ladenbesitzer eine Blitzumfrage zu den Samstagsöffnungszeiten durchgeführt. Das Resultat: Etwas mehr als die Hälfte der 20 antwortenden Betriebe nutzen samstags die verlängerten Öffnungszeiten. «Darunter sind mehrheitlich solche, die über mehrere Mitarbeiter verfügen», sagt Gaiotto. Für kleinere Läden sind laut Umfrage «Kundenfrequenz und Umsatz im Verhältnis zum Mehraufwand zu klein», die Mehrkosten somit zu hoch. Ein Teil der Geschäfte würde aber trotzdem mitmachen: Sie sehen die längeren Öffnungszeiten als PR für die Altstad. Rund die Hälfte der Befragten, so Gaiotto spreche von «regen» Frequenzen. «Die andere Hälfte antwortet mit ‹eher zurückhaltend›.»

In Solothurn ist die Zahl der Geschäfte gering, die bis 18 Uhr geöffnet haben. Innerhalb der Altstadt seien es nur Manor und H&M, erklärt Caroline Jäggi, Geschäftsführerin der Stadt- und Gewerbevereinigung. «Zu Beginn waren es noch mehr.» Diese hätten aber merken müssen, dass die Präsenzzeit zwar länger wurde. «Insgesamt kamen aber nicht mehr Leute in die Stadt», so Jäggi. Rund um die Altstadt haben auch Lebensmittelgrossverteiler bis 18 Uhr geöffnet. In Grenchen nutzen quasi nur die Grossverteiler die längeren Öffnungszeiten, heisst es vonseiten des Gewerbeverbands.

Sonntags profitieren die Kleinen

Anders sieht die Situation sonntags aus: Auch hier brachte das neue Gesetz eine Liberalisierung: Lebensmittelläden (auch Konditoreien und Blumengeschäfte) dürfen neu kantonsweit einheitlich von 8 bis 18 Uhr geöffnet haben. Vorher galt 10 bis 12 Uhr, wobei Gemeinden die Zeitspanne ausdehnen konnten.

Die Öffnungszeiten gelten allerdings mit Einschränkungen: Nur die Besitzerfamilien selbst dürfen hinter der Ladentheke stehen. Denn das Arbeitsgesetz schreibt vor, dass in den Lebensmittelläden niemand beschäftigt werden darf. Im Gegensatz zu Tankstellen und Bahnhofshops. An diesen Orten, die nur Waren für den Reisebedarf haben dürften. Dort sind Angestellte erlaubt.

Es gab verunsicherte Gemeinden

Seit einem Jahr gilt im Kanton das neue Wirtschafts- und Arbeitsgesetz. Jonas Motschi, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, ist zufrieden. Nur einzelne Details gaben anfänglich zu reden. Ansonsten blieben Beanstandungen aus.

Zwei Punkte nennt Motschi:

Wer ein Restaurant oder einen Take-Away-Betrieb neu eröffnen will, muss neu einen Fähigkeitsnachweis vorzeigen. «Das hat Fragen ausgelöst», sagt Motschi. «Aber das Bewusstsein, was es heisst, einen Betrieb zu führen, ist gestiegen.»
Gemeinden sind neu für Anlassbewilligungen zuständig. Dies habe in einzelnen Gemeinden zu Verunsicherungen geführt, so Motschi. Nicht jede Gemeinde sei sich sicher gewesen, wie sie diese Bewilligungsverfahren umsetzt.

Handlungsanweisungen wollte der Kanton aber nicht mehr geben, da die Gemeinden nun zuständig seien und selbst entscheiden müssten, wie sie ihre Verfahren umsetzen wollen. Inzwischen hätten sich unterschiedliche Vorgehensweisen herausgebildet, stellt Motschi fest. Einige Gemeinden verlangten keine Gebühren, um Anlässe im Dorf zu fördern. «Andere Gemeinden wollen mit den Bewilligungsgebühren mindestens den Verwaltungsaufwand decken.» (lfh)

Für Grossverteiler verunmöglicht diese Vorschrift regelmässige Sonntagsöffnungszeiten. Für kleine Familienbetriebe kann dies ein willkommener Zustupf sein. Insbesondere die Denner-Satelliten-Franchisenehmer, oft Familien mit Migrationshintergrund nutzen das. «Fast alle der rund 15 Denner-Satelliten-Betreiber im Kanton Solothurn nutzen die Möglichkeit», sagt Denner-Mediensprecher Thomas Kaderli. «Die Umsätze sind sehr zufriedenstellend und übertreffen die Erwartungen», hält er fest. Genaue Zahlen nennt Denner «aus konkurrenztechnischen Überlegungen» nicht.

Vroni Wälchli betreibt das Steinbrugg-Lädeli in Solothurn und hat sonntagmorgens geöffnet. Für sie ist es der beste Tag. Die Leute kämen sehr konzentriert während der kurzen Öffnungszeit. Auch für Vasanthasingam Sinnathurai ist der Sonntag ein gutes Geschäft. Er betreibt die Denner-Satellit-Läden in Luterbach und Derendingen. Geöffnet sind sie nur von 10 bis 12 Uhr.

Auch die Familie Bajrami hat ihre Läden nur von 10 bis 12 Uhr geöffnet, und nicht von 8 bis 18 Uhr, wie es das Gesetz erlauben würde. Vor 10 Uhr würde das Geschäft nicht rentieren, sagt Fatmir Bajrami der die Denner-Satellit-Läden Oensingen und Zuchwil betreibt, sein Bruder denjenigen in Hägendorf. Nach dem Mittag, so Bajrami, «möchten wir auch noch etwas vom Sonntag haben.» Dass fast alle Denner-Satellit-Läden nur von 10 bis 12 geöffnet haben, liege keinesfalls an Vorschriften aus der Konzernzentrale, heisst es bei Denner. Jeder Satellit-Betreiber könne diese frei wählen. Während Fatmir Bajrami noch etwas Zeit für die Familie will, zeigt eine kleine Umfrage, dass andere Betreiber von den neuen Möglichkeiten noch gar keine Kenntnis haben.

«Der Markt wird das regeln»

Jonas Motschi ist Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit. Nach einem Jahr zieht er eine positive Bilanz zu «seinem» Gesetz (vgl. Kasten links). Negative Rückmeldungen seien auch in Sachen Öffnungszeiten keine gekommen. Motschi hat beobachtet, dass vorwiegend in «Ballungszentren» die Läden samstags länger geöffnet haben. «Man muss den Markt dafür haben.» Dass sonntags die Läden oft nur kurz geöffnet haben, ist auch Motschi aufgefallen. Er vermutet dass dies einerseits an der Konkurrenz der Tankstellen liegt und andererseits an der Präsenzzeit. «Sie können niemanden anstellen.» Motschi vertraut darauf, dass «die Betreibe am besten wissen, wann Leute kommen.»

Von einem guten Gesetz spricht Andreas Gasche, Geschäftsführer des kantonalen Gewerbeverbandes. «Ich erhielt das Feedback, dass samstags Öffnungszeiten bis 17 Uhr gereicht hätten», sagt er. «Ich bezweifle, dass die Öffnungszeiten bis 18 Uhr für die Grossverteiler immer rentieren.» Doch für ihn gilt: «Der Markt wird das regeln.»