Ein unvergesslicher Sommerabend: Diese geglückte musikalische Komödie entzückte das Publikum an der Premiere im Schlosshof. Wo sonst als auf der Bühne können wilde Fantasien Wirklichkeit werden. William Shakespeare hatte das zugrunde liegende Bühnenstück «Ein Sommernachtstraum» 1594 in London uraufgeführt. Hundert Jahre später verwandte der Komponist Henry Purcell die brillante Schöpfung unter dem Titel «Fairy Queen» (Die Feenkönigin) als stilgebend für eine national-englische Oper.

Entgegen der damals bestimmenden italienisch-französischen Operntradition wollte Purcell sein Publikum mit musikalisch umrahmten Dichtungen zu geschichtlichen Stoffen und Legenden unterhalten. Seine «Fairy Queen» ist in der Mischung von gesprochenem Theater und Musik eine Semioper. Das Geschehen wird in kraftvoll mithandelnden Chören, in emotionsreichen Arien, in den phasenweise burlesken Auftritten und Texten der Schauspieler, im ausmalenden Tanz und in motivreicher Orchestermusik reizvoll zum Leben erweckt.

Elfenkönigin Titania (prachtvoll besetzt mit Sarah Kattih) hat sich mit ihrem Ehegatten Oberon (Ralf Beckord) entzweit. Grund des eifersüchtigen Zwistes ist ein von ihr aufgenommenes und abgöttisch statt Oberon geliebtes Waisenkind (Sängerknabe Linus). In den Feenwald geflüchtet haben sich Hermia (Helen Hagmüller) und Lysander (Benjamin Mathis), die nicht heiraten dürfen, weil Hermias Vater als künftigen Ehemann Demetrius (Miro Lorenzo Maurer) ausersehen hat. Der aber wird verfolgt von der liebeskranken Helena (Sabina Reich). Zur Strafe für fehlende Zuneigung lässt Oberon Titania und zum Spass weiteren Waldbesuchern im Schlaf durch Waldgeist Puck (authentisch: Ana Castano Almendral) den Saft einer Wunderblume ins Auge träufeln.

Dieser bezweckt, dass beim Erwachen das zuerst erblickte Lebewesen heiss begehrt wird. Dadurch sieht sich Helena plötzlich von Lysander und Demetrius liebestoll bedrängt, während sich Hermia ausgestossen fühlt. Titania empfindet sich leidenschaftlich zu Zettel (bravourös: Rainer Appel) hingezogen, der als Mitglied einer Laien-Schauspielertruppe (Nourdin Khamsi, Matthias Lüdi, Jan Börner, Jonathan Sells, Tony Feller) gerade mit angehexten Eselsohren unterwegs ist. Miteinander geben sie sich erotischen Lüsten hin, obwohl Zettel warnt, dass «Vernunft und Liebe» hier und heute nicht übereinstimmen.

Die weichende Nacht und ein Gegenmittel lösen die Verzauberung. Die Liebespaare finden sich in den vorbestimmten Partnerschaften wieder, und auch das Elfenkönigspaar versöhnt sich. Vergessen sind alle dämonischen Träume der Sommernacht. Nach einer Huldigung der Jahreszeiten führen die Laienschauspieler das einstudierte Theater «Pyramus und Thisbe» in grotesk parodierender Version auf. Fürst Theseus, in dessen Rolle Titania geschlüpft ist, um dionysische Elemente eines jeden Lebens deutlich zu machen, kommentiert: «Wahnsinn, Poesie und Verliebtheit sind Einbildung.» Und Oberon verkündet mit dem Ende des Spiels die universell waltende Harmonie. Umrahmt wird die Darbietung von den beiden Tänzerinnen Sabina Aeschlimann und Hannah Jäckel mit Bewegungsformen, die angesichts der Leichtigkeit des Spiels etwas zu statisch wirken.

Mehr als drei Stunden schwelgte das Publikum in einem Kosmos aus rhythmisch pointierter Shakespear’scher Sprache in Deutsch und Englisch, die eine ganze Welt voller Gefühle umfasst. Das fesselnde Szenenspiel, das mal poetisch-feingeistig gefiel, aber auch mit deftigen Passagen zum Lachen reizte, lockte mit immer neuen Einfällen. Die Schauspieler erbrachten eine beachtliche Laufleistung, die bei Demetrius und Lysander sogar asiatische Kampfkunst umfasste. Hübsch gelang der musikalisch-szenische Auftakt vor der Schlossfassade – auch wenn hier fürs zahlreiche Publikum nicht alles zu sehen und zu verstehen war. Mit Zauberklängen wartete die Musik auf.

Sie liess unter der Leitung von Andreas Reize gemeinsam mit seinem 17-köpfigen Orchester Cantus firmus consort auf Instrumenten in historischer Mensur den Abend zu einem wahren Barockfest werden. Und dazu die virtuos klangvollen Stimmen der Solistinnen und Solisten, die allesamt den verzierungsreichen Partien kunstvoll entsprachen! Begeisternd die Sopranistinnen Gunta Smirnova sowie Anna Gössi und Mirjam Berli als wandlungsfähige Elfendamen, bestrickend Countertenor Jan Börner in mehreren Aufgaben ebenso wie Tenor Michael Feyfar und die beiden Bassisten Marc Olivier Oetterli und Jonathan Sells. Nicht vergessen werden darf der schönstimmige und stets präsent agierende Chor.

Sparsam im Verzicht auf Kulissen ist die Bühnenlandschaft ausgestattet. Umso mehr kommt die Bekleidung (zuständig für beides: Romaine Fauchère) der Mitwirkenden im abendlichen Sonnenlicht und bei späterer Beleuchtung (Alfred Hug) zur Geltung. Gemeinsam mit allen Beteiligten freute sich abschliessend Regisseur Georg Rootering, der die Dramaturgie ideenreich gestaltete, an feiernden Bravo-Rufen im herzlich-anerkennenden Beifall.