Amtsgericht Solothurn-Lebern

Sexuelle Handlungen mit Minderjähriger: 55-Jähriger wird zu milder Geldstrafe verurteilt

Der Mann hatte das Mädchen am Arbeitsplatz belästigt. (Symbolbild)

Der Mann hatte das Mädchen am Arbeitsplatz belästigt. (Symbolbild)

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern sprach am Mittwoch einen heute 55-jährigen Mann schuldig, der 2017 am Arbeitsplatz mit einem damals noch nicht ganz 16-jährigen Mädchen sexuelle Handlungen vollzogen hatte. Mit einer bedingt ausgesprochenen Geldstrafe, 70 Tagessätzen à 90 Franken, sowie einer Busse von 1500 Franken fiel die Sanktion aber recht milde aus.

Wo hört der Spass auf, wo beginnt die sexuelle Belästigung? Mit dieser Frage, die spätestens seit der MeToo-Bewegung die Welt bewegt, musste auch das Amtsgericht Solothurn-Lebern befassen. Der Beschuldigte, ein albansich sprechender Mann aus Serbien, kannte diese Grenzen offenbar nicht: In einem sexualisierten Arbeitsklima gehörten bei ihm derbe Sprüche und eindeutig sexuelle Anspielungen zum Alltag. Eine sehr junge Praktikantin ging am Anfang noch auf die Spässe ein, aber mit der Zeit, als sie sich in der Pause auch noch Pornovideos auf dem Handy des Mannes anschauen musste, begann sie zu leiden. Aber erst nachdem es zu sexuellen Handlungen gekommen war, brach das Opfer eines Abends vor seinem Bruder in Tränen aus und erzählte die Geschichte.

Kurz vor dem 16. Geburtstag seines Opfers stand der kräftige Mann mit heruntergelassener Arbeitshose vor das Mädchen, nahm dessen Hand und führte diese kurz an die Unterhose mit seinem erigierten Glied. Damit war für das Gericht der Tatbestand der sexuellen Handlung mit einem Kind erfüllt. Ein paar Monate später steckte er den Kopf unter ihren Pullover und küsste die Brust. Da das Opfer schon 16 Jahre alt war, wurde dies als sexuelle Handlung mit einer Abhängigen taxiert.

Der Beschuldigte stritt alle Anklagepunkte ab, aber das Gericht glaubte aber den Aussagen des Opfers. «Die Tatorte bei den verschiedenen Kunde und die Gespräche sind detailliert dargestellt worden», sagte Amtsgerichtsstatthalter Matthias Steiner in der Urteilsbegründung. «Sie hat sich mit ihren Aussagen selber belastet, als sie gab zu, bei den sexuellen Provokationen zum Teil mitgemacht zu haben», nannte der Richter ein weiteres Element, das für den Wahrheitsgehalt der Aussagen des Opfers spricht. Da war zum Beispiel eine anzügliche Show des Mädchens mit einer Banane im Protokoll nachzulesen.

Kein Landesverweis 

Das Gericht sprach den Angeklagten zwar in allen Punkten schuldig, blieb aber mit einer auf Bewährung ausgesetzten Geldstrafe und einer Busse von 1500 Franken deutlich unter der Forderung von 15 Monaten bedingt, die Staatsanwalt Marc Finger formuliert hatte. Auch eine Landesverweisung gab es nicht, obwohl diese bei einer Verurteilung wegen sexuellen Handlungen mit einem Kind eigentlich automatisch erfolgen müsste. Es bestehe daran kein öffentliches Interesse, erläuterte der Richter. «Es liegt ein Härtefall vor. Einem 55-jährigen Mann, der seit über 30 Jahren in der Schweiz arbeitet und sich bisher nichts zu Schulden kommen liess, dessen Kinder und Grosskinder hier leben, ist nicht zuzumuten, dass er sich ein neues Leben in der alten Heimat aufbauen muss.»

Zur milden Strafe trug aber auch die Tatsache wesentlich bei, dass die Staatsanwaltschaft – wie oft in letzter Zeit – das Beschleunigungsgebot nicht beachtet hatte. Das Verfahren dauerte fast drei Jahre, «und das ohne ersichtlichen Grund», wie das Gericht betonte. Für das erlebte seelische Leid bekam das Opfer eine Genugtuung von 3000 Franken zugesprochen.

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