Obergericht
Sexuelle Handlung mit Kind: Freispruch für 44-Jährigen

Das Obergericht hat einen 44-Jährigen Schweizer freigesprochen. Ihm war die sexuelle Handlung mit einem Kind vorgeworfen worden. Verfahrenstechnische Gründe gaben den Ausschlag für den Freispruch.

Daniel Rohrbach
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Sexueller Missbrauch (Themenbild)

Sexueller Missbrauch (Themenbild)

Keystone

Das Obergericht hat den IV-Rentner Reto Z.* aus formellen Gründen vom Vorwurf der sexuellen Handlung mit einem Kind freigesprochen. Dies, weil Z. als Beschuldigter dem Opfer in einer direkten Konfrontation nie habe Fragen stellen können. Z. wurde vorgeworfen, er habe den Penis eines vier Jahre alten Knaben in den Mund genommen.

Bereits zum zweiten Mal freigesprochen

Nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» hatte 2009 bereits das Amtsgericht Solothurn-Lebern den heute 44-jährigen, drogenkranken Schweizer IV-Rentner Reto Z.* freigesprochen. Dagegen appellierten die Staatsanwaltschaft und die Mutter des Kindes. Das Amtsgericht, das die Aussagen des Knaben ebenfalls als glaubwürdig taxierte, begründete den Freispruch damals, dass die Bilder, die sich der Knabe gemacht habe, auch von irgendwo anders hätten kommen können.

Die Staatsanwaltschaft hatte Z. vorgeworfen, an einem Wochenende im Februar 2007 den Penis des damals etwas mehr als vier Jahre alten Knaben in den Mund genommen zu haben. Z. war längere Zeit mit der Grossmutter des Kindes liiert gewesen und wurde von diesem als „Opi" bezeichnet.

Anklage fordert 14 Monate bedingt

Bei einer ersten durch eine Psychologin durchgeführten Videobefragung schilderte der Knabe die sexuelle Handlung erneut. Bei einer zweiten Befragung konnte er sich aber an nichts mehr erinnern. Staatsanwalt Marc Finger erklärte, es bestünde überhaupt kein Anlass, an den Aussagen des Knaben zu zweifeln. Er fordert eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten bedingt auf zwei Jahre.

*Name von der Redaktion geändert.