Amtsgericht
Sexualstraftäter bleibt fünf weitere Jahre in Therapie

H.L. überraschte vor 13 Jahren in Balsthal eine Frau im Schlaf und missbrauchte sie sexuell. Er hatte schon vorher Frauen angegriffen. Das Amtsgericht Thal-Gäu verlängerte die stationäre Massnahme um weitere fünf Jahre.

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H.L. wird zum Prozess gebracht.

H.L. wird zum Prozess gebracht.

H.L. hatte sich im Frühjahr 2002 in Balsthal ins Bett einer Bekannten gelegt und sexuelle Handlungen an der Schlafenden begangen. Wegen Schändung wurde er 2005 vom Obergericht zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde zugunsten einer stationären, psychiatrischen Behandlung aufgeschoben, in der sich der Mann schon seit längerem befand. Von einer Verwahrung wurde abgesehen.

Am Dienstag musste das Amtsgericht Thal-Gäu nun darüber befinden, ob die stationäre Massnahme für den heute 53-Jährigen verlängert wird - oder ob es sogar zu einer ordentlichen Verwahrung kommt.

Dies verlangte nämlich die Solothurner Staatsanwaltschaft in ihrem ersten Antrag. «Das ist ein mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter», sagte Sabine Husi, stellvertretende Oberstaatsanwältin gegenüber «TeleM1». Die Staatsanwaltschaft war der Meinung, dass der Mann nicht therapierbar ist und dass auch keine realistischen Erfolgsaussichten für relevante Therapieerfolge in den nächsten Jahren bestünden.

Sie sprach bei der Verhandlung von einer hohen Rückfallgefahr. Als zweiten Antrag forderte die Staatsanwaltschaft eine Verlängerung der Massnahme um fünf Jahre. Die Verteidigung des 53-Jährigen beantragte ihrerseits eine Verlängerung der stationären Massnahme um weitere drei Jahre.

Das Amtsgericht kam am Mittwoch zu folgendem Urteil: Die stationäre Massnahme von H.L. wird um weitere fünf Jahre verlängert. Eine ordentliche Verwahrung, wie sie die Staatsanwaltschaft beantragte, kommt gemäss Gericht nicht infrage, weil der Täter laut dem psychiatrischen Gutachten therapierbar sei. Auch wenn die Therapie länger dauern könnte. Beide Parteien können das Urteil ans Obergericht weiterziehen.

Kriminelle Vergangenheit

H.L. hatte eine schwierige Kindheit. Bereits als Jugendlicher wurde er straffällig: Er beging mehrere Diebstähle und unzählige Raubüberfälle. Seine Jugend verbrachte er in diversen Heimen und Anstalten, bevor er in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen wurde, nachdem er Frauen aus sexuellen Motiven angegriffen hatte.

Seine schlimmsten Taten liegen schon fast 35 Jahren zurück. Als er im Herbst 1980 die psychiatrische Klinik urlaubshalber verlassen durfte, würgte er in Bern eine 18-jährige Studentin und vergewaltigte sie danach. Eine Woche später griff er eine junge Frau in Saas-Fee an. Für den Mord an der 18-Jährigen wurde er zu einer Zuchthausstrafe von 15 Jahren verurteilt. Wieder auf freiem Fuss wurde er schwer Drogen abhängig. Die Drogensucht hat er mittlerweile überwunden.