Amtsgericht Solothurn-Lebern
Sex mit 14-Jähriger: Es war keine Vergewaltigung

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern verurteilte einen 31-jährigen Türken aus dem Seeland wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten bei einer Bewährungsfrist von vier Jahren.

Hans Peter Schläfli
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Der Türke wurde vom Amtsgericht Solothurn-Lebern für schuldig befunden - jedoch nicht wegen der Vergewaltigung.

Der Türke wurde vom Amtsgericht Solothurn-Lebern für schuldig befunden - jedoch nicht wegen der Vergewaltigung.

Oliver Menge

Beim schwerwiegendsten Vorwurf der Vergewaltigung gab es aber einen Freispruch.

Nachdem sie sich ein paar Monate gekannt hatten, rief die 14-jährige Antonia T.* im August 2012 ihren damals 29-jährigen türkischen Freund an – er solle sie von einer Party abholen. Sie habe «sturmfrei», wolle die Nacht mit ihm verbringen und dann frühstücken.

Yasin H.* ging auf das Angebot ein, doch offenbar lagen die Vorstellungen des ungleichen Paars, wie die Nacht verlaufen sollte, weit auseinanzder. Am nächsten Tag ging Yasin H. an die Street Parade, während das Mädchen in Begleitung einer Freundin bei der Polizei Anzeige wegen Vergewaltigung machte (wir berichteten).

Keine ausweglose Situation

«Das Gericht hat keine Gründe, an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Opfers zu zweifeln», erklärte Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten das Urteil. So gebe es keinen Zweifel daran, dass es zu verbotenen sexuellen Handlungen gekommen sei. Das Amtsgericht folgte jedoch nicht der Staatsanwaltschaft, die diese sexuellen Handlungen als Vergewaltigung zur Anklage gebracht hatte. «Nicht jede sexuelle Handlung mit einem Kind ist automatisch als eine Vergewaltigung einzustufen», erklärte Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten.

Das Bundesgericht habe dafür klare Voraussetzungen definiert. So müsse das Opfer entweder durch physische Gewalt oder psychischen Druck in eine ausweglose Situation gebracht worden sein, was aber auf diesen Fall nicht zutreffe.

Nur weil der Mann nach dem einvernehmlichen Küssen im Bett mehr wollte, könne man nicht von einer ausweglosen Situation für die 14-Jährige sprechen. «Die Handlungsfreiheit war immer vorhanden, was durch das Opfer ja auch genutzt wurde, um vorübergehend ins Bad zu gehen», so von Felten.

Yasin H. muss dem Opfer eine Genugtuung von 1500 Franken zahlen, für mögliche gesundheitliche Folgen ist er hundertprozentig haftbar.

*Name von der Redaktion geändert.