Roland Borer hat es derzeit nicht leicht. Erst muss der SVP-Nationalrat sich Fragen zu seinem Mandat bei der umstrittenen Krankenkasse Groupe Mutuel gefallen lassen – er gibt sich wortkarg, reagiert unwirsch. Und nun auch noch das: «Es ist an der Zeit, dass junge Hoffnungsträger in der SVP eine Chance kriegen.» Doch Einsicht habe ja bei langjährigen Sesselklebern noch selten gefruchtet. Ein frontaler Angriff.

Wagt es etwa der Nachwuchs, Borers erneute Kandidatur für den Nationalrat infrage zu stellen? Nun, die Kritik kommt nicht von den Jungen. Es ist ein altgedienter SVP-Mann, der jetzt einen Generationenwechsel fordert: Kurt Küng, langjähriger Parteipräsident und früherer Fraktionschef im Kantonsrat.

Sind 23 Jahre genug?

Vergangene Woche war er mundfaul, nun reagiert Roland Borer gelassen auf die Sesselkleber-Vorwürfe. Auch er weiss, dass er vor den Wahlen 2011 ankündigte, zum letzten Mal anzutreten. Und ja, auch er wolle sich einer Erneuerungsdebatte nicht verweigern, sagt der Kritisierte. «Aber jetzt ist nun mal der falsche Zeitpunkt dafür, weil der Kanton bald einen Sitz weniger hat im Nationalrat.» Ein Bisheriger senke das Risiko, einen Sitz zu verlieren.

«Ich bleibe vier Jahre»

Doch auch sonst werden sich Borer und Partei-Doyen Kurt Küng wohl kaum einig werden. «Ich bin Taktierer genug, um die Gedanken der Partei zu verstehen», sagt Küng. Andererseits könnte man es trotz gewissem Risiko mit einem jungen Kopf versuchen.

Oder kämpft die SVP etwa mit einem Personalproblem? Denkste, findet auch Silvio Jeker: «Wir haben ja genügend Leute für eine Kandidatur.» Der Parteichef, selbst einer der jungen Köpfe, stellt sich jedoch hinter die Kandidatur von Roland Borer. «Die Parteileitung hat sich klar dafür ausgesprochen», sagt er. Jeker sieht keinen Grund, in seiner Partei über einen Generationenwechsel zu debattieren. «Unsere Fraktion ist im Kantonsrat ja ohnehin die jüngste.» Rufe nach einer Altersguillotine lässt er freilich ungehört verhallen – da plädiert er schon lieber für eine gute altersmässige Durchmischung: «Wir schicken niemanden einfach in Rente», sagt Jeker.

Tatsache bleibt: Die Posten in Bern werden seit Jahren von den gleichen Köpfen besetzt. Sollte Roland Borer im Oktober 2015 gewählt werden, kann er seine siebte Legislaturperiode antreten. Wer nun darauf pocht, dass Borer nach zwei, drei Jahren einem Nachrücker den Weg ins Bundeshaus freimachen könnte, hat seine Rechnung ohne den Politikfuchs gemacht: Einen vorzeitigen Rücktritt schliesse er aus, betont Borer. «Schickt mich das Volk nochmals nach Bern, dann bleibe ich vier Jahre.»