Am Weissenstein tut sich was, aber eben doch noch nichts. Nach einem Augenschein des Bundesverwaltungsgerichtes mit den Streitparteien Seilbahn Weissenstein AG (SWAG) und Heimatschutz rechnen die Bahnbetreiber nicht mehr in diesem Jahr mit einem Urteil (wir berichteten). Frühestmöglicher Baubeginn sei Frühling 2013. Je nachdem, ob sich dann auch noch das Bundesgericht mit dem Seilbahnstreit auseinandersetzen muss, zieht sich das Bewilligungsverfahren noch bis ins Jahr 2014 hin.

Das Seilziehen um die im November 2009 stillgelegte Sesselbahn des Typs von Roll 101 dauert also noch eine Weile. Weiter als am Solothurner Hausberg ist man am mit 1602 Metern höchsten Berg Tschechiens – die Schneekoppe bei der Stadt Petzer. Dort ratterte am 2. September die Sesselbahn letztmals. Bis 2014 wird sie durch eine Vierer-Gondelbahn ersetzt. Was hat denn eine Sesselbahn in Tschechien mit jener auf den Weissenstein gemeinsam? Nun, ein Vergleich zeigt durchaus witzige Gemeinsamkeiten.

Mit Von-Roll-Lizenz

Hergestellt wurde der Sessellift vom Staatsbetrieb Transporta Chrudim (ehemals Firma Wiesner) in Lizenz der Firma von Roll, Werk Bern. In Betrieb genommen wurde die Bahn auf die Schneekoppe 1949. Sie hatte zwei Abschnitte – auf den Rosenberg und von dort aus auf die Schneekoppe. Gesamtlänge: 3527 Meter. Der Sessellift auf den Weissenstein wurde Ende 1950 in Betrieb genommen. Er hat ebenfalls zwei Sektionen. Gesamtlänge: 2369 Meter.

Für beide Bahnen hat man sich seinerzeit aufgrund des revolutionären Systems mit abkuppelbaren Sesseln entschieden. Dieses bot bei relativ geringen Erstellungskosten eine hohe und dem Besucherandrang anpassbare Förderleistung. Hinzu kommt das einzigartige Freilufterlebnis. Beide Bahnen können jedoch schon bei geringen Windstärken keinen sicheren Betrieb garantieren. So kommt es oft zu Betriebsstillständen. In Tschechien verbesserte man die Windstabilität, indem die Segeltuchdächer durch feste Dächer aus Kunststoff ersetzt wurden.

Naturschutz hat hohes Gewicht

Spannender als die technischen sind jedoch andere Parallelen. In Tschechien ist erstmals 1976 von einem Neubau die Rede. Ein weiteres Projekt wird Ende der Achtzigerjahre konkret. Sowohl die Pläne für eine 6er- wie für eine 8er-Gondelbahn scheitern aber am Widerstand der Bevölkerung. Die tschechische Nationalparkverwaltung fordert seither immer wieder den ersatzlosen Abriss der überalterten Anlage. Dies, um die Besucherzahlen im ökologisch sensiblen Bereich um die Schneekoppe zu begrenzen. So wird die Bahn über all die Jahre kaum modernisiert. 2004 werden die Verhandlungen für einen Neubau wieder aufgenommen. Am Ende kommt es zu einer Lösung, der auch die Naturschützer zustimmen können.

Landschaftsschutz gab nach

Bei der Seilbahn Weissenstein scheitern Anfang der Neunzigerjahre Neubaupläne mangels Geld. Für 4,5 Mio. Franken wird der Sessellift aber 1994 totalsaniert. Vor sechs Jahren lagen dann erstmals Neubaupläne für eine 6er-Gondelbahn auf dem Tisch. Nach diversen Vorprüfungen läuft seit August 2009 das Konzessions- und Plangenehmigungsverfahren. Auch hier führt das Bahntrassee durch eine besondere Landschaft. Das Gebiet befindet sich im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Letzten Februar verzichtet die Stiftung für Landschaftsschutz Schweiz auf einen Weiterzug gegen die Baubewilligung ans Bundesverwaltungsgericht.

Nach Ansicht der Stiftung ist es so, dass gar keine Bahn mehr auf den Berg fahre, falls die Beschwerde gutgeheissen werde. Eine Erschliessung mit einer Seilbahn sei aber ein weit weniger schwerer Eingriff in das nationale Schutzgebiet, als eine Erschliessung mit dem motorisierten Individualverkehr. Den Eingriff ins Schutzgebiet führt bekanntlich auch der Heimatschutz ins Feld. Zudem stehe die Bahn als Denkmal von nationaler Bedeutung unter Schutz. Unter Schutz gestellt wurde die Bahn aber nie.

Es gibt auch Unterschiede

Die Bahnen auf den Weissenstein und die Schneekoppe waren beide gebaut worden, bevor das jeweilige Gebiet unter Schutz gestellt wurde. Dass die Sesselbahn auf die Schneekoppe so lange in Betrieb war, führen Bahnnostalgiker auf den Umstand zurück, dass an der Schneekoppe wegen des ungünstigen Geländes nie alpiner Skisport betrieben wurde und die Bahn ausserdem in ein Naturschutzgebiet führt. So sei diese Bergbahn eine reine Ausflugsbahn geblieben, die den grössten Teil ihrer Frequenzen vor allem im Sommer generiere. Das Naturschutzgebiet ist auch Grund für diverse Auflagen. So muss die Förderleistung auf den heutigen 250 Personen pro Stunde und Richtung belassen werden.

Bei allen Gemeinsamkeiten – es gibt auch wesentliche Unterschiede. So hält bei der einen Bahn mit der Stadt Petzer die öffentliche Hand die Aktienmehrheit, während bei der Seilbahn Weissenstein AG klar Private die Aktienmehrheit halten. Die Schneekoppe ist im Unterschied zum Weissenstein auch nicht mit einer Passstrasse erschlossen.

Teile kommen ins Museum

Der Sessellift auf die Schneekoppe wird nicht komplett verschrottet. Einige Teile werden dem Prager Nationalmuseum für Technik zur
Verfügung gestellt. Weitere Teile des Lifts sollen als Ersatzteile für die 60 Jahre alte Sesselbahn zum Aussichtsturm Mückentürmchen in Krupka bei Teplice dienen. Die Firma Transporta Chrudim baute nach der Bahn auf die Schneekoppe mit Von-Roll-Lizenz fünf weitere Bahnen in der damaligen Tschechoslowakei.

Quelle: www.seilbahn-nostalgie.ch