Derendingen
Sensationeller Fund: Gemeindepräsident findet Goldnuggets in der Emme – das Wasseramt steht Kopf

Weil die kantonalen Behörden in Derendingen einen Goldgräberboom befürchten, vergeben sie fünf offizielle Schürfbewilligungen.

Rahel Meier, Lucien Fluri
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Goldfund in der Emme
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In der Nähe des Parkplatzes Waldegg wurden die Nuggets gefunden.
Einige der Nuggets liegen einfach nur im Wasser.
Kuno Tschumi zeigt seinen Fund.

Goldfund in der Emme

Hanspeter Bärtschi

Achtung: Dieser Artikel ist ein Aprilscherz.

Täglich führt Gemeindepräsident Kuno Tschumi seinen Hund spazieren. Aber den Spaziergang vom letzten Donnerstag wird er wohl nicht so schnell vergessen. «Leo liebt es, in der Emme herumzutollen», erklärt er. Da schon bald Leinenpflicht angesagt ist, liess er seinen Hund am Nachmittag nochmals nahe der Waldegg flussaufwärts planschen. «Plötzlich sah ich es im Wasser glitzern. Ich habe sofort nach meinem Hund gerufen. Ich dachte, es seien Glasscherben im Kiesbett und wollte nicht, dass Leo sich an den Pfoten verletzt.»

Als Tschumi versuchte, die vermeintlichen Scherben aus dem Wasser zu fischen, staunte er nicht schlecht. «Statt der Scherben hatte ich einen kleinen glänzende Kieselstein in der Hand. Ich merke schnell, dass dies ein Goldnugget ist.» Tschumi machte eine Kehrtwende, ging nach Hause, holte Gummistiefel und steig erneut in die Emme. Nach fünf Minuten fand er ein zweites, deutlich kleineres Goldnugget. «Da wurde es mir dann aber doch unheimlich.» Er habe nach Leo gerufen und sei schnurstracks ins Büro marschiert. Dort angekommen, hat er sofort die kantonalen Behörden informiert.

Wochenendarbeit für Beamte

Der unerwartete Fund bescherte Bernardo Albisetti (Departementssekretär Bau- und Justizdepartement Kanton Solothurn) und Gabriel Zenklusen (Leiter Abteilung Wasserbau, Amt für Umwelt) Überstunden. Die beiden erklärten den Goldfund kurzerhand zur Chefsache. Sie sahen sich die Sache am Freitagnachmittag noch kurz direkt vor Ort an und beschlossen dann genauere Abklärungen durchzuführen. «Ich war doch etwas irritiert zu Beginn», so Zenklusen. In der Region liessen sich durchaus mit etwas Glück und viel Geduld kleinste Goldflitterchen finden. «Diese wurden mit Geschiebe von den Gletschern her in den Bächen und Flüssen bis ins Mittelland transportiert», erklärt er. Aber kieselsteingrosse Nuggets, das habe er hier bisher noch nicht gesehen. Tatsächlich ist es 22 Jahre her, seit dem bisher grössten Goldfund in der Schweiz. Damals fand ein Hobby-Goldwäscher aus Winterthur ein 123,1 Gramm schweres Goldnugget im Vorderrhein zwischen Disentis und Sedrun im steinigen Ufergelände.

«Da liegt noch mehr»

Bernardo Albisetti und Gabriel Zenklusen sind sich in der Zwischenzeit sicher: Da liegt noch mehr Gold im Bett der Emme. Wieso die Nuggets gerade jetzt an die Oberfläche kamen, darüber können die beiden nur rätseln. Vermutlich kamen sie wegen der Bauarbeiten an und in der Emme an die Oberfläche.

Die Abklärungen in der Emme blieben in Derendingen nicht unbemerkt. Bei schönem Wetter ist das Emmeufer trotz der Bauarbeiten meist stark bevölkert. Offensichtlich haben die ersten Neugierigen bereits versucht, selbst Gold zu finden. «Wir wollen unbedingt vermeiden, dass die Emme zu einer Attraktion für Goldsucher wird», so Bernardo Albisetti auf Anfrage (siehe Kasten rechts). «Um einem Goldgräberboom mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Umwelt entgegenzuwirken haben wir uns dazu entschieden fünf offizielle Bewilligungen zu erteilen.» Weiter macht er deutlich, dass alles Gold, das bisher gefunden wurde, dem Bau- und Justizdepartement vorgelegt werden muss. «Das ist in der Verordnung über den Schutz von Fossilien und Mineralien klar geregelt.»

Kanton vergibt fünf Schürfbewilligungen

Der Goldfund an der Emme ist ein ausserordentliches Ereignis. Das veranlasst das Bau- und Justizdepartement zu einer ausserordentlichen Massnahme. Weil ein «Goldgräberboom» vermieden werden soll, will der Kanton ganz offiziell fünf Schürfbewilligungen vergeben, wie er in einer Medienmitteilung schreibt. Da am Wochenende bereits die ersten Goldsucher unterwegs waren, soll dies so schnell wie möglich passieren. «Im Sinne einer bürgernahen Verwaltung sind wir heute Morgen um 11.30 Uhr beim Fundort an der Emme und erteilen die Bewilligung auch gleich dort. Die ersten fünf Personen die nachfragen, werden die Bewilligung erhalten», so Departementssekretär Bernardo Albisetti.

Hier wiederum widerspricht Kuno Tschumi. Als Jurist kennt er besagte Verordnung ebenfalls und macht klar, dass mindestens er die beiden Nuggets «einfach so auflesen» konnte. Damit sei klar, dass er das Gold behalten könne. «Es kann ja nicht sein, dass wir als Standortgemeinde am Schluss nichts von diesem ausserordentlichen Fund haben», ereifert sich Tschumi.

Vom Goldfund bereits profitiert hat Kuno Tschumis Hund Leo. Der hat am Wochenende einen grossen Knochen bekommen. «Den hat er sich wirklich verdient», meint sein Herrchen und lobt seinen Hund.

Verordnung über den Schutz von Fossilien und Mineralen

Sucht man Gold, ist dies – sofern Schürf-untensilien zum Einsatz kommen – bewilligungspflichtig. Geregelt ist dies in der die Verordnung über den Schutz von Fossilien und Mineralen (BGS 711.515).

Hier ein Auszug aus der Verordnung:
Alle Fossilien und Mineralien von wissenschaftlichem Wert, die im Fels oder im Boden enthalten sind, stehen unter Schutz. Davon ausgenommen sind Fossilien und Mineralien, die durch die oberflächliche Verwitterung zu Tage treten und ohne Hilfe von Werkzeugen aufgelesen werden können.
Werden Fossilien oder Mineralien im Fels oder im Boden festgestellt, insbesondere bei Bau- oder Grabarbeiten, beim Abbau mineralischer Rohstoffe oder anlässlich von Rutschungen, Abbrüchen oder ähnlichen Naturereignissen, so haben Entdecker, Grundeigentümer, Bauherren, Bauleiter und Unternehmer unverzüglich die Gemeindekanzlei, die Polizei oder das Bau- und Justizdepartement zu benachrichtigen. Sie haben alles zu unterlassen, was eine sachgerechte Bergung der Funde erschweren oder verunmöglichen würde.
Wer fossil- und mineralführende Schichten mit Werkzeugen und Geräten oder mit Sprengmitteln abbauen will, bedarf einer Bewilligung des Bau- und Justizdepartementes.
Sämtliche aufgefundenen Objekte sind dem Bau- und Justizdepartement zur Prüfung vorzulegen. Diejenigen von wissenschaftlichem Wert sind dem Bau- und Justizdepartement abzuliefern.