Innendekorateure

Selzacher Zentrum bleibt «Todesurteil» erspart, doch Reform ist zwingend

Fachschule für Innendekorateure von Interieursuisse in Selzach: Hier sollen auch in Zukunft Berufsleute ausgebildet werden können.

Fachschule für Innendekorateure von Interieursuisse in Selzach: Hier sollen auch in Zukunft Berufsleute ausgebildet werden können.

Aufatmen in der Branche der Innendekorateure: Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) gibt den Verantwortlichen zur Reform ihrer Berufsausbildung noch einmal ein Jahr lang Zeit.

Weil sich die Branche zuvor über längere Zeit nicht hatte einigen können, hatte das SBFI deren altes Ausbildungsreglement per Ende 2015 kurzerhand aufgehoben. Damit schein auch der Weiterbestand des Ausbildungszentrums in Selzach infrage gestellt.

Umso grösser ist nun die Erleichterung, dass das «Todesurteil für die Ausbildung von Lernenden und damit die Brache» nicht vollstreckt wird. «Das ist eine erfreuliche Nachricht», sagt Reto Eilinger, Präsident des Branchenverbandes Interieursuisse.

Nach Monaten der Unsicherheit könnten die Fachgeschäfte nun auch im kommenden Jahr Lernende als Innendekorateure ausbilden. Die vierjährige Ausbildung sei sichergestellt.

Das gebe der Branche die Möglichkeit, die vom SBFI geforderten, überfälligen Reformen ihrer Berufsbildung endlich anzupacken. Reto Eilinger zeigt sich des Problems bewusst: «Das Berufsbild muss attraktiver und stärker auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes ausgerichtet werden.»

Dieser Schritt sei «dringend notwendig, um den Beruf auf eine langfristige Basis zu stellen».

Handlungsbedarf dringend

Das geltende Ausbildungsreglement stammt aus dem Jahr 1999, was alleine schon den Handlungsbedarf deutlich macht. Frühere Interventionen der Behörden und Forderungen nach einer Revision waren in der Branche mehr oder weniger ungehört verhallt oder an verbandsinternen Differenzen gescheitert.

Dass dem SBFI Anfang 2015 der Geduldsfaden riss und der Berufsbildung per Ende Jahr faktisch der rechtliche Boden entzogen werden sollte, sorgte offensichtlich für ein Erwachen.

Es seien inzwischen mit allen möglichen Playern «intensive Gespräche geführt» worden, heisst es beim zuständigen Staatssekretariat. Das SBFI sei stets bestrebt gewesen, die Ausbildungs- und Arbeitsplätze in der Branche zu erhalten.

Gestützt auf die aus vielen Gesprächen resultierenden «positiven Signale gewährt nun das SBFI der Brache bis Ende 2016 Zeit, um stabile Strukturen zur Bildung einer neutralen, breit abgestützten Trägerschaft für ihre Berufsbildung zu schaffen und die Reformarbeiten anzugehen», hält Josef Widmer, stellvertretender Direktor des SBFI fest.

Gnadenfrist von einem Jahr

Lange will das Staatssekretariat allerdings nicht auf einen Durchbruch warten: Es werde die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen sowie aktiv begleiten, heisst es.

Und: «Können die Reformarbeiten 2016 wider Erwarten nicht gestartet werden, wäre das SBFI gezwungen, das Ausbildungsreglement auf den 1. Januar 2017 aufzuheben.»

Diese Aufforderung zum Tanz geht vom SBFI an die Organisationen Interieursuisse, Boden Schweiz, Schweizerischer Möbelfachverband sowie an die Branchenverbände in der Westschweiz.

Der Verband Interieursuisse werde sich «konstruktiv einbringen und an der Reform mitarbeiten», wird in einer Medienmitteilung denn auch postwendend versprochen. Wünschenswert sei es, wenn «die gesamte Brache und die Auszubildenden möglichst rasch von den Neuerungen profitieren könnten».

Dem Verband sind 600 Einrichtungsfachgeschäfte und Ateliers angeschlossen, die insgesamt 3000 Arbeitsplätze und 250 Lehrstellen anbieten.

Lehrlinge abgesprungen

Den Lead für den Aufbau einer tragfähigen Reform hat das SBFI an zwei Praktiker übergeben. Darunter Urs Nussbaumer, Inhaber des gleichnamigen Einrichtungshauses in Lüterkofen.

«Die Reform ist dringend und zwingend nötig. Es geht darum, unseren Beruf zu retten und den Nachwuchs zu sichern», zeigt er sich entschlossen. Die Folgen der Verunsicherung bezüglich der künftigen Berufsausbildung habe bereits mehrere potenzielle Lehrlinge kopfscheu werden lassen.

Nussbaumer: «Auch unserer Firma ist in den letzten Wochen eine junge Frau abgesprungen, die bei uns eine Innendekorateur-Lehre hatte absolvieren wollen.» Statt dessen wird sie nun Tierpflegerin ...

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1