Tag der Selbsthilfe

Selbsthilfe-Gruppe wird zum Freundeskreis: So hilft man sich heute gegenseitig

Sonja Bobst aus Matzendorf geht noch heute gerne in die Selbsthilfe-Gruppe.

Sonja Bobst aus Matzendorf geht noch heute gerne in die Selbsthilfe-Gruppe.

Der Verband Selbsthilfe Schweiz hat mit lokalen Vereinen den Tag der Selbsthilfe ins Leben gerufen, um zu zeigen, was Selbsthilfe heute ist. Eine Teilnehmerin erzählt, warum sie auch nach der Genesung immer noch eine Selbsthilfe-Gruppe besucht.

Brustkrebs. Die Diagnose, die Sonja Bobst 2004 ein Tag vor Weihnachten erhielt, war hart. Noch heute, nach über 10 Jahren, werden die Augen der 67-jährige Matzendörferin nass, wenn sie darüber spricht. Über die Angst, den Zweifel, den Presslufthammer, den sie in sich spürte.

Dann aber kam Beatrice auf sie zu. Eine bis dahin nur Bekannte aus dem Dorf. Selber von Brustkrebs betroffen und Gründerin der Selbsthilfegruppe Brustkrebs Balsthal. «Wir schaffen das», sagte sie zur damals 55-jährigen Sonja Bobst und nahm sie noch vor der ersten Chemo zum Selbsthilfe-Treffen mit.

«Dort fühlte ich mich ab dem ersten Augenblick top aufgehoben», sagt sie und lächelt glücklich. Ihre Familie, die stets die grösste Unterstützung und Kraftquelle für Sonja Bobst war, fand es auch toll, dass sie die Selbsthilfe-Gruppe besuchte. Alles, was hilft, ist gut.

Grösster Teil: Beschäftigung

Alle vier Wochen traf und trifft sich Sonja mit anderen Brustkrebs-Betroffenen. Zwischen 12 und 14 Menschen sind das jedes Mal, alles Frauen. Solche, wie Sonja Bobst, die den Krebs bereits besiegt haben, und solche, die gerade dabei sind.

Drei Stunden verbringen sie jeweils zusammen, davon sitzen sie nur eine begrenzte Zeit im Kreis. Besprechen die Anliegen von Betroffenen. Was sind die Vor- und Nachteile einer Perücke?, zum Beispiel. «Perücken sind nicht so mein Stil. Deshalb trug ich lieber Kopftücher», sagt sie.

Nach der Diskussion beschäftigen sich die Teilnehmer mit Basteln, Gastvorträgen oder Workshops, zum Beispiel zum Thema Schminken oder Kochen. Manchmal machen sie auch zusammen Ausflüge. «Auf diesen Teil freue ich mich immer am meisten.»

Den Termin für die Bestrahlung legte sie immer kurz vor dem Selbsthilfe-Treffen. «Dann ging es mir besonders gut», sagt sie. Das habe auch der Gruppe am meisten gebracht. In der Gruppe herrsche immer eine aufgestellte Stimmung. «Wir sind alle motiviert, es zu schaffen.»

Die allermeisten schaffen es laut Sonja auch. Seit sie in der Gruppe ist, musste sie sich von sechs Frauen verabschieden. Zwei davon verstarben altershalber. Die anderen aber wegen Krebs. Wie Beatrice, die Gründerin der Gruppe. «Das war hart, aber wir haben die Gruppe genau gleich weitergeführt», sagt Sonja Bobst.

«In der Gruppe werden wir Freundinnen und wir fühlen alle mit», sagt Sonja, die damit umgehen kann. Natürlich gebe es auch Menschen, denen andere Angebote mehr entsprechen, ihr aber halfen die Treffen immer. «Danach fühle ich mich bestärkt und motiviert», sagt sie.

Klar, manchmal, wenn jemand eine schlechte Nachricht hat, dann ist man dann doch auch traurig.» Sie fühlte sich dafür verstanden, als sich zum Beispiel der Kontrolltermin näherte. «Dann hat man am meisten Angst. Auch wenn es einem vielleicht viel besser geht. Die Kontrolle ist immer die Stunde der Wahrheit», sagt Sonja. Noch heute ist es immer ein spezielles Gefühl vor der Kontrolle. Die letzte hatte sie erst vor wenigen Tagen. «Alles gut», strahlt sie. Seit über 10 Jahren ist Sonja Bobst wieder gesund. Rückfälle hatte sie keine.

Gespräche auch neben Treffen

Dieses Glück haben leider nicht alle. «Seit Anfang Jahr hatten bereits zwei Mitglieder einen Rückfall», sagt sie. «Gottlob geht es ihnen mittlerweile aber wieder besser. Wir stehen ihnen auf jeden Fall bei.» Als Freundinnen treffen sich Mitglieder auch neben den Selbsthilfe-Treffen. «Ich war auch schon oft mit anderen spazieren.»

Wertvoll seien die vielen Tipps, die in der Gruppe ausgetauscht würden, zum Beispiel zur Müdigkeit nach der Therapie. «Es gab Zeiten, da hätte ich tagelang nur herumliegen können», erinnert sich Sonja Bobst. Das habe sie dann auch getan. Dies war möglich, weil ihre Kinder damals schon erwachsen waren.

«Sie und mein Mann konnten mich dann unterstützen. Aber Betroffene mit kleinen Kindern zum Beispiel, müssen im Alltag oft trotz Beschwerden funktionieren. Das ist nicht einfach.» Die anderen Teilnehmerinnen würden auch bei solchen Fällen versuchen zu helfen, wo sie können. «Das machen Freundinnen für einander.»

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