Passerelle Berufsmaturität – Universitäten
Selbständigkeit und Biss sind gefragt: Erstmals wurde ein Lehrgang zur Zulassung an ETH und Uni durchgeführt

Erstmals wurde im Kanton Solothurn der einjährige Lehrgang durchgeführt, um mit der Berufsmaturität auch an die ETH und Universitäten zugelassen zu werden

Elisabeth Seifert
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Zeugnisübergabe gestern Abend an der Kanti Solothurn: 14 der 16 erfolgreichen Absolventen.

Zeugnisübergabe gestern Abend an der Kanti Solothurn: 14 der 16 erfolgreichen Absolventen.

Michel Luethi

Sie haben bereits die Berufsmaturität im Sack und damit den Zugang zu den Fachhochschulen. Jetzt stehen ihnen zusätzlich die Türen zur ETH und den Universitäten offen. Jenen 16 jungen Männern und Frauen, die gestern Abend an der Kanti Solothurn ihre Zeugnisse zur bestandenen Ergänzungsprüfung erhalten haben.

Erstmals ist im Kanton Solothurn im Schuljahr 2015/2016 der einjährige Passerellen-Lehrgang durchgeführt worden. Bis jetzt haben interessierte Berufsleute aus Solothurn den Lehrgang samt Prüfung in Bern, Basel oder Aarau absolviert.

«Mit der Passerelle wird die Durchlässigkeit erhöht, was die Berufsbildung weiter stärken wird», unterstreicht Stefan Zumbrunn, Rektor der Kanti Solothurn, gegenüber dieser Zeitung. Die Initiative für einen solchen Passerellen-Lehrgang im Kanton Solothurn sei denn auch von den Berufsbildungszentren ausgegangen – und nicht etwa von den Kantonsschulen.

Erfolgsquote von 70 Prozent

Der Weg von der Berufsmatur über die «Passerelle» bis zur bestandenen Ergänzungsprüfung ist dabei allerdings alles andere als einfach. 23 Kandidatinnen und Kandidaten sind vom 8. bis 19. August zu den acht schriftlichen und drei mündlichen Prüfungen angetreten.

16 Studierende haben diese auch tatsächlich bestanden, was einer Erfolgsquote von immerhin 70 Prozent entspricht. Zumbrunn: «Damit liegen wir etwa im Durchschnitt anderer Kantone.» Wer will, kann die Prüfung in einem Jahr wiederholen – und zwar in all jenen Fächern, die er respektive sie mit einer Note unter 5 abgeschlossen hat.

Im Vergleich zur normalen gymnasialen Maturität ist besonders anspruchsvoll, dass bei der Ergänzungsprüfung keine Vorschlagsnoten angerechnet werden. Sämtliche Prüfungen während des einjährigen Lehrgangs dienen der Standortbestimmung und sind damit fakultativ.

Auch der Unterricht für die Passerelle-Studierenden folgt einer anderen Logik als bei der Kantischülern. Während diese Woche für Woche einen dicht gedrängten Stundenplan abarbeiten müssen, geniessen die Anwärter für die Ergänzungsprüfung mehr Freiheiten: Sie haben nur 14 Lektionen Unterricht pro Woche.

Die Anforderungen an die Selbstorganisation sind dafür umso grösser. Zumbrunn: «Jede Lektion erfordert zwei bis drei Stunden Selbststudium.» Es bleibe deshalb kaum Zeit, während dem einjährigen Lehrgang noch einer Erwerbsarbeit nachzugehen, betont der Kanti-Rektor.
Der Erwerbsausfall freilich stellt die Interessenten vor eine zusätzliche Herausforderung.

Die «Passerelle» ist aber dennoch gefragt. Im soeben gestarteten zweiten Lehrgang bereiten sich bereits 38 junge Frauen und Männer auf die Ergänzungsprüfung vor. Zumbrunn schätzt das Potenzial langfristig auf jährlich 35 bis 40.

Auffallend ist deren Altersunterschied. Im zweiten Lehrgang sitzen 20-Jährige neben solchen, die bereits über 30 Jahre alt sind.

Stefan Zumbrunn erhofft sich von der «Passerelle» Inputs für den Unterricht am Gymnasium. Im Visier hat er die Rolle des Lehrers: Diesen müsse es noch besser gelingen, die Schüler, zum selbstständigen Lernen anzuspornen.

Die erfolgreichen Absolventen

Ajeti Emran, Derendingen; Fröhlicher Benedikt Michael, Solothurn; Gloor Silvana Esther, Oensingen; Iff Patrick, Luterbach; Kaus Corina, Olten; Lopez Kevin, Solothurn; Rashidi Lalo, OIten; Schwaller Tanja, Biberist; Späti Stefanie, Solothurn; Thinley Lila, Grenchen; Tuti Giulia, Langendorf; Vifian Julienne, Derendingen; Walter Elisa, Olten; Wirth Kim Matthias, Zuchwil; Wüthrich Jessica Sarah, Luterbach; Zürcher Selomie, Grenchen.

Preise. 1. Rang: Patrick Iff; 2. Rang: Selomie Zürcher. 3. Rang: Silvana Esther Gloor. – Sponsor für alle Preisträger: Solothurner Handelskammer.