Kaffeevollautomaten

Seit der Ansiedlung hat Schaerer rund 100 neue Jobs in Zuchwil geschaffen

Die Schaerer AG, Herstellerin von Kaffeevollautomaten, feiert ihr 125-jähriges Bestehen und will den Wachstumskurs fortsetzen. Eine Verlagerung zum Mutterkonzern WMF in Deutschland ist kein Thema.

Seit 2009 ist der Kanton Solothurn definitiv auf der Landkarte der internationalen Kaffeewelt verankert. Damals zügelte die Schaerer AG vom bernischen Moosseedorf auf das Riverside-Areal in Zuchwil.

Damit ist nebst der Jura AG in Niederbuchsiten eine weitere globale «Kaffee-Marke» im Kanton angesiedelt. Und diese Schaerer AG, einer der weltweit grössten Produzenten von Kaffeevollautomaten, feiert diese Tage ein seltenes Ereignis. Das zur deutschen WMF-Gruppe gehörende Industrieunternehmen ist seit 125 Jahren auf dem Markt (siehe Kasten). 

Guter Start ins 2017

Und zwar ziemlich erfolgreich, wie CEO Jörg Schwartze auf dem Betriebsrundgang erklärt. «Der Start ins laufende Geschäftsjahr ist mehr als geglückt.» Der Umsatz – in den Vorjahren rund 140 Millionen Euro – liege deutlich über dem Resultat von 2016. Hauptgrund dafür seien vor allem die jüngsten Rekordaufträge für einen weltweit führenden Kaffeeröster und eine kanadische Schnellrestaurant- und Kaffeekette. Insgesamt fertigt Schaerer in Zuchwil pro Jahr rund 15 000 Kaffeevollautomaten. «Wir konzentrieren uns auf den professionellen Anwendungsbereich», erklärt der 48-jährige CEO, der im vergangenen Frühling die Leitung der Schaerer AG übernommen hat.

Man beliefere vorwiegend Hotel- und Restaurantketten, aber auch immer mehr sogenannte Convenience-Stores. Eine wichtige Kundengruppe seien auch die grossen Kaffeeröster, welche Schaerer-Vollautomaten zusammen mit ihren Kaffeebohnen an die Kunden verkaufen. Derzeit fertige man in Zuchwil sieben Modellreihen, dahinter stecken aber zig Varianten. «Das ist unsere Stärke. Wir können so auf individuelle Kundenwünsche eingehen», erläutert Schwartze.

Auf fünf Montagestrassen in den Hallen der ehemaligen Sulzer entstehen aus vielen Einzelteilen und Komponenten die Kaffeevollautomaten. Vollautomat deshalb, weil der Kaffee auf einen Knopfdruck hin zubereitet wird. Kaum zu sehen sind dagegen Bearbeitungsanlagen für die klassischen industriellen Tätigkeiten wie Drehen, Fräsen oder Bohren. Schwartze spricht denn auch eher von einem Entwicklungs- und Montagebetrieb. Die Teile und Komponenten stammten grossteils von Zulieferern in der Region und teilweise aus Deutschland.

Dagegen erfolgten die Entwicklung – technisch wie designmässig –, die Montage, Kontrolle, Marketing und Verkauf in Zuchwil. Ebenso sei in Zuchwil das Schaerer-eigene Ausbildungszentrum «Coffee Competence Centre» angesiedelt. «Deshalb können wir den Grossteil unserer Kaffeevollautomaten auch unter den strengeren Swissness-Regeln weiterhin unter dem Label Swiss Made verkaufen.» Das wirke sich positiv auf den Markterfolg aus, meint Schwartze. «Das Label ist ein Ausweis für gute Qualität.»

100 neue Arbeitsplätze

Die gute Auftragslage wirkt sich auch auf die Beschäftigung positiv aus. «Allein seit 2015 haben wir 50 neue Mitarbeitende fest angestellt», so der Schaerer-Chef. Seit der Ansiedlung in Zuchwil vor acht Jahren sei der Personalbestand gar um rund 100 gewachsen. Aktuell beschäftigt Schaerer weltweit rund 450 Angestellte. Davon 331 in der Schweiz und wiederum 253 in Zuchwil. «Der Standort Zuchwil bietet uns ein optimales wirtschaftliches Umfeld mit gut ausgebildeten Fachkräften, um weiter expandieren zu können.»

Die Basis dazu ist gelegt. Schaerer habe sich in den wichtigsten Märkten eine starke Stellung im Bereich der Kaffeevollautomaten für den professionellen Einsatz erarbeitet. Gemeinsam mit den Marken Schaerer und WMF sei die WMF Group Weltmarktführerin in diesem Bereich. Die Automaten werden in über 70 Ländern verkauft. Den Exportanteil beziffert Schwartze auf rund 90 Prozent.

Die Aussichten für einen weiteren positiven Geschäftsverlauf seien gut. «Wir agieren weltweit in einem Wachstumsmarkt für Kaffeevollautomaten.» In den USA beispielsweise würden heute noch rund 70 Prozent des Kaffees in Restaurants in der klassischen «Filterversion» angeboten. Da bestehe noch ein grosser Nachholbedarf für die Automation in der Kaffeegetränkeherstellung. Der am schnellsten wachsende Markt sei aber Asien. «Der Kaffeekonsum ist dort signifikant am Steigen. Das Getränk ist trendy.»

Verlagerung ist kein Thema

Auch als Marke des süddeutschen WMF-Konzerns stehe das Unternehmen mit beiden Beinen fest in der Schweiz und ein Umzug nach Deutschland sei derzeit überhaupt kein Thema. «Mit unserer Kleinserienmontage in Zuchwil ist der Personaleinsatz überschaubar», sagt Schwartze. Man wolle an der besehenden Zweimarkenstrategie – Kaffeevollautomaten der Marke WMF und Schaerer – festhalten. Zudem gelinge es, «trotz den höheren Kosten am Standort Schweiz gutes Geld zu verdienen».

«Sehr beeindruckt» von der langen Firmentradition zeigte sich am gestrigen Festanlass Brigit Wyss. «In unserer eher kurzlebigen Zeit ist das Bestehen einer Unternehmung über 125 Jahre etwas Besonderes», sagte die neue Solothurner Volkswirtschaftsdirektorin. Die Firma habe in Zuchwil viele wichtige Arbeitsplätze geschaffen. Ebenso lobte sie die Schaerer AG als Ausbildungsbetrieb.

Noch 2009 zählte die Firma vier Lernende in zwei Berufen. Heute sind es 16 Lernende in 7 Berufen. Die Ansiedlung von attraktiven Arbeitsplätzen habe das Riverside-Areal belebt und aufgewertet, ergänzte Zuchwils Gemeindepräsident Stefan Hug. Er zeigte sich stolz, dass sich mit der Schaerer AG die Präsenz der global tätigen Unternehmen in Zuchwil verstärkt habe.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1