Stein-Serie
Seit 60 Jahren wird in Oensingen aus Kies «Kies» gemacht

Rundgang durch das Kieswerk Aebisholz in Oensingen. Seit 60 Jahren wird dort Kies produziert. In einem durch aufgepumptes Grundwasser entstandenen Weiher tummeln zudem sich seltene Insekten, Amphibien, Vögel und Pionierpflanzen. Der nächste Teil unserer Stein-Serie.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Das Kieswerk Aebisholz in Oensingen aus der Luft. Zu sehen ist hier das Werk, in dem der geförderte Kies zu unterschiedlichem Baumaterial verarbeitet wird.

Das Kieswerk Aebisholz in Oensingen aus der Luft. Zu sehen ist hier das Werk, in dem der geförderte Kies zu unterschiedlichem Baumaterial verarbeitet wird.

Thomas Ulrich

Das Kieswerk Aebisholz in Oensingen der Vigier Beton Nordwest zu finden, ist nicht so einfach. Man durchquert das Oensinger Industriequartier, fährt über eine kleine Autobahnbrücke, quert die weitläufige Landschaft und biegt am Waldrand in eine Senke ab. Geschäftsschilder und eine breite Strasse belegen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Mike Burkhalter aus Lommiswil, der Leiter der Betriebe Nord der Vigier Beton Nordwest, empfängt die Besucher und schon ist er in seinem Element: Erzählen von der Arbeit in der Kiesgrube.

Stein-Serie

Steinreich, über Stock und Stein, Edelstein, Zahnstein und steinige Lebenswege. In einer Serie widmen wir uns dem Thema Stein in den verschiedensten Variationen – heute ein Besuch in einem Kieswerk.

Bereits erschienen:
Besuch im Steinladen von Sonja Baumgartner in Oensingen
Interview mit dem Steinbildhauer Beat Meierhans aus Olten
Zu Besuch bei den Steiners in Selzach
Steinreiches Solothurn

Grundeigentümer des gesamten Geländes, auf dem das gut vier Hektaren grosse Betriebsareal liegt, ist die Bürgergemeinde Oensingen. Doch einfach dort anzufragen, ob der Abbau möglich ist – so einfach ist das Kiesabbaugeschäft nicht. «Der Kanton Solothurn regelt Abbau und Wiederaufforstung des Gebietes; ist aber auch zuständig für Versorgung und Entsorgung von Kies und Aushubmaterial. Ebenso regeln die kantonalen Stellen die Abbautiefe und Abbaumenge. Der Bund überwacht schliesslich alles», klärt Burkhalter auf.

Ein Geschäft also, bei dem viele Akteure mitreden. Ganz zu schweigen von den Behörden, die für die naturschützerischen Aspekte in der Kiesgrube zuständig sind. «Für jede Grube existiert eine besondere Grubenkommission», klärt Burkhalter auf. Pro Jahr werde ungefähr eine halbe Hektare temporär gerodet, weshalb auch die Zusammenarbeit mit dem Förster wichtig ist.

Woher der Kies stammt: Aare- und Rhonegletscher

Während der Eiszeiten bildete der Rhonegletscher zusammen mit seinen Seitengletschern die grösste Eismasse aller alpinen Gletscher. Er füllte das Rhonetal mit einer bis zu 2000 Meter hohen Eismasse aus und vereinigte sich mit Gletschern aus den Berner und Walliser Alpen. Ein Gletscherarm bedeckte das ganze westliche Mittelland mit Eis und vereinigte sich in der Region Bern mit dem Aaregletscher.

In der Würmeiszeit (vor etwa 115'000 bis 10'000 Jahren) stiess der Rhonegletscher vorübergehend durchs Mittelland bis in die Gegend von Seon AG vor. Diese maximale Ausdehnung soll vor rund 19'000 Jahren erreicht worden sein (Quelle: Hist. Lexikon der Schweiz.).

Vigier Beton ist Teil der schweizerischen Vigier Holding und des international operierenden französischen Vicat-Konzerns. Gleichzeitig auch ein selbstständiges Unternehmen mit einer lokalen Verankerung an über 20 Standorten.

Die Kiesgrube Aebisholz existiert seit 1958. So lange also besteht der Kreislauf zwischen Abbau, Umlagerung und Aufforstung in diesem Gebiet schon. Jedes Jahr werde ganz genau geplant, welche Arbeiten in welchem Abschnitt der Grube durchgeführt werden. Doch die Planung für die Anlage als Ganzes umfasse einen gut 30-jährigen Zeitraum, sagt Burkhalter.
Dann holt Burkhalter aus: «Der Kies, welchen wir hier abbauen, stammt vom Rhonegletscher. Dieser Gletscher war schwerer und stärker als der Aare- und Emmengletscher. Entsprechend ist auch der Kies robuster und schwerer.

Ein «Gspüri» für Kies

Man produziere und verkaufe hier verschiedene Grössen der Gesteinskörnungen, Gemische, Transportbeton, aber auch Recyclingkies und Recyclingbeton. «Wir sind auch Spezialisten für die Entsorgung und Verwertung von Aushub, Inertstoff- und Recycling-Materialien, so Burkhalter. Neun und in Spitzenzeiten bis zu 15 Personen arbeiten auf dem Gelände des Aebisholz. Die meisten arbeiten seit vielen Jahren hier. «Man muss ein ‹Gspüri› für den Kies, den Abbau haben», sagt der Lommiswiler. Und: «Auch trotz der grossen Maschinen und des maschinell unterstützten Abbaus – ohne Menschen geht unser Geschäft nicht.»

Abbauen und Umlagern

Im Abbaugebiet wird der Kies von grossen Radladern und Baggern aus der Erde geholt. «Zunächst müssen aber noch die Humus- oder Waldbodenschichten sowie der sogenannte Unterboden abgetragen werden», erklärt Burkhalter. Die Humus- oder Waldbodenschicht ist rund 20 Zentimeter tief, der Unterboden dann bis 150 Zentiemte. Erst dann erscheint die Kiesschicht. Diese wird per Förderband zum Werk transportiert und dort gewaschen, klassiert (gesiebt) und entsprechend der Grösse den unterschiedlichen Produktionszweigen und Komponenten zugeführt.

«Steine, die mehr als 45 Millimeter Durchmesser aufweisen, werden in der Regel gebrochen», ist noch zu erfahren. Dieses Material wird dann für verschiedene Zwecke verwendet: für die Herstellung von Beton, Betonwaren oder auch lose Kieskomponenten für Gärten, Strassen und den Bau. «Der Markt verlangt heute feineren Beton als noch vor Jahren. Deshalb ist die Aufbereitung auch aufwendiger als früher, da die Natur und der Gletscher nicht nur den feinen Kiessand hinterlassen haben», weiss der Leiter.

Der abgetragene Humus und Unterboden wird wenn möglich direkt umgelagert, ansonsten auf dem Gelände zwischengelagert oder für die Wiederauffüllung ehemaliger Abbaubereiche der Kiesgrube verwendet. Zuvor muss ein solcher Bereich mit sauberem Aushubmaterial aufgefüllt werden, welches von verschiedenen Baustellen bezogen wird, sodass wieder eine intakte ökologische Fläche entsteht, die wieder aufgeforstet werden kann.

Der naturnahe Weiher ist durch aufgepumptes Grundwasser entstanden.

Der naturnahe Weiher ist durch aufgepumptes Grundwasser entstanden.

Thomas Ulrich

Apropos Ökologie: Burkhalter ist neben seiner Funktion als Leiter Kiesgrube auch Spezialist für seltene Pflanzen und Tiere geworden. «In unserem Weiher, der durch aufgepumptes Grundwasser entstanden ist, sowie auf den wieder aufgefüllten Aushubflächen tummeln sich seltene Insekten, Amphibien, Vögel und Pionierpflanzen. Dazu bekämpfen wir hier auch Neophyten wie den japanischen Knöterich, drüsiges Springkraut, Ambrosia, Essigbaum, Riesenbärenklau, Sommerflieder.»

Und er verrät ein Geheimnis: «Die Tiere, die hier im nahen Wald leben, ob Rehe, Hirsche, aber auch Kreuzkröten, Haubentaucher und Enten haben sich an uns gewöhnt und leben mit uns. Erst wenn ein Jäger auftaucht, verschwinden sie kurze Zeit im Schutz des Betriebsareals. Besonders am frühen Morgen können wir alles in Ruhe beobachten, trotz des Lärms der Baumaschinen.» Seit 2001 arbeitet Burkhalter, gelernter Fahrzeugschlosser, in diesem Business und er sagt: «Die Tiere vermehren sich und fühlen sich wohl, weil die Grube in Bewegung ist. Bleibt sie still, verschwinden auch die Populationen. Das ist nachgewiesen.»

Zukunft Recycling

Derzeit werde etwas weniger Kies verkauft als noch vor Jahren, sagt der Leiter. «Es gibt momentan auch keine grösseren Bauvorhaben der öffentlichen Hand.» Das führe dazu, dass die Preise stark unter Druck seien. Jedoch: «Wegen der hohen Transportkosten betrifft uns beim Kies die ausländische Konkurrenz nicht stark; anders als in den Steinbrüchen.» Die Zukunft seines Geschäftes sieht er aber im Recycling. «Man kann heute vieles recyceln und als Baustoff wiederverwenden.»

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