100 Jahre amtliche Vermessung
Seit 100 Jahren muss in der Schweiz amtlich vermessen werden

An der Rötistrasse 4 in Solothurn arbeiten etwa ein Dutzend Personen an der Erarbeitung und Aktualisierung der kantonalen Geoinformationen. Sie verarbeiten die von verschiedenen Ämtern, Gemeinden und Fachstellen gelieferten, bodenbezogenen Daten.

Andreas Toggweiler
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Bautheodolith Jahrgang 1860-1870
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Repetitionstheodolith Jahrgang 1860-1870
Repetitionstheodolit Jahrgang 1868
Repetitionstheodolith Jahrgang 1850-1870
Amtliche Vermessung im Kanton Solothurn einst und jetzt

Bautheodolith Jahrgang 1860-1870

Hanspeter Bärtschi

Mit der Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches 1912 ist die amtliche Vermessung ein tragender Pfeiler des schweizerischen Rechtssystems geworden: Wo Boden mehrheitlich in Privatbesitz ist, muss man wissen, wo die Grundstücksgrenzen sind. Und dies möglichst genau.

Im Kanton Solothurn wurde zwar bereits 1865–1885 eine Katastervermessung durchgeführt, die als Grundlage für das Grundbuch diente. 1903 wurde das heute geläufige Koordinatensystem für die Schweiz eingeführt. Aber erst 1912 wurde die amtliche Vermessung landesweit Pflicht.

Sie definiert Grenzen, dokumentiert Gebäudestandorte, Strassen, Wege, Gewässerverläufe und Waldränder. «Wenn man bedenkt, dass in der Schweiz Liegenschaften im Wert von etwa 2000 Milliarden Franken existieren, mit Hypotheken von 750 Milliarden Franken, wird klar, dass die Vermessung einen wesentlichen Beitrag zur Rechtssicherheit und damit zum Wohlstand leistet», meint Bernardo Albisetti, Chef des Kantonalen Amtes für Geoinformation. Die amtliche Vermessung ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund (Landestopografie), Kantonen (z. B. Grundbuch) und Gemeinden (z. B. Bauzonen).

Karten für beinahe alles

An der Rötistrasse 4 in Solothurn arbeiten etwa ein Dutzend Personen an der Erarbeitung und Aktualisierung der kantonalen Geoinformationen. Sie verarbeiten die von verschiedenen Ämtern, Gemeinden und Fachstellen gelieferten, bodenbezogenen Daten.

So entstehen Dutzende von sachbezogenen Karten. Grundbuch, Bauzonenplanung, über öV, Verkehrs- und Wanderwege, Bodenbelastung, landwirtschaftliche Bodenqualität bis zur «Ökomorphologie der Fliessgewässer» usw. In der Schweiz existieren 180 verschiedene Geo-Basisdatenkarten. Die Datengrundlagen für die Karten müssen aber auch heute noch auf dem Feld erhoben werden. Im Falle der amtlichen Vermessung sind im Kanton Solothurn sechs Nachführgeometer in 11 Geometerkreisen tätig. Sie werden vom Regierungsrat gewählt und brauchen für die Ausübung ihrer Tätigkeit ein eidgenössisches Patent.

Rasanter technischer Wandel

Bei der Verarbeitung der Daten hat hingegen ein rasanter technischer Wandel stattgefunden. «Im 19. Jahrhundert wurden die Katasterpläne auf Karton gezeichnet, dann dienten viele Jahre Aluplatten als Datenträger», erklärt Stefan Ziegler, Leiter amtliche Vermessung.

Eine erste «ungeordnete» Digitalisierung habe in der Schweiz in den 1980er-Jahren eingesetzt. In den 90er-Jahren folgte eine Vereinheitlichung. 1994 wurde vom Kantonsrat für die umfassende Digitalisierung 60 Mio. Fr. gesprochen (Rasche Aufnahme der Daten der amtlichen Vermessung, Projekt Radav).

Kanton Solothurn als Vorreiterkanton

«Dank diesem Projekt sind wir heute up to date und können alle Daten, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind, gebührenfrei abgeben», betont Ziegler. Der Kanton Solothurn sei diesbezüglich ein «Vorreiterkanton.» Andernorts sei der Bezug von Geoinformationsdaten mit zum Teil happigen Gebühren verbunden.

Technisch sind die Möglichkeiten noch längst nicht ausgeschöpft. So soll es in absehbarer Zeit möglich sein, durch Anklicken der Grundbuchnummer auch gleich den Besitzer des Grundstücks anzuzeigen. Heute ist dazu noch ein zusätzliches Telefon aufs Grundbuchamt nötig.

Das Amt für Geoinformation arbeitet übrigens noch immer mit Public-Domain-Software (z. B. Linux), die sich laut Ziegler für die spezifischen Anwendungen bewährt hat. Weil die Geoinformationsdaten normiert sind ergäben sich auch keine Schnittstellenprobleme.

www.sogis.ch/karten