Kita-Serie
Seine Tochter Jana besucht die Kita, damit sie die Schweiz besser kennen lernt

Fünf Tage die Woche geht die Tochter der Bradfischs aus Lohn-Ammannsegg in eine Krippe. Momentan arbeitet aber nur er. Die deutschen Eltern geben in der Schweiz ihren Nachwuchs ganz bewusst ab: zur Integration.

Noëlle Karpf
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Lebt seit Januar in der Schweiz, die Familie kommt nach: Alexander Bradfisch. (Noëlle Karpf)

Lebt seit Januar in der Schweiz, die Familie kommt nach: Alexander Bradfisch. (Noëlle Karpf)

Noëlle Karpfq

Noch wohnt Alexander Bradfisch alleine in Lohn-Ammansegg. Die Wohnung ist neu, und nicht ganz fertig eingerichtet. Frau und Tochter sind noch in Deutschland. Im August sollen sie nachkommen. Hier in der Region arbeitet der 44-jährige Bradfisch als CEO einer Firma.

Seine Frau ist 38 und in Deutschland ebenfalls berufstätig. Deshalb geht die zweijährige Tochter Jana dort in die Kita. In der Schweiz wird ihre Mutter ein Fernstudium absolvieren. Damit wird sie nur noch rund zu 30 Prozent beschäftigt sein. Die Tochter soll aber auch in der Schweiz in die Krippe – fünf Tage die Woche.

Bereits jetzt besucht sie eine Kita in Lohn-Ammannsegg, wenn sie und ihre Mama jeweils für zehn Tage im Monat in die Schweiz kommen, um sich einzugewöhnen. «Wir geben sie ganz bewusst ab», sagt Alexander Bradfisch.

Alexander Bradfisch, warum geben Sie und Ihre Frau Ihre Tochter ab?

Alexander Bradfisch: Wir wollen, dass Jana so schnell wie möglich lernt, wie sie sich in der Gruppe verhalten soll. Bis jetzt haben wir ja kein zweites Kind – deshalb tut das der Kleinen ganz gut. Und deshalb ist Jana auch schon hier in Lohn-Ammannsegg in einer Kita. So kann sie erste Kontakte knüpfen.

Wie sehen Sie denn, dass das gut für das Kind ist?

Sie freut sich beispielsweise morgens immer auf die Kita. Das ist ja ein gutes Zeichen. Weil sie ja in der Krippe Spielgefährten hat. Sie lernt auch viel – ihre Koordination ist beispielsweise sehr gut, weil sie fast jeden Tag draussen sind.

Sie arbeiten als CEO in einem Vollzeitjob, wie oft sehen Sie Jana?

Ich versuche, sie immer morgens vor der Arbeit und abends zu sehen. Das sind rund eineinhalb Stunden am Tag. Vom Beruf her geht das gar nicht anders. Meine Frau versucht dafür, die Kleine jeweils schon so um 16 Uhr abzuholen. So hat Jana etwa viereinhalb Stunden mit Mama.

Denken Sie, die Erziehung ist trotzdem noch in Ihrer Hand?

Ja, auf jeden Fall. Wenn es wirklich darauf ankommt, hört Jana auf Mama und Papa. In der Kita gibt es einfach zusätzliche Bezugspersonen. Mit ihnen kann man sich ja austauschen. Es liegt ja auch in deren Interesse, dass das Kind nicht zwei verschiedene Botschaften bekommt.

Stört Sie etwas an Ihrem jetzigen Modell?

In Deutschland mussten wir Jana immer gegen halb fünf von der Kita holen. Und das «Znüni» – so heisst das doch hier in der Schweiz? – mussten wir selbst mitgeben. Hier in der Schweiz schauen sie ja für alles. In Deutschland konnte man das Kind bis fünf, allerspätestens halb sechs abholen. Das Angebot ist von daher hier viel besser. Klar muss man sich noch organisieren. Aber man braucht keine Kinder haben, wenn man das nicht will.

Was sagen Sie zum Vorurteil, wer Kinder habe, soll sie auch selber grossziehen?

Machen wir uns nichts vor – das klassische Erziehungsmodell funktioniert doch schon lange nicht mehr. Beide Elternteile haben heutzutage den Anspruch, nicht «nur» die Kindererziehung zu machen. Ein Vorteil der Kita ist auch: Das Kind lernt und entwickelt sich unserer Meinung nach besser und schneller. Wenn wir Zweifel daran hätten, würden wir das nicht so machen. Wir geben unsere Tochter ganz bewusst ab.

Für wie lange wollen Sie Jana noch in die Kita schicken?

Darüber machen wir uns dann Gedanken, wenn meine Frau und Jana hierhergezogen sind. Ich denke, sie wird hier dann ganz normal in den Kindergarten gehen. Ich weiss gar nicht, wo es in der Nähe einen gibt – meine Frau weiss das aber bestimmt!