Einbruch

Seilbahn Weissenstein setzt auf den «Ferien in der Schweiz»-Effekt

Dürfen derzeit nicht fahren: Die Gondeli der Seilbahn Weissenstein AG.

Dürfen derzeit nicht fahren: Die Gondeli der Seilbahn Weissenstein AG.

2019 lief für den Weissenstein sehr erfolgreich. Seit der Eröffnung 2014 ist der Betrieb auf Erfolgskurs. Doch der Coronakrise-Stillstand wird auch der Seilbahn dieses Jahr zusetzen. Es kommt wohl zu einem Einnahmeausfall von einer halben Million.

Von einem Einbruch ist im Geschäftsbericht 2019 der Seilbahn Weissenstein AG (SWAG) zu lesen. Glücklicherweise «nur» von einem Einbruch in die Talstation der Bahn – und nicht bei den Geschäftszahlen. Denn diese lassen den SWAG-Verwaltungsrat einmal mehr von einem «ausgezeichneten Ergebnis» sprechen. Seit der Eröffnung Ende 2014 sei der Betrieb «stabil auf Erfolgskurs», berichtet Verwaltungsratspräsident Urs Allemann den Aktionären.

Entsprechend sei die Unternehmung «finanziell solide aufgestellt», heisst es weiter. Doch das Coronavirus wird im laufenden Geschäftsjahr auch der Seilbahn wirtschaftlich zusetzen. Am 14. März musste die Personenbeförderung eingestellt werden; ab dem 16. März wurden dann die geplanten Revisionsarbeiten durchgeführt. So seien «die Auswirkungen bis Ostern relativ gering» gewesen. Doch je länger der Stillstand dauert, desto stärker wirkt er sich finanziell aus. Die Rede ist von einem Einnahmenausfall in Höhe von rund einer halben Million Franken «allein in den sonnigen Frühlingswochen 2020».

Seilbahn Weissenstein darf trotz Schutzkonzept noch nicht fahren

Seilbahn Weissenstein darf trotz Schutzkonzept noch nicht fahren

Die Betreiber der Seilbahn Weissenstein haben ein Corona-konformes Schutzkonzept entwickelt. Doch der Bund erlaubt nicht, dass die Gondeln wieder fahren dürfen. So gibt es für den Geschäftsführer der Bahn statt Hochbetrieb zu Auffahrt nur weitere Umsatzeinbussen.

Hoffen auf gutes Wetter und Heimatferien-Effekt

Auf Anfrage wird seitens der Seilbahnverantwortlichen betont, dass das Unternehmen nicht auf Unterstützungsprogramme der öffentlichen Hand habe zurückgreifen müssen: «Die SWAG bezieht keine staatliche Hilfe.» Während des verordneten Stillstandes habe man «einige Mitarbeiter für Kurzarbeit angemeldet», ihnen würden aber von der SWAG die angestammten Löhne ausbezahlt.

Geht es nach den Lockerungsplänen des Bundes, wird die Bahn erst am Montag, 8. Juni, wieder Personen transportieren dürfen – mit einem entsprechenden Schutzkonzept. Der Verwaltungsrat sei zuversichtlich, dass die Bahn 2020 «auch unter erschwerten (Sicherheits-)Bedingungen ein gutes Resultat erzielen könne», heisst es.

Dies umso mehr, als viele Schweizer ihre Ferien im eigenen Land verbringen würden: «Wir rechnen damit, dass das Ausflugsziel Weissenstein gerade in der aktuellen Situation beliebt und die Seilbahn deshalb sehr gefragt sein wird.»

Die Wiederöffnung des Hotel Weissenstein am 1. August letzten Jahres verhalf der Seilbahn zu einer Steigerung der Passagierzahlen. Die Frequenzen stiegen von 231570 (2018) auf 275245 Personen. Doch auf das Betriebsergebnis habe dies «keinen erkennbaren Einfluss» gehabt, heisst es im SWAG-Geschäftsbericht.

Abendfahrten: Erhoffte Frequenzen blieben aus

Negativ bilanziert wird der Testbetrieb mit Abendfahrten, die auf Wunsch des Hotels Weissenstein jeweils von Donnerstag bis Samstag angeboten worden sind: «Die bisher erhobenen Zahlen sind ernüchternd, sodass wir dieses Angebot einstellen mussten.» Abendfahrten seien bei Bedarf weiterhin auf Bestellung möglich; zusammen mit den Berg-Restaurationsbetrieben werde ein neues Konzept erarbeitet.

In der Bahn-Erfolgsrechnung steht einem Betriebsertrag von knapp 2,9 Mio. Franken ein Betriebsaufwand von 1,9 Mio. gegenüber, woraus ein Betriebsergebnis von 992'500 Franken (Vorjahr 1,3 Mio.) resultiert. Der Jahresgewinn beträgt 343'480 Franken (Vorjahr 337'685).

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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