Um den Weissensteintunnel zu retten, greifen dessen Anhänger bereits zu kreativen Methoden: Durch Werbeaktionen sollen nun mehr Passagiere auf die Bahnlinie zwischen Solothurn und Moutier gelockt werden. Wird nämlich der Tunnel geschlossen, ist auch der Bahnzubringer von Solothurn nach Oberdorf in Gefahr.

Die Seilbahn Weissenstein AG (SWAG) hat deshalb ein spezielles Tunnel-Ticket lanciert. Wer an der Seilbahnstation ein aktuelles öV-Billett oder ein Generalabonnement vorweist, darf bis Ende Juni 2016 für elf Franken auf den Berg und zurück – normal kosten die Fahrten 26 Franken.

Beworben wird die Aktion mit Plakaten und Flyern in den Regionen Moutier, Baselbiet, Schwarzbubenland und rund um Solothurn. Konrad Stuber, Geschäftsführer SWAG, sagt: «Es wäre eine Katastrophe, wenn der Tunnel zu geht. Wir sind auf die Züge angewiesen.»

Zwar gibt es bei der Seilbahn 400 Parkplätze, die meisten Besucher aber reisen mit dem öV an. An Wochenenden kämen bis zu 4000 Personen auf den Weissenstein, sagt Stuber. «Die Züge sind dann platschvoll.»

Getroffen hat die SWAG ihre Aktion in Absprache mit dem Thaler Komitee, das für den Erhalt des Tunnels kämpft. Stefan Müller-Altermatt, Präsident des Komitees, sagt: «Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Bahn bereits stärker frequentiert wird.» Und: Es gäbe noch mehr Potenzial.

Wichtige Linie für Touristen

Auch Region Solothurn Tourismus will helfen, auf der Bahnstrecke die Passagierzahl zu steigern. «Der Tunnel ist extrem wichtig für den Tourismus», sagt Jürgen Hofer, der Direktor.

Nächstes Jahr soll in Zusammenarbeit mit Tourismus Jura und Drei-Seen-Land eine Broschüre erscheinen, welche die Seilbahn Weissenstein und die Solothurn-Moutier-Bahn als wichtige Zubringer präsentiert.

Vorgestellt werden etwa touristische Attraktionen wie die Siky Ranch, der Naturpark-Thal und die Wolfsschlucht – Ausflüge und Wanderungen, die mit der Bahnlinie zusammenhängen. «Damit sollen die Frequenzen auch langfristig ansteigen», sagt Hofer und fügt an: «Wir wollen nicht vom Berner Jura abgeschnitten werden.»

Neben der Seilbahn und Region Solothurn Tourismus kämpft auch der Biberister Jürg Krämer mit Werbung für den Erhalt des Tunnels. Krämer betreibt unter anderem die Websites tourismus-jura.ch, wandern-jura.ch und tourismus-mittelland.ch.

Auf seinen Portalen will er nun Ausflüge bewerben, die in erster Linie nicht die Seilbahn, sondern die Bahnlinie in den Vordergrund stellen. «Das wurde bisher noch zu wenig gemacht», sagt er.

Dazu gehören verschiedene Wanderungen, aber auch Schneeschuhtouren. Im Frühling soll dann von Biberist aus eine E-Bike-Tour starten: Mit dem Zug geht es von Oberdorf nach Gänsbrunnen, von dort weiter zur Forellenzucht in Herbetswil, dann nach Balsthal und zurück ins Wasseramt.