Obergericht
Sechseinhalb Jahre für Schuss auf den Schwiegersohn

Es bleibt dabei: Der Schwiegervater, der im Januar 2012 in Egerkingen seinem damaligen Schwiegersohn ins Gesäss geschossen hat, bleibt verurteilt zu einer Gefängnisstrafe von 6 1/2 Jahren. Das Amtsgerichtsurteil wurde in zweiter Instanz bestätigt.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Auf diesem Parkplatz beim McDonald’s-Restaurant in Egerkingen kam es am 17. Januar 2012 zum verhängnisvollen Streit. (Archiv)

Auf diesem Parkplatz beim McDonald’s-Restaurant in Egerkingen kam es am 17. Januar 2012 zum verhängnisvollen Streit. (Archiv)

hr. Aeschbacher

Das Amtsgericht Thal-Gäu hatte den heute 50-jährigen Hilfsarbeiter Bojan K.* wegen versuchter vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen. Dieser hatte im Januar 2012 auf dem Parkplatz des Egerkinger McDonald’s seinem damaligen Schwiegersohn ins Gesäss geschossen.

Nun wurde der aus dem albanischen Kulturkreis stammende Schweizer auch vom Obergericht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung schuldig gesprochen. «Die Ausgangslage ist unbestritten», begann Oberrichter Daniel Kiefer die Begründung des Urteils. «Der Streit zwischen den Familien ist auf die Beziehungsprobleme des jungen Ehepaars zurückzuführen.» Dass die geplante, grosse Hochzeit im Kosovo gefährdet war, habe Bojan K. als Schmach empfunden, was ihn wütend machte.

Unglaubwürdige Notwehr-Situation

Das Gericht stützte sich bei seinem Urteil auf die Rekonstruktion des Tatverlaufs durch die Polizei. «Nach der Aussage, dass der Schwiegersohn seine Tochter nicht mehr wolle, ist er aufgestanden und hat mit der Pistole eine Ladebewegung gemacht. Er hat den ersten Schuss in den Boden abgefeuert. Das zeigt, dass es keine im Voraus geplante Tat war.»

Die Aussagen des Beschuldigten, er habe Angst vor der Blutrache der anderen Familie gehabt und sich schützen müssen, bezeichnete das Gericht als unglaubwürdig. Selbst die eigene Tochter habe nichts über einen Angriff oder eine Drohung ausgesagt. «Er hat sich ohne Grund bewaffnet und die Pistole geladen», sagte der Gerichtsreferent.

Nach dem ersten Schuss sei Bojan K. durch den Schwiegersohn und dessen Vater festgehalten worden. Da habe er versucht, gezielt zu schiessen. «Er hatte die Waffe in der rechten Hand und den Finger immer am Abzug», hielt das Gericht fest. «Obwohl er durch mehre Personen behindert wurde, konnte er sich in Richtung des Opfers drehen und noch zweimal schiessen.»
Eine Kugel führte zu einem Durchschuss im Gesäss des Schwiegersohnes, der ohne Spätfolgen blieb. Das Opfer hätte aber auch tödlich getroffen werden können.

Somit wurde Bojan K. der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen. Die Strafhöhe von 6 1/2 Jahren setzte das Obergericht gleich an wie die Vorinstanz. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Sicherheitshaft wurde vom Obergericht aber abgelehnt. «Der Beschuldigte lebt mit seiner Grossfamilie zusammen und er ist auf medizinische Hilfe angewiesen, die er hier in der Schweiz garantiert erhalten wird.» Deshalb bestehe keine Fluchtgefahr in Richtung Kosovo, fand das Obergericht.

Noch kein Tag im Gefängnis

Mehr als vier Jahre nach dem Tötungsversuch hat Bojan K. – ausser der kurzen Untersuchungshaft – noch keinen Tag im Gefängnis verbracht. Bereits vor dem Obergericht hatte die Verteidigung eine Reduktion der Strafe wegen der unzumutbar langen Prozessdauer und einer schweren Krankheit beantragt. Landet der Fall mit derselben Taktik auch noch vor dem Bundesgericht, bleibt Bojan K. bis auf Weiteres ein freier Mann.

*Name von der Redaktion geändert