«Es isch es ärdeschöns Fescht gsy! Urchig, gmüetlech und friedlech wie d’Jodler halt sy.» Freude pur spricht aus diesen Zeilen, nachzulesen auf der Website des Nordwestschweizer Jodlerfests vom 7. bis 9. Juni 2013 in Derendingen.

Die Erinnerung an die fröhlichen Jutzer von damals wird mittlerweile aber von tiefen Seufzern begleitet. Noch immer nämlich warten die sechs Trägervereine auf ihr Geld: Der Jodlerklub Waldröseli in Recherswil, der Jodlerklub Alpenglühn Etziken, die Alphorngruppe Laupersdorf, der Jodlerklub Bärgblueme in Luterbach, das Jodlerchörli Zuchwil sowie der Jodlerklub Zytröseli in Derendingen.

Diese sechs Vereine haben dem Organisationskomitee des Jodlerfests je ein zinsloses Darlehen von 5000 Franken gewährt mit der Auflage, dass dieses spätestens nach dem Fest wieder an die Vereine zurückbezahlt würde.

«Bis heute hat noch kein Verein einen Rappen des Geldes wieder gesehen», enerviert sich Paul Sollberger, Aktuar im Jodlerklub Luterbach, in einem Schreiben an diese Zeitung. «Und schlimmer noch, bis heute wurde kein Verein darüber informiert, warum noch kein Geld geflossen ist, oder wann eventuell doch noch mit dem Geld zu rechnen ist.»

Schulden von 40 000 Franken

Ins gleiche Horn stösst auch Kuno Heiniger, Präsident des Jodlerklubs Waldröseli in Recherswil. «Zu Beginn wurde uns vom OK sogar in Aussicht gestellt, dass wir unser Geld mit Zinsen zurückbekommen werden.»

Zudem sei den Vereinen versprochen worden, dass zehn Prozent aus dem Erlös der Inserate, die sie selbst beschafft haben, in die Vereinskasse fliessen werde. Jetzt aber kommt alles anders. Statt des höchst willkommenen Zustupfes für die Vereinskasse droht den Jodlern ein Loch in der Kasse. Kuno Heiniger: «Deswegen habe ich jetzt Zoff im Club.»

Ob die Vereine das Geld je wieder sehen werden, steht derzeit in den Sternen geschrieben, wie eine Nachfrage bei Ulrich Bucher, Präsident des Organisationskomitees zeigt. Nach dem Fest kam nämlich auch für ihn das böse Erwachen.

«Zwei Profi-Wirte blieben ihre Zahlung schuldig», hält er auf Anfrage dieser Zeitung fest. Ein Festwirt aus der Ostschweiz und einer aus der Region Solothurn, deren Namen Bucher aus Datenschutzgründen nicht nennen will.

Der Ostschweizer zahlte überhaupt nicht, der Wirt aus der Region nur einen Teil. Die Schulden der beiden belaufen sich auf insgesamt 40 000 Franken. Diese setzen sich zusammen aus der Festzeltmiete und den Getränken, welche die Festwirte über das OK bezogen haben.

«Ohne diese nicht beglichenen Rechnungen würde das Fest eine schwarze Null schreiben», meint Bucher und versichert: «Wir unternehmen alles, um doch noch an das Geld heranzukommen.» Beide Wirte würden derzeit betrieben, aber diese Verfahren dauern eben.

«Und wenn aus dem Verfahren Verlustscheine resultieren, dann müssen wir auf das Geld verzichten», blickt der OK-Präsident der möglichen Realität ins Auge. Wenn jemand zahlungsunfähig sei, lasse sich eben kein Geld eintreiben.

Dass der gesamte Betrag von 40 000 Franken über das laufende Betreibungsverfahren noch hereinkommt, wagt Bucher nicht zu hoffen. «Wir müssen wohl mit einem Teilabschreiber rechnen.» Ein Verlust, den Bucher nicht auf die leichte Schulter nimmt: «Das ist ein Drama so etwas», stellt er fest.

Wirte müssen im Voraus zahlen

Wenn das Jodlerfest aufgrund der säumigen Profi-Wirte ein Defizit einfahre, dann sei das auch auf Fehler des Organisationskomitees zurückzuführen, hält Kuno Heiniger mit Kritik nicht hinterm Berg.

«Das OK hat den Festwirten Zelt und Getränke zur Verfügung gestellt, ohne dass diese im Vorfeld auch nur einen Rappen zahlen mussten.» Zudem hätten die Festorganisatoren sehr grosszügig Getränke eingekauft und bleiben jetzt auf den angebrochenen Packungen sitzen.

«Wir haben Fehler gemacht und wir werden die Lehren daraus ziehen», gesteht OK-Präsident Ulrich Bucher. Künftig werde man darauf bestehen, dass die Festwirte vor allem die Platz- und Zeltmiete im Voraus bezahlen.

Das bedeute dann natürlich, dass diese relativ viel Geld in die Hand nehmen müssen, bevor sie etwas verdient haben. Zu wenig Sorgfalt, so Bucher weiter, habe man offenbar auch bei der Auswahl der Partner walten lassen.

Die zwei säumigen Festwirte dürften nämlich nicht zum ersten Mal ihre Rechnungen nicht beglichen haben. «Gerade in Bereichen, wo viel ehrenamtliche Arbeit geleistet wird, ist man aber auf eine gewisse Redlichkeit angewiesen», meint Ulrich Bucher. «Hier stossen wir jetzt an Grenzen.»

Nicht auf sich sitzen lassen will der OK-Präsident indes den Vorwurf der fehlenden Kommunikation. An der Delegiertenversammlung des Nordwestschweizer Jodlerverbands vom Februar habe er darüber informiert, dass gegen die beiden Profiwirte ein Betreibungsverfahren eingeleitet worden sei.

«Seither gibt es einfach nichts Neues zu berichten, die Verfahren laufen.» Und wenn das Geld zum grösseren Teil nicht mehr eingetrieben werden kann – schauen die sechs Trägervereine durch die Finger? Bucher: «Wir werden dann beim Nordwestschweizer Verband anfragen, ob er einen Teil übernimmt.» Und zudem werde man bei Sponsoren anklopfen, die Hoffnung, dass diese einspringen, sei allerdings klein.