«Am vergangenen 19. November wurde mir der Boden unter den Füssen weggezogen.» Beat Uhlmann, seit 31 Jahren bei der Scintilla in verschiedenen Funktionen tätig, blickt zurück auf jenen Schicksalstag, an welchem das Bosch-Management die Belegschaft der Tochterfirma Scintilla in Zuchwil über die Verlagerungspläne informierte.

Die Elektrowerkzeugproduktion und die Entwicklungsabteilung sollen demnach bis Mitte 2016 nach Ungarn und Deutschland verlagert werden. 330 der 625 Arbeitsplätze würden verschwinden. «Kalt und emotionslos» sei die Hiobsbotschaft aus Deutschland verkündet worden.

Zwar seien die Schwierigkeiten, in Zuchwil rentabel zu produzieren, nicht erst jetzt bekannt geworden. Und die produzierte Menge an Elektrowerkzeugen habe stetig abgenommen, dagegen die Umstrukturierungen im Fertigungsablauf und in der Produktepalette zugenommen.

«Aber mit einem solchen Kahlschlag haben ich und meine Arbeitskollegen und -kolleginnen nie und nimmer gerechnet.»

Mit viel Fachkompetenz

Der 51-jährige Beat Uhlmann ist aber nicht verbittert, sondern er ist kämpferisch und voller Tatendrang. Als Vizepräsident der Angestelltenkommission ist er an vorderster Front mit dabei, Lösungen zu erarbeiten, um die Produktion in Zuchwil zu retten.

Seine Ausführungen zeugen von viel Fachkompetenz und einem hohen Wissen über «seine» Fabrik. Bereits seine Berufslehre als Maschinenmechaniker absolvierte er in der Scintilla, bildete sich zum Betriebstechniker TS weiter und ist heute als Kadermitglied Senior-Planer für die Motorenfertigung.

Inzwischen habe die Angestellten- und Betriebskommission zusammen mit den Angestellten und der Gewerkschaft Unia ein über 20 Punkte umfassendes Massnahmenpaket erarbeitet.

Allein sieben davon würden es ermöglichen, Kosteneinsparungen oder Mehreinnahmen von über 6 Millionen Franken zu erzielen (siehe Kasten). «Ich bin felsenfest überzeugt, dass mit deren Umsetzung eine gewinnbringende Zukunft als Entwicklungs- und Produktionsstandort in Zuchwil realisiert werden kann.» Seine Ausführungen tönen glaubhaft.

Jobsuche ist kein Thema

Als «Scintilla-infiziert» bezeichnet sich Uhlmann. Zweimal hat er die Stelle gewechselt, und zweimal ist er zurückgekehrt. «Scintilla war und ist bis heute eigentlich ein guter Arbeitgeber. Nicht zuletzt deshalb setze ich mich für das Werk ein», sagt er.

Die Verunsicherung über die ungewisse Zukunft nage, aber «ich verdränge meine persönliche Situation». Er sehe sich zwar nicht als «schwer vermittelbar» an, aber, bald 52-jährig, wisse er auch um die Schwierigkeiten bei einer allfälligen Jobsuche.

«Das ist aber kein Thema. Deshalb schaue ich keine Stellenanzeigen an. Ich sehe meine berufliche Zukunft weiterhin bei der Scintilla.» Seit über 20 Jahren sei er Mitglied der Angestelltenkommission, und deshalb fühle er sich verpflichtet, seine volle Kraft zur Rettung der Scintilla einzusetzen. Das sind keine Worthülsen.

«Wir wollen eine faire Chance»

«Wir betteln bei unserer Bosch-Mutter nicht um Almosen, um von ihr über weitere viele Jahre von Verlusten durchgefüttert zu werden», fasst Uhlmann zusammen. «Wir wollen nur eine faire Chance und genügend Zeit, sämtliche mögliche Varianten und Szenarien für eine wirtschaftliche Fertigung in unserem Werk Zuchwil zu prüfen.»

Bosch gehe dabei kein Risiko ein. Falls sich die Bosch-Spitze dagegen wehre, zeige sich, dass es offensichtlich gar nicht um die Wirtschaftlichkeit des Werkes gehe, sondern darum, eine rein firmenstrategisch begründete Werksschliessung durchzusetzen.

Und das will Beat Uhlmann - «und die ganze Belegschaft» - nicht kampflos hinnehmen. «Wir Betroffene wollen ernst- und wahrgenommen werden.» Ein Streik sei zwar keinesfalls ein Ziel.

«Aber wenn uns das Unternehmen die nötige Zeit und das nötige Vertrauen nicht gewährt, sind wir bereit, zu streiken.» Die signalisierte Unterstützung im Betrieb sei gross.