Stellenabbau

Scintilla-Belegschaft denkt über einen Streik nach

Am Dienstag hat die zweite Betriebsversammlung der Scintilla stattgefunden. Der Kampf um den Erhalt der Produktion in Zuchwil wird mit zunehmend härteren Bandagen geführt. Für die Belegschaft wird Streik ein Thema.

Nach der Demonstration am Montag vor dem Hauptquartier von Bosch in Stuttgart ist die Stimmung in der Scintilla-Belegschaft noch kämpferischer geworden. Die Fronten verhärten sich. Das ist im Personalrestaurant spürbar. Draussen verweigert die Werksleitung den Medien den Zutritt zur gestrigen Betriebsversammlung.

Drinnen geisselt Corrado Pardini das Bosch-Management und die «untätige» Kantonsregierung. Der SP-Nationalrat und nationale Leiter des Sektors Industrie bei der Gewerkschaft Unia erntet mit seinen scharfen Worten viel Applaus von den rund 350 anwesenden Mitarbeitenden.

Bosch: «Ist ein interner Austausch»

Die Bosch-Medienstelle begründet auf Anfrage die Zutrittsverweigerung damit, dass Betriebsversammlungen grundsätzlich interne Veranstaltungen seien. «Medienvertreter laden wir bei solchen internen Veranstaltungen nicht hinzu, da wir diesen internen Austausch nicht nach aussen tragen möchten.» Pardini seinerseits rief die Belegschaft auf, die Schliessung der Produktion nicht kampflos hinzunehmen, sondern das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

«Eure schlaflosen Nächte müssen ab sofort die schlaflosen Nächte der Bosch-Chefs in der deutschen Konzernzentrale werden», dozierte er in bester Gewerkschaftsrhetorik. «Es geht hier um Menschen und nicht um Maschinen und Stückgut.» Der Entscheid aus Stuttgart sei politisch-strategisch motiviert und nicht ökonomisch belegt. Die Scintilla-Mitarbeitenden leisteten nämlich eine Top-Arbeit und eine rentable Produktion sei möglich

. Das hätten die im Rahmen des Konsultationsverfahrens von der Belegschaft in kürzester Zeit erarbeiteten Berechnungen zur Abwendung der Schliessung gezeigt. Allein durch Produktionsumstellungen könnten, so Pardini, 6 Millionen Franken eingespart werden, ohne die Löhne zu kürzen oder die Arbeitszeit zu verlängern. Bei einem Umsatz von 64 Millionen Franken und einem Betriebsverlust von 3,6 Millionen Franken des Bereiches Elektrowerkzeuge Zuchwil könne also die Verlagerung ökonomisch nicht begründet werden.

Streik als Option

Um mit Bosch auf gleicher Augenhöhe verhandeln zu können, müsse der Konzern spüren, dass «wir uns nicht auspressen lassen wie eine Zitrone». Erst wenn eine Schliessung zu teuer käme, dann werde im Management nachgedacht. Deshalb müssten auch Kampfmassnahmen wie Produktionsstilllegungen und Streik in Erwägung gezogen werden. «Ich kann kein Versprechen abgeben, dass mit einem allfälligen Streik Arbeitsplätze gerettet werden. Aber ohne Massnahmen werden die Jobs verloren gehen.» Er wolle auch keine falschen Hoffnungen wecken. «Scintilla ist ein Top-Industriebetrieb und überlebensfähig.» Deshalb lohne sich ein Kampf für das Werk.

Anschliessend präsentierte Pardini einen Katalog mit acht konkreten Forderungen. Bosch müsse etwa den angekündigten Schliessungsentscheid zurücknehmen oder dem Amt für Wirtschaft und Arbeit schriftlich bestätigen, die Konsultationsfrist auf unbestimmte Zeit, mindestens aber bis zum 30. September 2014, zu verlängern. Kernpunkt ist, dass die Belegschaft der Angestellten- und Betriebskommission und der Unia den Auftrag erteilt, bis zum 20. Januar 2014 die Ergreifung von Kampfmassnahmen vorzubereiten.

Ja zur Streikvorbereitung

Die Kritik eines Mitarbeitenden, er könne nicht in zwei Minuten über einen Streik entscheiden, entkräftete Alain Beer, Präsident der Personalkommission. «Es geht jetzt nicht um ein Ja zum Streik, sondern um ein Ja zur Vorbereitung von Kampfmassnahmen.» Vorerst gehen die Arbeiten an den Alternativvorschlägen unvermindert weiter. Schliesslich stimmte die Betriebsversammlung dem Forderungspaket fast einstimmig zu.

Bosch wollte sich zu den Streikandrohungen nicht äussern. «Wir führen zurzeit Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern und stehen im Austausch. Währenddessen möchten wir keine Stellung nehmen.»

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