Die SVP ist nicht mehr die Partei, die sie vor vier Jahren war. Und auch die CVP und die FDP haben seit den letzten Kantonsratswahlen Positionen verändert. Das zeigt der Blick auf die Onlinewahlplattform Smartvote. Diese hat analysiert, wie die Kandidierenden der einzelnen Parteien abstimmen und wie sich deren Haltungen innert vier Jahren geändert haben. Doch welche Parteien haben ihre Position geändert?

SVP: deutlich gesellschaftsliberaler, uneinig beim Rentenalter 67.
Noch immer ist eine Mehrheit der SVP gegen die Legalisierung des Cannabiskonsums. Aber: Immer mehr SVPler finden das Kiffen o.k. Vor vier Jahren waren nur 18 Prozent der SVP-Kandidaten für die Liberalisierung. Heute sind es bereits 42. Auch bei der Frage, ob Homosexuelle Kinder adoptieren dürfen, hat sich die Partei geöffnet: 2013 waren nur 18 Prozent dafür, inzwischen sind es 40 Prozent.

Beim Rentenalter sind die SVP-Kandidaten nicht so sehr auf Parteilinie, wie man dies von der Volkspartei sonst kennt: Vor vier Jahren waren 66 Prozent der SVP-Kandidaten für die Erhöhung des Rentenalters. Heuer steht es in dieser Frage genau 50:50. SVP-Kantonalpräsident Silvio Jeker war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

FDP: in einigen Fragen leicht nach rechts gerutscht
Eines fällt bei der Solothurner FDP gleich auf: Ihre Kandidaten sind heute klar für strengere Einbürgerungen: Vor vier Jahren befürworteten zwar bereits 56 Prozent der FDP-Kandidierenden eine härtere Gangart, doch jetzt sind es 74 Prozent. Dass die Partei in der Frage der Einbürgerung restriktiver wurde, erstaunt FDP-Präsident Christian Scheuermeyer nicht. «Mit der Flüchtlingswelle 2015 war die Ausländerthematik stärker im Fokus», sagt er. – Wobei auch neue Köpfe für eine Veränderung der Statistik gesorgt haben dürften.

Gesunken ist bei der FDP die Zustimmung zum Mindestlohn: Von bereits tiefen 20 Prozent im 2013 auf gerade noch 6 Prozent. Und während sich 2013 noch 61 Prozent der FDP-Kandidierenden eine finanzielle Unterstützung für familienexterne Betreuung wie Tagesstätten vorstellen konnten, sind nun 69 Prozent der FDPler nicht mehr bereit, dafür Geld auszugeben.
Auffallend ist auch: Die Zustimmung für die aktive Sterbehilfe durch Ärzte ging in der – traditionell eigentlich sehr gesellschaftsliberalen – Partei zurück. Die Mehrheit ist mit 51 Prozent nun sehr knapp; vor vier Jahren stimmten drei Viertel dafür.

Grüne: Schule statt Religion
Die Grünen fallen vor allem in einer Frage auf: Ihre Kandidaten zeigen etwas weniger Offenheit gegenüber der Religionsfreiheit: Vor vier Jahren war fast jeder dritte Grüne dafür, dass Schüler aus religiösen Gründen Dispense erhalten. Jetzt ist es nur noch einer von zehn. «Es besteht weitgehend der Konsens, dass das, was die Schule anbietet, für alle gelten soll», sagt Parteipräsident Felix Wettstein. Er betont, dass dies – aus seiner Sicht – nicht mit weniger Toleranz gegenüber anderen Religionen gleichgesetzt werden könne. Man wolle, dass alle Kinder, unabhängig vom Elternhaus, in der Schule die gleichen Möglichkeiten erhielten.

GLP: Widersprüche in Ausländerpolitik
Die Grünliberalen zeigen in Migrationsfragen eine ambivalente Haltung. Einerseits ist die Zustimmung für das Ausländerstimmrecht auf Gemeindeebene in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Von 50:50 im 2013 auf nun 69 Prozent Ja-Anteil. Im Widerspruch dazu spricht sich die Partei klar für strengere Einbürgerungen aus: 2013 waren 39 Prozent der Kandidierenden auf den GLP-Listen für strengere Einbürgerungsregeln. Heute sind es 63 Prozent.

CVP: Das C ist persönlich.
Homosexuelle sollen Kinder adoptieren dürfen: Eine kleine Mehrheit der CVP spricht sich heute dafür aus (54 Prozent). Vor vier Jahren war dies noch anders: Die Mehrheit war dagegen. CVP-Parteipräsidentin Sandra Kolly erklärt dies einerseits mit den Kandidierenden der Jungen CVP. «Sie sind in dieser Frage offener.» Andererseits sei dies eine Frage, die jeder für sich persönlich beantworten soll.

Auffallend ist: 2013 befürwortete noch eine Mehrheit der Familienpartei CVP den Ausbau von Unterstützungsleistungen für Familien. Heute nicht mehr. Für Parteipräsidentin Sandra Kolly hat dies einen einfachen Grund: Um die Vorlage mehrheitsfähig zu machen, habe man damals beschlossen, mit den Forderungen nicht zu weit zu gehen. Daran hält man sich auch heute noch. Dies sei allen Kandidierenden auch so dargelegt worden.
Zugenommen haben in der CVP die Befürworter der integrativen Schule: von 50 auf 79 Prozent.

SP: alles beim Alten
Keine grösseren Veränderungen gibt es bei der SP. Ihre Kandidierenden haben in keiner Frage ihre Meinung geändert. Beim Rentenalter allerdings ist heute jeder fünfte SP-Kandidat für eine Erhöhung auf 67. Vor vier Jahren waren es 11 Prozent.

Die EVP befürwortet heute eine Erhöhung des Rentenalters, vor vier Jahren stand es 50 zu 50. Die BDP sagt zu 66 Prozent Ja, vor vier Jahren war noch eine Mehrheit (57 Prozent) dagegen.

In einigen Fragen hat sich die Solothurner Parteienlandschaft nicht bewegt. So gibt es bei den Themen Personenfreizügigkeitsabkommen, Mindestlohn oder Liberalisierung der Geschäftsöffnungszeiten über alle Köpfe hin gesehen kaum Veränderungen.

Und noch eines zeigt sich: Die Euphorie bei Gemeindefusionen ist verflogen. Sowohl bei den FDPlern, als auch bei den Grünen, der BDP und der EVP sank die Zustimmung in diesen Fragen deutlich oder kippte gar.