Die Sonne brennt unbarmherzig auf den Asphalt des Vorplatzes bei der Betriebszentrale Mitte der SBB an der Gösgerstrasse in Olten. «Halt! Ausweiskontrolle!», heisst es dort seit Montagmittag für jeden, der das Gelände betreten will. Der Eingang wird kontrolliert von Wehrmännern des Infanteriebataillons 97 aus der Territorialdivision 2, die hier ihre dreitägige Übung «Villaggio» durchführen. Sie sind mit Gewehren, Funkgeräten und Listen ausgerüstet. Der Checkpoint ist mittels einem Tarnnetz auch etwas gegen die grösste Hitze geschützt.

Nach eingehender Kontrolle wird man vom Übungsleiter, Divisionär Hans-Peter Walser, in Empfang genommen. Er erklärt, was die Wehrmänner hier genau machen. «Wir üben die subsidiäre Unterstützung der zivilen Behörden. Das heisst, wir schützen in deren Auftrag zivile Infrastruktur im Rahmen unserer Übung «Villaggio». Dies könnte auch ein Element der grossen Sicherheitsverbundsübung 2019 sein, die im Herbst durchgeführt wird, die dann aber eine reine Planungsübung ist, erklärt Walser. «Ich finde es wichtig, dass an Objekten im zivilen Umfeld Schutzaufträge geübt werden können.»

Zivile Objekte schützen

Es gibt in der Schweiz und besonders auch im Grossraum Olten einige wichtige zivile Objekte, die bei entsprechender Bedrohung geschützt werden müssten. Ein solches Szenario soll nun geübt werden, vor allem in Absprache und in Zusammenarbeit mit dem Objektbetreiber. Das Gelände rund um die SBB-Betriebszentrale ist ganz abgesperrt, es wird patrouilliert und es stehen Radschützenpanzer einsatzbereit. Ein Kommandoposten mit Kommandopanzer steht ebenfalls ausgerüstet unter einem Tarnnetz bereit, in den Einsatz zu gelangen. Bei entsprechender Bedrohung könnten verschiedene zivile oder militärische Objekte im Fokus stehen. Daher dieser Schutz, erklärt der Divisionär. «Zudem ist im nahen Hardwald ein Beobachtungsposten eingerichtet, der das Objekt überwachen kann».

Auf die Frage, ob ein solches Bedrohungsszenario im Zeitalter von Cyberangriffen noch denkbar sei, antwortet er: «Natürlich. Man denke nur an die verschiedenen Terrorangriffe in den europäischen Städten. Trotz Cyber- und Internetangriffen sind solche Bedrohungsszenarien nicht auszuschliessen.» Das wichtigste Ziel dieser Übung ist es, die Abläufe der Schutzaufträge über längere Zeit, in diesem Fall über 48 Stunden, zu üben, sagt Walser. Die Männer seien jeweils zu einem Drittel im Einsatz, in der Ablösung und am Ruhen. Wie viele Männer insgesamt hier im Einsatz stehen, will der Übungsleiter nicht sagen.

Tenueerleichterung

In diesen heissen Tagen im Militärtenue unterwegs zu sein, ist für die Männer und Frauen eine zusätzliche Herausforderung. «Es gibt eine gewisse Tenueerleichterung bei diesen Temperaturen», sagt Walser. «Es ist den Militärangehörigen gestattet, unter der schweren Splitterschutzweste nur das T-Shirt zu tragen. Dazu sind sie angewiesen, viel Wasser zu trinken. Zudem haben wir den Ablöse-Rhythmus etwas verkürzt.» Walser betont aber: «Im Ernstfall müssen solche Einsätze bei jeder Witterung ausgeführt werden, ob es nun 40 Grad heiss oder minus 20 Grad kalt ist». Der Bürger erwarte dies von der Armee. «Dass die Leute während der gesamten Dauer eines Einsatzes unter allen Umständen leistungsfähig bleiben, das sei psychisch und physisch die grösste Herausforderung», sagt er.

Neben der SBB-Betriebszentrale in Olten werde auch noch in Hägendorf ein Objekt bewacht, so der Übungsleiter. «Und es ist so, dass mittels Rollenspieler die «Gegenseite» markiert werde, die unsere Männer und Frauen herausfordert. Es wird verlangt, die «Gegenseite» aufzuklären und ihr möglichst einen Schritt voraus zu sein.»

Für Passanten in diesen Tagen gut erkennbar, dass vermehrt Militärpersonen in der Region Olten unterwegs sind. Walser sagt: «Mit der Weiterentwicklung der Armee sollen vier wichtige Punkte umgesetzt werden: Die Bereitschaft erhöhen; die Ausbildung der Kader verbessern; die Vollausrüstung und die regionale Verankerung der Armee in der Bevölkerung wieder sicherzustellen.» Die Bürger sollen das Militär – unsere Milizarmee - vermehrt wahrnehmen.