Weissenstein-Schwinget
«Schwingen und Cüpli-Trinken vertragen sich nicht»

Zum 67. findet am Wochenende das Weissenstein-Schwinget statt. Organisationskomitee-Präsident Michael Guldimann erzählt.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Der OK-Präsident des Weissenstein Schwingets Michael Guldimann (51) ist (noch) die Ruhe selbst.

Der OK-Präsident des Weissenstein Schwingets Michael Guldimann (51) ist (noch) die Ruhe selbst.

Fränzi Zwahlen-Saner

Der OK-Präsident des Weissenstein-Schwingets Michael Guldimann aus Aeschi ist momentan überhaupt nicht gestresst. Man könnte es jedoch erwarten, schliesslich geht morgen Samstag der 67. Schwinget auf dem Solothurner Hausberg über die Bühne. Und dafür ist Guldimann der Hauptverantwortliche. «Das Einzige, was mich stresst, ist das Wetter», bekennt er, «und das können wir ja nicht beeinflussen.»

67 Jahre Weissenstein-Schwinget

Zum 67. Mal wird am Samstag auf dem Solothurner Hausberg der Weissenstein-Schwinget durchgeführt. Sämtliche Sitzplätze sind ausverkauft. Es empfiehlt sich, auch für Stehplätze à 18 Franken, von denen es noch an der Tageskasser genügend gibt, früh anzureisen. Reservierte Rasensitzplätze sind an der Tageskasse hinterlegt und müssen bis spätestens 8.30 Uhr abgeholt werden.

Um 6.30 Uhr öffnet die Festwirtschaft. Um 8.30 Uhr Anschwingen.
Zwischen 10.30 und 12.30 Uhr findet das Steinstossen statt.
Um 13.15 Uhr startet das Ausschwingen. Um 15 Uhr Final des Steinstossens.
Um 17 Uhr Schlussgang und ab 18 Uhr Rangverkündigung.

Es wird empfohlen, mit dem öV anzureisen. Die Seilbahn Weissenstein fährt von 6.30 bis 20 Uhr. Eine begrenzte Anzahl und gebührenpflichtige Parkplätze gibt es in Oberdorf. Die Passstrasse ist von der Nord- und Südseite her unbeschränkt befahrbar. Parkgebühr auf dem Weissenstein 10 Franken.

Seit elf Jahren – man beachte die heilige Solothurner Zahl – ist der 51-Jährige als OK-Präsident für den reibungslosen Ablauf des Weissenstein-Schwingets zuständig, und noch hat er nicht genug davon. «Als ich anfing, sagte ich, dass ich es zehn Jahre mache – doch es macht mir immer noch Spass.»

Ein eingespieltes Team

«Ich habe ein tolles Helferteam, welches einwandfrei eingespielt ist. Jeder weiss, was zu tun ist», sagt Guldimann mit Überzeugung. Deshalb dauern die OK-Sitzungen vor dem Fest immer nur kurz. «Ich habe zuverlässige Leute für den Bau, für die Medien, den Vorverkauf, den Verkehr, die Wirtschaft und alle andern Ressorts. Zudem sei in diesem Jahr zum ersten Mal auch jemand dabei, der das Personalwesen betreut.»

Dieses habe er bis anhin selbst geführt. «Das ist schon eine riesige Entlastung für mich», bekennt Guldimann, und er schildert, dass es vorgekommen sei, dass er am Abend vor dem Fest noch herumtelefoniert habe, um Freiwillige zu finden. «Doch meist standen dann mehr Helfer auf dem Platz, als wir wirklich benötigten. Denn man muss schon sehen: Viele unserer Helfer stammen aus dem bäuerlichen Umfeld. Und es ist halt sehr vom Wetter abhängig, ob sie einen Helfereinsatz dann auch leisten können oder nicht.»

Um die 200 Helferinnen und Helfer arbeiten jedes Mal auf dem Berg. «Von jung bis alt ist alles dabei», hebt Guldimann hervor. Doch – nach dem Schwinget ist vor dem Schwinget. «Schon kurz nach dem Fest treffen wir uns zur Manöverkritik und besprechen das Schwingfest vom nächsten Jahr.» Verständnis und Augenmass für alle Beteiligten ist wohl eines der Geheimrezepte dieses erfolgreichen Anlasses.

Sponsoren stehen Schlange

Augenmass herrscht tatsächlich auch im Bereich Sponsoring. «Wer unsere Sponsorenliste durchliest, bemerkt, dass sehr viele einheimische Firmen und Unternehmen darunter zu finden sind. Das sind alles treue Unterstützer, auf die wir seit Jahren zählen können», sagt Guldimann. Tatsächlich sei es so, dass jedes Mal genügend Sponsoren für den Weissenstein-Schwinget vorhanden seien. In Tat und Wahrheit stehen sie sogar Schlange, verrät der OK-Chef.

Welcher Veranstalter kann schon so etwas vermelden? Ist das dem Zeitgeist geschuldet, dass Schwingfeste momentan beim Publikum sehr beliebt sind? Und warum ist das so? Guldimann kann auch keine einfache Erklärung bieten. «Ich denke, es ist nicht nur einfach eine Mode.» Er holt aus: «Es ist eine Tatsache, dass die Schwingfeste überall auf immer grössere Resonanz stossen. Die Zuschauerzahlen steigen überall. Das Medieninteresse wird von Jahr zu Jahr grösser. Der Schwingsport fasziniert; es gibt eine sportlich einmalige Leistung zu sehen.» Zudem seien die Abläufe klar geregelt, die Stimmung auf den Plätzen immer friedlich.

Bergfest mitten in der Stadt

Der besondere Erfolg des Weissenstein-Schwingets habe sicher auch mit dem Platz auf dem Juraberg oberhalb der Stadt Solothurn zu tun. «Wir sind eines der sechs Bergfeste und von überallher sehr gut zu erreichen.»

Und wie bewältigt man den Ansturm? Klar könnte man noch grösser werden, mehr Zuschauerplätze einrichten, meint Guldimann. Doch das würde auch mehr Verkehr, mehr Infrastrukturmassnahmen bedeuten. «Der finanzielle Gewinn wäre nicht unbedingt grösser», sagt er weiter und hält fest, dass mit 38 Franken für einen Sitzplatz und 18 Franken für einen Stehplatz moderate Publikumspreise ihm besonders wichtig seien.

«Das Gleiche gilt auch für unsere Sponsoren. Wir könnten mehr und grössere Sponsoren an Land ziehen. Doch das ist es gar nicht, was wir wollen. Wichtig ist, dass unsere Sponsoren sich mit dem Schwingsport identifizieren können. Die heute so modern gewordenen sogenannten VIP-Packages mit rotem Teppich und Cüpli – das passt nicht zum Schwingen, obwohl wir immer mal wieder solche Anfragen erhalten», sagt Guldimann ehrlich.

Apropos Zukunft: Wie wird sich der moderne An- und Ausbau des Kurhauses Weissenstein auf den Schwinget auswirken? Man müsse sich gut überlegen, wie man dieses neue gastronomische Konzept in den Weissenstein-Schwinget integrieren wolle, sinniert Guldimann. «Es haben schon Gespräche stattgefunden und wir werden uns weiter unterhalten müssen und sicher interessante Konzepte finden», ist er überzeugt.

Im vergangenen Jahr hätten sich 4600 Besucher das Schwingen auf dem Weissenstein angesehen. «Das war Rekord. Mehr ist ohne Mehraufwand nicht möglich», so der OK-Präsident, der diesmal wieder mit einem ähnlichen Aufmarsch rechnet. Denn: «Am 1. April starteten wir den Vorverkauf; am 2. April schlossen wir ihn gleich wieder, da alle Tickets für Sitzplätze weg waren.»

Medien vor Ort

Wie erwähnt, ist das Medieninteresse am Schwingen in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Bestes Indiz dafür ist das Schweizer Fernsehen, welches dieses Jahr zum ersten Mal via SRF-Sport-App rund um die Uhr vom Weissenstein berichtet. «Wir sind natürlich von der Technik her dafür sehr gut eingerichtet», erklärt Guldimann.

Das sei sicher einer der Gründe, warum ihr Bergkranzfest vom Schweizer Fernsehen für diese Premiere ausgewählt worden sei. Er erklärt: «Vertragspartner mit dem SRF ist aber der Schweizer Schwingerverband.» Im Leutschenbach sei man halt auch auf die guten Einschaltquoten bei Schwingfesten aufmerksam geworden, bemerkt Guldimann. Er weiss, dass insbesondere das junge Zuschauersegment der 15- bis 29-Jährigen das Schwingen via Sport-App verfolgt. Und wer über keine App verfügt, kann den Schlussgang auf dem Weissenstein live auf SRF2 mitverfolgen.

Seit Freitag seien zehn Leute des SRF vor Ort, und am Austragungstag selbst kämen dann 18 SRF-Mitarbeiter auf den Berg. Drei Kameras sind nach einem festgelegten Drehbuch im Einsatz. «Da war natürlich besonders unser Bauchef gefragt. Ab April fanden diesbezüglich Besprechungen statt.» Man sei dem Fernsehen auf Augenhöhe begegnet, ist Guldimann noch wichtig zu betonen.

Familiär vorbelastet

Wie er den selbst zum Schwingsport gekommen ist? «Ich bin halt familiär vorbelastet. Mein Vater, meine Onkel – alle haben Zwilchhosen getragen.» Als Zehnjähriger habe er mit regelmässigem Training begonnen. «Höchste Auszeichnung war ein Kranz am Solothurner Kantonalschwingfest 1992. Ich bin also Kranzschwinger», lacht er.