«Ich hatte Glück», sagt Zimmermann über seinen Einstieg in die Forschung. Die meisten seiner Kommilitonen seien nach dem Biologiestudium in die Praxis gegangen. «Ich hatte Freude an der Forschung und wollte einen anderen Weg gehen.» Dass dieser Plan scheitern könnte, darüber sei sich Zimmermann stets bewusst gewesen. Es sei aufwendig, sich in der Wissenschaft zu behaupten, so der 51-Jährige. «Nach der Dissertation hat man ein paar Jahre Zeit, Fuss zu fassen. Wer dann nicht drin ist, hat den Zugang meist verpasst.»

Ein Flug ins Ungewisse

Nach dem Studium arbeitete Zimmermann an einer durch den Nationalfonds finanzierten Doktorarbeit in Bern und Zürich. «Nach deren Abschluss reiste ich mit einem Forschungs-Stipendium in die USA.» Dort lebten Zimmermann und seine Frau drei Jahre lang. «In dieser Zeit habe ich mich überhaupt erst wissenschaftlich entwickelt.»

Zimmermann hätte es gefallen, länger im Ausland zu bleiben. «Da ich in meiner Jugend im Schweizer Nationalkader gesegelt bin, war ich zuvor kaum privat auf Reisen.» Dennoch entschieden sich die beiden, in die Schweiz zurückzukehren. «Wir haben die Tickets gekauft, ohne zu wissen, ob ich eine Stelle finden würde.» Das tat Zimmermann. Er erhielt eine Projektanstellung an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

Es folgte die Festanstellung, später übernahm Zimmermann die Leitung der Forschungseinheit Landschaftsdynamik und schliesslich wurde er in die Direktion der WSL aufgenommen. Auch hier beruft sich Zimmermann auf ein Quäntchen Glück, dass er gehabt habe. «Wer sich heute bei der WSL mit einem so geringen Leistungsausweis bewirbt, wie ich damals, würde wohl keine Festanstellung erhalten.»

Zimmermanns Qualifikationen folgten aber. Er verfasste mit einem Kollegen eine Review-Publikation über die Modellierung der Verbreitung von Arten und Biodiversität. «Diese Arbeit hat sich für uns als Karriere-Katalysator erwiesen.» Heute ist sie eine der meist zitierten Publikationen im Bereich der Umweltwissenschaft und Ökologie. «Dank dieser und über 120 weiteren Publikationen bin ich heute weltweit einer der meist zitierten Forscher in meinem Metier.»

Forschung und Publikationen

Dank dieser Vielzahl an Publikationen, die von einer ausgeprägten internationalen Forschungszusammenarbeit zeugen, sei die ETH Zürich auf ihn aufmerksam geworden, so Zimmermann. Aufgrund seiner Ernennung zum Titualprofessor hat er die Leitungsposition an der WSL letztes Jahr niedergelegt. Ein weiterer Grund sei seine Leidenschaft für die Forschung. «Die Führungsaufgabe wurde immer aufwendiger, es blieb kaum Zeit für die Forschung.» Heute arbeitet Zimmermann in Projekten mit Kollegen weltweit. Zudem widmet er sich der Ausbildung und Karriereförderung von Master-, Doktorats- und Postdoktorats-Studierenden.

«Es ist eine enorme Herausforderung, in der Wissenschaft dran zu bleiben und privat ein Leben zu führen.» Es sei immer zu viel zu tun, so Zimmermann. «Ohne den Rückhalt meiner Familie wäre es nicht möglich, den Bogen zu schlagen zwischen Privat- und Berufsleben.» Wie belastend dieser Spagat sein kann, weiss Zimmermann. Vor seiner Festanstellung an der WSL habe er ein Burnout erlitten. «Ich wusste, was die Anforderungen an die Wissenschaft sind, und dass ich diese nicht erfülle.»

Zimmermann wurde vier Monate krankgeschrieben. «Das war eine heilsame Erfahrung. Ich merkte, dass die Welt ohne mich funktioniert und dass ich Aufgaben abgeben kann.» Als Konsequenz achte er heute bewusster auf den Ausgleich. «Einmal im Jahr gehe ich mit Freunden eine Woche segeln.» Zudem versuche Zimmermann alle zwei Jahre drei Wochen am Stück Urlaub zu machen und achtet auf sportliche Betätigung. «Ein bis zwei Mal im Jahr laufe ich einen Marathon.» Die Vorbereitungsphase sei die schönste Zeit überhaupt. «Beim Laufen fallen alle aufgestauten und ungelösten Probleme nach und nach von mir ab.»