Gempen
Schwerer Velounfall: Vertuschungsvorwurf an die Behörden

Der Fall des Velofahrers, der drei Wochen auf der Gempenstrasse schwer verunglückte, wirft weiterhin Fragen auf. Es geht nicht nur um die Frage, ob Warnschilder zum Zeitpunkt des Unfalls aufgestellt waren.

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Hier verunfallte der Velofahrer auf der Gempenstrasse.

Hier verunfallte der Velofahrer auf der Gempenstrasse.

Kapo SO

Standen da nun Warnschilder oder nicht? Die Behörden sagen Ja, eine Zeugin Nein – und derjenige, der es wissen müsste, liegt auf der Intensivstation und kann nicht einvernommen werden. Es ist der Velofahrer, der am 9. August auf der Gempenstrasse schwer verunglückt ist (wir berichteten). Der 59-Jährige war nachmittags von Gempen her in Richtung Dornach unterwegs. In einer Kurve stürzte er. Die Strasse wurde zum Zeitpunkt saniert, an diversen Stellen wurde Rollsplitt aufgetragen.

Wegen der erhöhten Rutschgefahr habe man Warnschilder angebracht, sagt Niggi Stoll, Leiter des Kreisamts 3, das für den Streckenabschnitt verantwortlich ist. 25 Signale seien aufgestellt worden – auch im Abschnitt der Unfallstelle. Der Velofahrer habe bis zum Sturz mindestens vier davon sehen müssen, sagt Stoll.

Zeugin widerspricht Behörden

Das stimme nicht, entgegnet eine Gempnerin. Sie sei als Erste am Unfallort gewesen. Die Schilder seien erst nach dem Ereignis aufgestellt worden, sagt Valentina Dänzer. «Ich habe an jenem Tag die ganze Strecke abgefahren. Unmittelbar vor der Gefahrenzone waren keine Schilder aufgestellt, oder sie waren zumindest nicht zu sehen, was am Ende dasselbe bedeutet.» Gleichentags fuhr sie ein paar Tage in die Ferien. Bei der Heimkehr nach einer Woche habe sie grosse Augen gemacht: «Es hatte – oh Wunder! – alle paar hundert Meter ein Warnschild am Strassenrand.»

Genau das Gegenteil sei der Fall, entgegnet Niggi Stoll: Der grösste Teil der Schilder habe in Wirklichkeit bereits nach dem Unfallwochenende wieder abgeräumt werden können. An den meisten Stellen seien die Arbeiten bereits abgeschlossen gewesen. Dass im betroffenen Abschnitt Schilder gestanden hätten, habe auch die Kantonspolizei Solothurn in der Unfallaufnahme so fest gehalten. Die Polizei wiederum gibt auf Anfrage keine Auskunft, mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen.

Die Schilder sind aber nicht der einzige umstrittene Punkt. Laut Stoll habe an der Unfallstelle gar kein Rollsplitt auf der Strasse gelegen. Der Velofahrer sei also wohl nicht deswegen zu Fall gekommen. Valentina Dänzer widerspricht abermals: «Bei der Unfallstelle lag der Splitt zentimeterhoch. Es gab gar richtige Spurbahnen.» Ein Motorradfahrer, der fast gleichzeitig wie sie an der Unfallstelle eingetroffen sei, habe jedenfalls einen Sturz nur mit Mühe verhindern können. (bwi)