Amtsgericht
Schweizweit tätig: 40-Jähriger wegen Gehilfenschaft bei Verbrechen gegen das Spielbankengesetz verurteilt

Der Gehilfe einer weitverzweigten Spielcasino-Bande musste sich vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verantworten.

Hans Peter Schläfli
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Von Neuenburg bis in den Kanton Schwyz reichte das Imperium der aufgeflogenen Spielcasino-Bande. (Symbolbild)

Von Neuenburg bis in den Kanton Schwyz reichte das Imperium der aufgeflogenen Spielcasino-Bande. (Symbolbild)

zVg

Meldungen darüber, dass die Solothurner Kantonspolizei bei Razzien illegale Spielautomaten in den verschiedenartigsten Lokalen gefunden hat, konnte man in dieser Zeitung schon oft lesen. Gestern wurde nun ein heute 40-jähriger Schweizer mit türkischen Wurzeln vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt im verkürzten Verfahren wegen Gehilfenschaft bei Verbrechen gegen das Spielbankengesetz und der Geldwäscherei schuldig gesprochen und zu einer auf Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von 10 Monaten verurteilt.

Über 60 Lokale in der halben Schweiz

Die Grösse der kriminellen Organisation, wie sie auf den 14 Seiten der Anklageschrift beschrieben wird, überrascht. Während rund fünf Jahren und in über 60 Lokalen, von Neuenburg, Bern, Basel bis Schwyz, also über die halbe Schweiz verteilt, betrieb eine kriminelle Vereinigung ihr Business mit illegalen Spielautomaten. Auf mindestens 20 Millionen Franken setzte die Staatsanwaltschaft in der Anklage den Gewinn fest – es dürfte noch viel mehr gewesen sein, was aber nicht zu beweisen war.

An verschiedenen Orten im Niederamt und im Aargau wurden professionell elektronische Spielautomaten zusammengebaut und auf die Lokale verteilt. Auffallend oft waren die Abnehmer anatolische, kurdische, türkische oder mesopotamische Kulturvereine sowie Shisha Lounges. Die Nettogewinne teilten die Betreiber im Regelfall 50:50 mit der Spielautomatenbande. In der Anklageschrift waren auch spannende Details über die Wege bei der Geldwäscherei nachzulesen. Einer der Empfänger des Schwarzgeldes war zum Beispiel ein in Norwegen beheimatetes Kurdisches Fernsehen, das auf seiner Internetseite ausführlich über den Krieg in Syrien berichtet.

Der angeklagte Schweizer, der eine türkische Übersetzerin brauchte, weil seine Deutschkenntnisse nicht genügten um der Verhandlung folgen zu können, war ein relativ kleines Rädchen in einer riesigen, kriminellen Maschine. Er holte jeweils zu Wochenbeginn in verschiedenen Lokalen die Gewinne ab und brachte das Bargeld zu den Bossen. Dabei wurde er in einem einschlägigen Lokal im Wasseramt verhaftet, was den Verhandlungsort erklärt. Er machte auch Einzahlungen, teilweise ins Ausland, um das Geld zu waschen. Zudem führte er kleinere Servicearbeiten an den Spielautomaten durch. Sein Monatslohn waren 6500 Franken, bar auf die Hand und steuerfrei.

Da der Angeklagte schon kurz nach seiner Verhaftung kooperativ war und alles gestand, kam ihm die Staatsanwaltschaft mit einem verkürzten Verfahren entgegen. Sie klagte ihn nur wegen Gehilfenschaft an, wodurch die relativ milde, bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 10 Monaten möglich wurde.
Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt hatte die Aufgabe, den zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung ausgehandelten Deal zu prüfen. «Gestützt auf die Akten kann man zur Ergebnis kommen, dass der Sachverhalt als Gehilfenschaft qualifiziert werden kann», meinte der Richter in der Urteilsverkündung. Rund 12000 Franken, die bei Hausdurchsuchung des nun rechtskräftig verurteilten Mannes gefunden wurden, gehen in die Staatskasse über.

Aufgeflogener Bandenchef bereits verurteilt

Es handelt sich bereits um den vierten rechtskräftigen Schuldspruch gegen Mitglieder derselben Spielcasino-Bande. Staatsanwältin Regula Echle bestätigte auf Nachfrage, dass unter den Verurteilten auch der Chef des kriminellen Unternehmens ist. Welche Strafe dieser erhalten hat, dürfe sie aber nicht sagen. Ebenso wurde schon eine ganze Reihe Strafbefehle gegen «kleine Fische» ausgesprochen und dieses Jahr stehen weitere Gerichtsverhandlungen gegen wichtige Bandenmitglieder auf dem Programm.