Luterbach
Schweizweit einzigartige Photovoltaik-Anlage sorgt für Strom in Luterbach

Luterbach beteiligt sich als erste Gemeinde an der Genossenschaft der OptimaSolar. Nun konnte auf dem Dach der Turnhalle und dem Annexbau eine Photovoltaik-Anlage eingeweiht werden.

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Die neue Solarnanlage auf dem Dach der Turnhalle in Luterbach

Die neue Solarnanlage auf dem Dach der Turnhalle in Luterbach

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Der Hochnebel der letzten Tage liess es kaum vermuten, doch das Sonnenfieber hat die Region erreicht. Zahlreiche Gemeinden investieren in die Nutzung der Sonnenenergie und verfolgen dabei unterschiedliche Modelle. Als erste Gemeinde mischt Luterbach als Genossenschafterin der OptimaSolar mit, die nun eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Turnhalle und dem Annexbau einweihen konnte. «Eine Gemeinde beteiligt sich aktiv an der Energiewende», frohlockt die Genossenschaft mit Sitz in Solothurn. Sie betreibt derzeit neun Solaranlagen, drei weitere sind in Planung - darunter ist als Patronatspartnerin einer weiteren Gemeinde (siehe Kasten).

Zertifizierter Ökostrom

Die Anlage auf der Luterbacher Tunrhalle, die am Donnerstag eingeweiht wurde, ging bereits am 21. Dezember ans Netz. «Das war wichtig, weil per Anfang 2013 die kostendeckende Einspeisevergütung KEV um 15 Prozent gesenkt wurde», sagt Max Bobst, Präsident von OptimaSolar. Wegen des starken Schneefalls brauchte es für die Fertigstellung einen Effort. Pro Jahr produzieren die Panels 90 000 Kilowattstunden (kWh) Strom - ein Durchschnittshaushalt verbraucht rund 3500 kWh. Die Gemeinde kauft sämtlichen durch Swissgrid zertifizierten Ökostrom mit einem Aufpreis von 19,5 Rappen zurück und speist damit die Schulanlage. Damit können zwei Drittel des Verbrauchs der Schule abgedeckt werden.

Mehrwert für Luterbach

Für Luterbachs Gemeindepräsident Michael Ochsenbein ist es eine Möglichkeit, den ökologischen Mehrwert im Dorf behalten zu können. Durch die Beteiligung der Gemeinde an der Anlage sei es für Luterbach indirekt möglich, die jährlichen Stromkosten zu senken, weil das gezeichnete Genossenschaftskapital verzinst wird. «Der Zins der Investition in die Stromproduktion darf durchaus als Reduktion der Stromkosten betrachtet werden.» Der Vorteil im Genossenschaftsmodell liege darin, dass die Gemeinde die Anlage nicht selber bauen, betreiben und unterhalten muss. Weil das Geld via Finanzrechnung verbucht wird, kann das Investitionsbudget entlastet werden. So benötigte das Projekt keinen Beschluss durch die Gemeindeversammlung, sondern konnte vom Gemeinderat schnell umgesetzt werden. «Das Geld ist nach wie vor vorhanden, es ist einfach in der Genossenschaft gebunden», sagt Ochsenbein.

Anlage sogar überzeichnet

Um das Sonnenkraftwerk mitzufinanzieren, hat die Einwohnergemeinde Anteilsscheine für 60 000 Franken gezeichnet. Für die Vermietung des Daches erhielt sie zusätzliche Anteilsscheine für 14 000 Franken. Weitere 29 Genossenschafter haben sich im Schnitt mit rund 10 000 Franken beteiligt. So wurde die Anlage, die 265 000 Franken kostete, sogar leicht überzeichnet.

Max Bobst spricht von einem sehr grossen Erfolg. Das erste Gespräch mit der Gemeinde fand vor einem Jahr statt, im Mai wurde das Projekt der Bevölkerung vorgestellt, im September war das Kapital beisammen. «Ich glaube, dass eine solche Anlage für die Dorfgemeinschaft förderlich ist», sagt Bobst. Die Gemeinde als Dachbesitzerin habe weitere Patronatspartner rekrutiert und für eine Beteiligung motiviert.
Mit dem Geld (jeder Genossenschafter kann Anteile zu 1000 Franken zeichnen), finanziert OptimaSolar weitere Kraftwerke. «Noch in diesem Jahr wollen wir mindestens fünf bis sechs neue Anlagen in Betrieb nehmen», sagt Max Bobst.

Mehr Ertrag dank neuem System

Als Neuheit bezeichnet Genossenschaftspräsident Bobst das Luterbacher System mit einer klassischen, nach Süden ausgerichteten Photovoltaikanlage auf dem Pultdach der Turnhalle sowie den aufgeständerten Ost/West-Modulen auf dem Flachdach des Nebengebäudes. Dank den 74 Modulen, die das Sonnenlicht auf dem Annexbau einfangen, kann die Spitzenleistung (Peak) um die Mittagszeit gesenkt werden zugunsten von mehr Energieertrag am Morgen und am Abend. So wird der Strom gleichmässig über den Tag verteilt eingespeist. Durch die Reduzierung der Maximalleistung am Mittag kann das Netz entlastet werden. Max Bobst: «Ich kenne keine andere Anlage in der Schweiz, die mit diesem System arbeitet.» (crs)

Neue Anlage in Gerlafingen

Die Genossenschaft OptimaSolar wurde im Mai 2011 gegründet und verfügt heute über ein Kapital von 2,4 Millionen Franken. Derzeit betreibt sie neun Solaranlagen in der Region Solothurn. Bereits per 1. Mai soll im Bolacker in Gerlafingen ein zehntes Sonnenkraftwerk ans Netz gehen. Auf dem Dach des Firmengebäudes der Roth Malerei AG wird eine Anlage mit einer Jahresproduktion von 100 000 Kilowattstunden Strom erstellt. Die Investitionskosten belaufen sich auf 280 000 Franken. Von diesem Wert ist die OptimaSolar mit gezeichneten 22 000 Franken noch weit entfernt, doch Genossenschaftspräsident Max Bobst ist zuversichtlich, dass das Geld zusammenkommt. Fünf weitere Anlagen sollen dieses Jahr in Betrieb gehen. Auch mit einer Gemeinde ist man in Gespräch, spruchreif sei dies allerdings noch nicht. Die Anteilsscheine der Genossenschafter werden ab dem dritten Jahr mit 2 Prozent verzinst. (crs)