Amtsgericht
Schweizer zockt seinen Bekanntenkreis ab und taucht unter

Vor dem Amtsgericht erschien Kurt N.* am Montag nicht. Die Möglichkeit besteht, dass er sich auf die Cayman Islands abgesetzt hat. Mit Renditeversprechen von mehreren 1000 Prozent betrog er zuvor Freunde und Bekannte.

Christoph Neuenschwander
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Mit fiktiven Immobiliengeschäften betrog Kurt N. Freunde und Bekannte. Jetzt ist er untergetaucht. (Themenbild)

Mit fiktiven Immobiliengeschäften betrog Kurt N. Freunde und Bekannte. Jetzt ist er untergetaucht. (Themenbild)

Keystone

Man stelle sich einen Mann mit einem gewissen Charisma vor, der einen guten Sinn für lukrative Geschäfte hat, aber völlig pleite ist. Einen Mann, der problemlos einen anständigen Job gekriegt hätte, jedoch lieber seine vertrauensseligen Bekannten übers Ohr hauen wollte. Einen Mann, der «offenbar keine moralischen Grenzen» hat. Solch einen Mann skizzierte der Staatsanwalt Domenic Fässler.

Nur der Mann selbst, Kurt N.*, fehlte an der Verhandlung vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. Seiner Freundin gegenüber hatte er gedroht, er werde sich etwas antun - oder sich auf die Cayman Islands absetzen. Kurz darauf verschwand er tatsächlich: mit Laptop und Necessaire, was eher für die Umsetzung des zweiten Vorhabens spricht.

Fast eine Million Franken ertrogen

Nach und nach hatte Kurt N. in der vorgängigen Untersuchung gestanden, sich durch gewerbsmässigen Betrug um 379‘502 Franken bereichert zu haben. Zudem hatte er 454‘840 Franken veruntreut und insgesamt 49 Urkundenfälschungen begangen.

Bei den Geschädigten handelt es sich vor allem um Freunde und Bekannte des 44-jährigen Schweizers, der sein Umfeld «laufend und mit einer bemerkenswerten Kreativität angelogen» habe, wie Fässler bemerkte. Für die Opfer von Kurt N. sei der Betrug aufgrund seiner Arglist kaum zu erkennen gewesen, so der Staatsanwalt. Erstaunlich, wenn man bedenkt, mit welch haarsträubenden Renditeversprechen der Beschuldigte seine Kunden köderte.

«Keinen legalen Rappen verdient»

Der Schlüssel zum Erfolg lag offenbar im Auftreten von Kurt N., der eine Consulting Firma für Investments aufgebaut hatte. Für Geldgeschäfte schien er ein goldenes Händchen zu haben. Er, baute sich ein Haus, fuhr ein teures Auto, besass ein Wohnmobil. «In Tat und Wahrheit hat N. mit der Firma aber keinen legalen Rappen verdient», so der Staatsanwalt. Seine finanzielle Situation sei desolat gewesen.

Doch die Äusserlichkeiten verfehlten ihre Wirkung nicht. Insgesamt zehn Parteien investierten 2009 in erfundene Immobilienprojekte. N. versprach Zinsen von 15 bis 30 Prozent, ging mit Investoren essen, als deren Gewinn ausblieb. Er vertröstete sie, spendierte ihnen teuren Wein, zahlte marginale Beträge zurück und knöpfte manchen bei dieser Gelegenheit noch mehr Anlagekapital ab.

Viereinhalb Jahre gefordert

Zudem nahm er von 2006 bis 2009 Geld von insgesamt 47 Kunden entgegen, um es in ein ausländisches Anlageprogramm mit Renditeversprechungen von mehreren 1000 Prozent zu investieren. Von den anvertrauten 463 000 Franken investierte er gerade einmal 8160. Der Rest finanzierte seinen Lebensunterhalt.

Die Staatsanwaltschaft forderte für Kurt N. eine unbedingte Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Verteidigerin Selig hielt eine bedingte Strafe von zwei Jahren für angemessen, da ihr Mandant vom Leben schon genug gestraft worden sei: Er habe Familie, Haus, Geld und Ehre verloren. Das Urteil des Gerichts wird am Freitag bekannt gegeben.