Was das Wetter angeht, hatte der vergangene Samstag eindeutig nicht viel Schönes zu bieten. Regenwolken bedeckten den Himmel über dem Weissenstein und der Nebel machte die ganze Atmosphäre auf dem Solothurner Hausberg eher mystisch als freundlich. Dennoch liessen sich die Besucher des 67. Weissensteinschwinget das Fest nicht vermiesen. Es wurde diskutiert, getrunken, gegessen und gelacht.

Von überall kamen sie her

Wenn man sich ein wenig umhört, wird klar: Hier sind bei weitem nicht nur Solothurner anwesend. Da und dort ein Dialekt aus der Zentralschweiz oder der Ostschweiz. Ein breites Berndeutsch hier – und da eindeutig Besucher aus dem Baselland. Dann plötzlich Englisch. «Wir sind von Australien», erklärt einer. «21 von uns sind hier wegen eines Freunds, der aus der Schweiz ist, jetzt aber in Australien lebt.» Das Wetter beeindruckt sogar die Besucher von Down Under kaum, sie sind sichtlich erfreut, auf dem Weissenstein zu sein.

Das Festzelt ist proppenvoll, draussen regnet es. An einem der Festbänke sitzt eine Gruppe junger Männer aus Gunzgen beim Kartenspiel. «Das Beste am Schwingfest ist die Geselligkeit und die Kollegialität. Man kann sein Portemonnaie verlieren und bekommt es ohne Probleme wieder zurück», sagt einer von ihnen. «Die Stimmung ist immer gut – und für uns ist es nahe.» Einige Tische weiter sitzt Daniela Leder. «Mir gefällt, dass viele Gleichgesinnte verschiedener Generationen zusammenkommen und einen schönen Tag miteinander verbringen.» Das Wetter spiele dabei keine Rolle, erklärt die Biberisterin lachend.

Trotz Regen und nicht gerade sommerlichen Temperaturen sitzten auch draussen viele. «Die Stimmung ist trotz Regen gut», erklärt Markus Lüscher aus Schalunen. Er sitzt draussen unter einem der grossen Schirme an einem Festbank. «Die Infrastruktur eignet sich ja auch für ein Fest bei Regenwetter.» Das sehen auch Thomas Kunz und Olivia Lanz so, die beiden sitzen an einem Tisch. «Schwingen ist ein Schweizer Volkssport, das sollte man unterstützen», erklärt Olivia. «Und die Location auf dem Weissenstein ist toll», ergänzt Thomas. Auch Besucher aus Pfeffingen im Kanton Baselland finden den Weissenstein einen super Ort für ein Schwingfest, obwohl dieses Jahr die schöne Aussicht wegfällt.

Tradition wird grossgeschrieben

Es herrscht viel Betrieb auf dem Festgelände. An einem Tisch spielt eine Gruppe von Männern einen Jass, an einem anderen wird diskutiert. Die Stimmung ist familiär und kollegial, jeder redet mit jedem, und es kommt durchaus vor, dass wildfremde Menschen einem ein Stück Käse oder einen Laib Brot anbieten. Für die meisten ist das Schwingfest eine Tradition, die Sport und Geselligkeit in sich vereint. «Das Schwingfest ist eine Traditionsveranstaltung, und es herrscht immer eine heimelige und freundschaftliche Stimmung», erklären drei Besucher aus Zofingen. Peter aus Oberdorf im Kanton Nidwalden drückt seine Begeisterung fürs Schwingen so aus: «Mich interessiert der alte Kampf Mann gegen Mann» Damit ist er bei weitem nicht der Einzige.

Aber es ist eben nicht nur der Sport, der ein Schwingfest ausmacht. Toleranz und Gemütlichkeit gehören ebenso dazu, wie das Ringen im Sägemehl. Man lernt Leute aus verschiedenen Generationen kennen, die aus allen Ecken der Schweiz – und teilweise sogar der Welt – zusammenkommen, um gemeinsam eine alte Schweizer Tradition zu feiern. Das Wetter kann alledem überhaupt nichts anhaben. «Dann trinken wir halt ein Kafi Lutz mehr als sonst», meint ein Besucher lachend. Und die anderen am Tisch lachen mit. Ein Hoch auf die Gemütlichkeit, die den Regen eindeutig übertrumpft.