Schweizer Erstaufführung
Theater und Orchester Biel Solothurn startet mit der Komödie «Die Mitwisser» in die Saison

Aufführungen sind wieder möglich. Den Betrieb wieder aufgenommen hat auch schon das Theater und Orchester Biel Solothurn Tobs. Dieses feierte am Donnerstag Premiere der Komödie «Die Mitwisser».

Fränzi Zwahlen
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«Die Mitwisser» - Schweizer Erstaufführung des Stückes von Philipp Löhle. Theo Glass (Liliom Lewald, knied), ärgert sich über die Fotos, die sein Herr Kwant (Günter Baumann, l.) von ihm gemacht haben. Anna (Antonia Scharl) und ihr Herr Kwant finden das in Ordnung.

«Die Mitwisser» - Schweizer Erstaufführung des Stückes von Philipp Löhle. Theo Glass (Liliom Lewald, knied), ärgert sich über die Fotos, die sein Herr Kwant (Günter Baumann, l.) von ihm gemacht haben. Anna (Antonia Scharl) und ihr Herr Kwant finden das in Ordnung.

Foto: Joel Schweizer

Wir sind in den Siebziger Jahren. Schlaghosen an den Beinen, lange Haarmatten auf den Köpfen, farbenfrohe Hemden und Anzüge. Noch keiner hat je von Internet, Handy oder Google gehört. Die Welt ist noch in Ordnung. Der biedere Theo Glass (Liliom Lewald) arbeitet als Enzyklopädist in einem Lexikon-Verlag, wo er für die Buchstaben A bis K zuständig ist.

Doch das mühsame Leben hat ein Ende: Theo hat sich Herrn Kwant (Günter Baumann) zugelegt. Er ist Theo bei allen Alltagsproblemen behilflich und das erst noch kostenlos. Einzige Bedingung: «Unterschreiben sie unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen.» Einen dicken Ordner soll er zunächst durchlesen. Dafür haben weder Theo noch seine Freundin Anna (Antonia Scharl) Zeit und Lust. Sie unterschreiben und ab jetzt bietet das Leben so viel mehr Möglichkeiten.

Kommt Ihnen dies bekannt vor? Mit Sicherheit. Denn wir alle haben inzwischen einen solchen Herrn Kwant bei uns zuhause und an unserem Arbeitsplatz. Einer, der uns dem Nachschlagen von Allgemeinwissen hilft, der uns beim Autofahren steuert, der weiss, welche Musik wir gerne hören und wie unsere Schlafgewohnheiten sind. Herr Kwant kommt zwar nicht mehr in Form eines Herrn im grauen Anzug mit blonder Perücke und Aktenkoffer ins Haus, doch er ist präsent via Display oder Bildschirmen.

Er verfolgt uns ständig mit seinen Angeboten und Verlockungen. Gleichzeitig weiss er alles über uns und registriert auch alles, was wir tun. Und wir lassen ihn gewähren, füttern ihn mit immer neuen Informationen über uns und wissen nicht, wozu er dieses Wissen eines Tages verwenden wird.

«Die Mitwisser»: Der Trailer zur Komödie.

Youtube:
Theater Orchester Biel Solothurn

Edward Snowdens Tat als Inspiration

Der Autor des Stückes «Die Mitwisser», welches 2018 in Düsseldorf seine Uraufführung erlebte, ist der 1978 geborene Ravensburger Philipp Löhle. Er setzt sich mit dieser Komödie warnend mit den Gefahren des Datenmissbrauchs und der digitalen Bedrohung durch Big Data auseinander. Anlass dazu gab ihm die Tat von Edward Snowden, dem ehemaligen CIA-Mitarbeiter, der sich 2013 entschloss, mit seinen internen Informationen über die global vernetzte Überwachung an die Öffentlichkeit zu gehen.

Dieses ernste Thema in einer Komödie mit völlig absurden Szenen zu veranschaulichen, ist ein gelungener Schachzug zur Sichtbarmachung dieser für uns unsichtbaren Tatsache. Theo Glass und seine Anna werden bis ins Schlafzimmer von Herrn Kwant verfolgt, sie trennen sich, weil Herr Kwant per Punktesystem herausfindet, dass sie überhaupt nicht zusammen passen, Theo verliert seine Arbeit - die erledigt jetzt Herr Kwant. Anna arbeitet mit Herrn Kwant in ihrem Blumenladen zusammen. Theos verständliche verzweifelte Wutausbrüche werden am Ende gegen ihn verwendet; es bleibt ihm nichts übrig, als zum «Pfeifenbläser» zu werden, der sich allen sozialen Kontakt verweigert.

Das Schauspiel-Team - mit dabei sind noch Atina Tabé sowie Sandro Howald und Jonas Hannes Goltz vom Tobs-Schauspielstudio in wechselnden Rollen - unter der Regie von Katharina Rupp, bringt eine Schweizer Erstaufführung auf die Bühne, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Günter Baumann als dämonisch-verführerischer Kumpel-Kwant und Lilion Lewald als zunächst jovialer und später sich Haare-raufender Theo sind die Hingucker. Eine auf die Zeit perfekt abgestimmte Bühne und die Musik machen diese Aufführung zu einem unvergesslichen Theaterabend.

Hinweis: Nächste Aufführungen in Solothurn: 23., 24., 25., 26.4. Premiere Biel: 22.6