Solidarität
Schweigende Mehrheit meldet sich: Das Kapuzinerkloster soll nicht weiter vor sich hinmodern

Über 80 Anwohnerinnen und Anwohner wollen das Solothurner Kapuzinerkloster nicht weiter vor sich hinmodern lassen: In einer Erklärung setzen sie sich für ein Sozialprojekt als Zwischennutzung ein.

Urs Mathys
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Aus der «Suppenstube» bei der Klosterpforte erhielten früher sogenannte Randständige eine Mahlzeit.

Aus der «Suppenstube» bei der Klosterpforte erhielten früher sogenannte Randständige eine Mahlzeit.

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Symbolische Rückendeckung für die Idee, das Solothurner Kapuzinerkloster für ein Sozialprojekt zu nutzen: «Ein grosser Teil der Anwohner steht hinter dem Konzept», heisst es in einer mit «Leben statt Zerfall» betitelten Erklärung. Diese ist von Kunstmaler Roman Candio und FDP-Gemeinderat Beat Käch lanciert worden und trägt die Unterschriften von 83 Anwohnerinnen und Anwohnern, von 13 Lehrkräften des benachbarten Hermesbühlschulhauses sowie von zwei «Zugewandten».

«Wir möchten dem Zwischennutzungsprojekt die Chance einräumen. Möge das ökologische und soziale Projekt dem Kapuzinerkloster neues Leben bringen. Damit aus dem Kloster nicht eine Ruine wird», heisst es darin. Die Unterschriftensammlung wird als Reaktion auf die drei Einsprachen – eine davon von acht Parteien unterzeichnet – verstanden, die von anderen Quartierbewohnern gegen das nötige Umnutzungsgesuch beim Stadtbauamt eingereicht worden sind. Man sei ob der Einsprachen erschrocken, schreibt die bisher schweigende Mehrheit: Man wolle nun zeigen, «dass ein grosser Teil der Anwohnenden hinter dem Projekt steht».

Auch die Mönche machten Lärm

«Wir haben ganz bewusst nur im engsten Umfeld des Klosters Unterschriften gesammelt», unterstreicht Roman Candio. Die gemeinsame Erklärung habe dadurch um so mehr Aussagekraft. Ein Blick auf die Liste der Unterzeichnenden, die der Redaktion vorliegt, bestätigt diese Aussage. Bis auf die genannten zwei Ausnahmen – darunter Anton Cadotsch, emeritierter Domprobst – handelt es sich allesamt um Personen, die im engen Perimeter um das Kloster leben.

«In aller Stille modert das Kloster vor sich hin, seit die Kapuzinermönche vor 14 Jahren ausgezogen sind», heisst es im Schreiben weiter. Allen Unterzeichnern sei der Wunsch gemeinsam, dass im Kapuzinerkloster wieder neues Leben einkehre. Als das Kloster noch im Betrieb gewesen sei, hätte dort auch nicht Totenstille geherrscht, blicken die Anwohner zurück: «Mönche fuhren mit Autos rein und raus, Lieferanten ebenso. Der Klostergarten wurde auch maschinell und laut bearbeitet», und Gläubige seien sonntags früh mit den Autos zu den Gottesdiensten in der Klosterkirche angefahren. Dies an die Adresse jener Einsprecher, die um ihre Ruhe bangen. Bereits morgens um sechs Uhr hätten die Glocken geläutet, weshalb ein alter Solothurner Fasnachtsspruch denn auch laute: «Es lütet z’Kapuzinere, jetz muess i hei zu minere.» Auch sogenannt «Randständige» hätten sich beim Kloster eingefunden: «Dankbar für das Angebot der Suppenstube bei der Klosterpforte.»

Ja, trotz allfälliger Nachteile ...

«Jetzt erhält das Kapuzinerkloster die Chance, wenigstens in Form einer Zwischennutzung wieder aufleben zu können», halten die Unterstützer des Projektes fest: «Wir Anwohnende freuen uns, wenn im Klostergarten wieder Gemüse, Kräuter und Blumen angepflanzt werden, wenn aus Früchten des Obstgartens Köstlichkeiten entstehen und wenn das Kloster öffentlich zugänglich wird.» Dass im Rahmen des Projektes «Asylbewerbende ein paar Stunden beschäftigt und so von der Strasse weggeholt werden können», erachten die Unterstützer als «sozial sinnvoll». Dies als klare Distanzierung von Aussagen einzelner Opponenten hinter vorgehaltener Hand, wonach man keine «Fremden» ins Quartier gelockt haben wolle.

Es sei auch «richtig», ist im Solidaritätsschreiben weiter zu lesen, «wenn im Kloster zwischendurch, wie bisher schon, Hochzeiten gefeiert, Familienfeste sowie Firmen- und andere Anlässe durchgeführt werden». Dafür, «dass das Kloster wieder ein lebendiger Organismus wird, der er früher mal war», würden die unterzeichnenden Anwohner «auch Nachteile in Kauf nehmen», schreiben sie. Mögliche gelegentliche Parkierungsprobleme würden sich in Griff bekommen lassen und seien sicher «nicht stichhaltig, um das neue Aufleben des Klosters zu verhindern».