Wangen an der Aare
«Schützenhouse» erneuert sich: «Wir stehen ziemlich einsam da»

Der Club an der Autobahnausfahrt Wangen an der Aare rüstet auf: Mit einer neuen Infrastruktur und einem breiteren Programm sollen nicht mehr nur die "Jungen" angezogen werden.

Jasmin Krähenbühl (text/bild)
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Das legendäre «Schützenhouse» in Wangen an der Aare wird zurzeit komplett saniert und mit einem Neubau ergänzt.

Das legendäre «Schützenhouse» in Wangen an der Aare wird zurzeit komplett saniert und mit einem Neubau ergänzt.

«Nein, dafür bin ich doch schon zu alt» – von diesem Image will das «Schützenhouse» in Wangen an der Aare wegkommen. Nach 20 Jahren Clubbetrieb wagt die Regast AG eine Neuorientierung. Sie möchte ein breiteres Publikum ansprechen und auch für ältere Jahrgänge ein attraktives Angebot bieten, erklärt Geschäftsführer Nils Kurth.

Zuallererst wird man die neue Ausrichtung wohl im frischen Erscheinungsbild des historischen Schützenhauses bemerken: Das über 100 Jahre alte Gebäude wird derzeit komplett saniert. Vor dem Schützenhaus wird es in Zukunft eine dauerhafte Gartenlandschaft mit viel Grün geben. Die grösste optische Veränderung wird aber ein zweistöckiger Neubau sein, der über einen Glaskorridor mit dem Schützenhaus verbunden sein wird. Möglich geworden war der Anbau, weil die Standortgemeinde die Umgebung des Schützenhauses vor zwei Jahren von der Landwirtschafts- in die Gewerbezone umzonte.

Angebot erweitert

«Das ‹Schützenhouse› war in die Jahre gekommen und wir hatten einen dauernden Platzmangel, die ganze Logistik war in Provisorien untergebracht», erzählt Kurth. All dies wird nun im Neubau unterkommen. Doch damit nicht genug: Garderoben, Kassen, Toiletten, eine Küche, ein Restaurant und ein grosser Loungebereich sollen auch darin Platz finden. Der ganze Neubau kann zudem für Events wie Firmenanlässe oder Geburtstagsfeiern gemietet werden. Voraussichtlich wird das neue Angebot Anfang Mai in Betrieb genommen. Der Club bleibt während der Umbauarbeiten geöffnet.

So kann man im «Schützenhouse» zukünftig nicht mehr nur feiern, sondern auch essen und gemütlich verweilen. Das Restaurant wird mittags und abends geöffnet sein. Man werde nach wie vor hauptsächlich «schnelle Küche» anbieten, sagt Kurth. «Der Burger bleibt unser Ding.» Doch es würden Produkte von hoher Qualität sein: «Vom Brötchen bis zum Fleisch, wir wollen so viel wie möglich regional einkaufen und im eigenen Haus zubereiten.»

SOHO wie in New York

Nebst dem veränderten Erscheinungsbild gestaltet sich auch das Programm im Partytempel neu: «Breiter, abwechslungsreicher, bunter», charakterisiert Kurth das neue Konzept. Livemusik, Comedy-Abende und themenorientierte Partys sollen ein breiteres Publikum anziehen. Passend zu der neuen Ausrichtung wurde das «Schützenhouse» kürzlich in «SOHO Club» umgetauft. Der Name widerspiegle zum einen die neuen, abwechslungsreichen Angebote, trügen doch die kulturell vielfältigen Quartiere in Grossstädten wie New York oder Tokio auch den Namen Soho. Zum anderen würden die Hauptlettern des «Schützenhouses», S und H, bewahrt. «Es wäre schwierig gewesen, die neue Ausrichtung mit den neuen Bereichen unter dem alten Namen zu vermarkten und neue Kunden zu gewinnen», begründet Kurth die neue Namensgebung.

Doch weshalb war überhaupt eine Neuausrichtung nötig? An den Rekruten vom Waffenplatz Wangen an der Aare, die früher oft im «Schützenhouse» anzutreffen waren, liege es nicht: «Es stimmt zwar, dass sehr viel weniger Rekruten zu uns kommen. Doch wir waren nie abhängig von ihnen, sie waren stets nur ein schöner Bonus für uns», sagt Kurth. Der Grund sei viel mehr, dass die gesamte ehemalige Zielgruppe, die 18- bis 24-Jährigen, bedeutend weniger in den Ausgang gehe. Kurth zieht eine Statistik der Schweizer Armee heran: «Während die Jahrgänge 1980–1985 durchschnittlich noch 2,4-mal pro Woche ausgingen, sind es bei den Jahrgängen 1990–1995 nur noch 0,8-mal die Woche.»

Clubsterben spürbar

«Heute geht man weniger in den Ausgang, dafür sucht man sich die Anlässe und Partys gezielter aus», beobachtet Kurth. Auch das spreche für das neue vielfältigere Angebot: «Man besucht die Events, bei denen man voll dabei ist. Und nicht die Hälfte der Zeit am Smartphone verbringt.» Denn auch in den Clubs seien die Auswirkungen von Smartphone und Social Media zu spüren. «Früher war das ‹Schützenhouse› für viele wie ein Wohnzimmer, wo man die Kollegen trifft und sich austauscht», erzählt Kurth. Heute geschehe dieser Austausch auf anderen Wegen, zu grossen Teilen über das Smartphone. Ein Mitgrund, weshalb Jugendliche und junge Erwachsene seltener in den Ausgang gehen, vermutet Kurth.

Dass Clubs weniger gefragt sind als früher, ist bekannt. Seit längerem ist schweiz- und auch europaweit die Rede vom «Clubsterben». Das spürt man auch in Wangen. «Wir stehen ziemlich einsam da», sagt Kurth. Das «Terminus» in Olten, die Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn, sonst sei der neu benannte SOHO Club fast konkurrenzlos. Sollte man sich nicht freuen, ohne Mitstreiter zu sein? Kurth sieht das anders: «Viele Besucher wollen den Abend nicht in nur einem Club verbringen, sondern von einem zum nächsten tingeln. Sie gehen deshalb eher in eine grosse Stadt wie Zürich oder Basel, wo es mehr Angebote hat.» Um die Clubkultur in der Region aufrechtzuerhalten, würde es Kurth sehr begrüssen, wenn es wieder mehr Ausgehmöglichkeiten gäbe.